INTERVIEW Bad Wildungerin über Meistertitel und Pläne

Siebenkämpferin Carolin Schäfer: „Bei Olympia ist einiges möglich“

Carolin Schäfer
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Durchbeißen über 800 Meter: Carolin Schäfer bei der Deutschen Meisterschaft am Wochenende.

Sie ist ihrer Favoritenrolle vollends gerecht geworden: Die Bad Wildungerin Carolin Schäfer hat bei der Deutschen Mehrkampf-Meisterschaft unangefochten den Siebenkampf-Titel gewonnen.

Kassel – 6319 Punkte sind das weltweit zweitbeste Ergebnis des Jahres. Im Interview spricht die 28-Jährige darüber, welche Erfahrungen sie auf dem Weg zu Olympia 2021 gewonnen hat.

Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft! Strömender Regen, Windböen, dann wieder Sonne – was war das für ein Siebenkampf für Sie?
Es war ein typischer Mehrkampf – mit fast allen Witterungen. Eine Hauptschwierigkeit war, mit dem Wetter umzugehen. Das ist mir aber ganz gut gelungen. Aber klar, es ist natürlich nicht so schön, wenn man die Wettkämpfe im Dauerregen absolvieren muss. Da ist dann auch eine gewisse Vorsichtshemmung vorhanden. Deshalb bin ich im Hochsprung auch bei 1,83 Meter ausgestiegen. Da war das Risiko zu groß.

Was hat Sie im Wettkampf am meisten gefreut?
Der Hürdenlauf und die 200-Meter-Disziplin. Ich lebe ja von meiner Sprintfähigkeit – immer ein Indiz für eine gute Form bei mir. Deshalb war es schön, zu sehen, dass meine Zeiten schneller werden. Wenn der böige Wind nicht gewesen wäre, wäre über 200 Meter sogar eine noch schnelle Zeit als 24,12 Sekunden drin gewesen.

Zuletzt haben Sie viel am Speerwerfen und an den 800 Meter gearbeitet. Ausgerechnet diese beiden Disziplinen liefen nicht ganz so perfekt. Woran lag das?
Ich glaube, dass meine eigene Erwartungshaltung da enorm war. Ich wollte meine guten Trainingsfortschritte zeigen. Vielleicht war ich deshalb etwas zu verkrampft. Es war auch wichtig für mich, zu sehen, dass das Zeigen der Leistungen aus dem Training in der Wettkampfpraxis kein Selbstläufer ist.

Wie hilfreich sind Tipps von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul ?
Im Trainingsalltag ist ein großer Informationsaustausch untereinander im Team in den Disziplinen für uns ganz normal. Aber klar, Niklas ist ein herausragender Speerwerfer – und auch selbst Athlet, der deshalb gut nachempfinden kann, wie ich mich im Wettkampf fühle. Die Versuche mit ihm zu besprechen, gibt einfach viel Sicherheit.

Sie sagen, dass sich der Trainerwechsel ausgezahlt hat – inwiefern?
Es ist unglaublich wichtig für mich, neue Reize gesetzt zu bekommen und in einer so qualitativ starken Trainingsgruppe zu trainieren. Ich profitiere von einer neuen Trainingsphilosophie.

Wie sieht diese denn aus?
Es ist ein Zusammenspiel von Spaß und Ernsthaftigkeit. Mich in der Trainingsgruppe fallen lassen zu können, ist enorm wichtig für mich. Ich verspüre große positive Dynamik. Andererseits arbeiten wir sehr detailreich, sehr technisch basiert – fast schon perfektionistisch. Wenn wir an der Startlinie stehen, ist absolute Konzentration vorhanden. Dann ist Schluss mit lustig.

Sie haben die DM auch als Standortbestimmung bezeichnet. Wo stehen Sie?
Das strukturierte Sprinttraining der vergangenen vier Wochen hat mir gutgetan. Die Spitzigkeit ist da. Auch die Umstellungen in den Würfen sind die richtigen technischen Ansätze. Die Formkurve zeigt nach oben. Wir sind im Hinblick auf die Olympischen Spiel in Tokio 2021 auf einem richtig guten Weg. Nächstes Jahr, bei Olympia, ist einiges möglich. Es braucht aufgrund eines großen Veränderungsprozesses, in dem wir stecken, nur einfach noch ein bisschen Zeit und Geduld.

Sieben Jahre liegen zwischen dem Gewinn Ihrer ersten Deutschen Meisterschaft und dem Ihrer zweiten jetzt am Sonntag. Warum eigentlich?
Die Deutschen Meisterschaften liegen meist sehr spät im Jahr – das heißt, dass ich oft nach den internationalen Höhepunkten meine Saison da schon beendet hatte. Das wäre dann der vierte Mehrkampf des Jahres – und das ist einfach körperlich und mental zu viel. Drei Siebenkämpfe im Jahr – mehr geht nicht. Umso schöner ist, dass ich dieses Jahr die Möglichkeit hatte, bei der DM zu zeigen, dass ich die Nummer eins der vergangenen Jahre bin. Endlich wieder Deutsche Meisterin! (Sebastian A. Reichert)

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