WLZ-FZ-Serie „Ein Foto und seine Geschichte“: Willinger Fußball in 50ern und 60ern war ein Auf und Ab

Als beim FC Upland gekickt wurde

- Der SC Willingen ist heute eines der Aushängeschilder im heimischen Fußball. In der Zeit nach dem Krieg wurde in Willingen aber nicht im Ski-Club gekickt, damals gab es den FC Upland. Hans-Herbert Kesper erinnert sich ...

In Willingen war der Fußball in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein Stiefkind, obwohl sie 1950 Kreismeister wurden. 1952 stellte der Skiclub mit Karl Schüßler den ersten Olympiateilnehmer (im 50-Kilometer-Langlauf) und Karl Wilhelm Lindner wurde deutscher Jugendmeister in der nordischen Kombination. Die Willinger Turner waren mit ihrer Turnriege die besten im Kreis. Die Fußballer allerdings hatten es im Upland-Dorf schwer, erinnert sich Hans-Herbert Kesper. Der Fußballplatz befand sich unter dem Viadukt und wurde jahrelang – kriegsbedingt – zweckentfremdet, er war dadurch ein Kraterfeld geworden. Pionier Hans Schlömer und einige Sportkameraden richteten den Platz mit viel Mühe wieder her. „Fußball konnte man nun wieder auf diesem Bolzplatz spielen“, erzählt Kesper. „Ich war Kind und verbrachte meine halbe Jugend auf und um den Platz.“ Hautnah erlebte er mit, wie sich der Fußball im Dorf Ende der 40er und in den 50ern entwickelte. Es mangelte an Spielern Damals spielten die Fußballer nicht im SC, sondern für den 1949 gegründeten FC Upland Willingen. „Elf Spieler zusammenzubekommen war immer ein Kunststück, sodass man sich nicht selten Spieler aus dem nahen Ruhrgebiet auslieh, die für einige Wurstwaren in Willingen Fußball spielten“, berichtet Kesper. „Man nannte diese Spieler ‚Speckjäger‘. Aber dieses Leihgeschäft war nur vorübergehend. Meister wurde das Willinger Team 1950 dann schon ohne solche Gastspieler. Das Problem, elf Spieler zusammenzubekommen, blieb. Urlaubsgäste, die Fußball spielen konnten, wurden jeweils sehr schnell in die Mannschaft eingebaut. „Hermann Neuhaus war ein sehr flexibler Vorsitzender und hatte genügend Spielerpässe, sodass das Mitspielen nie ein Problem war. Einige dieser Gastspieler haben dann Willinger Mädels geheiratet“, erinnerte sich Kesper, „das war die beste Lösung.“ Bonacker, Kohlhase und Klaus Schirmak, er heiratete die damals bekannteste Skiläuferin Erika Neuhaus, waren einige dieser Spieler. „Der Fußball in jener Zeit unter dem Viadukt blieb jedoch ein Sorgenkind. So durfte ich mit 15 Jahren schon in der ersten Mannschaft spielen“, blickt Kesper zurück, „sicherlich nicht, weil ich so gut war, sondern weil ich als elfter Mann gebraucht wurde.“ „Einige Jahre zuvor habe ich mir jeden Sonntag einen Sack Sägemehl vom Schreiner Emde-Brauck besorgt, um damit den Platz abzustreuen.“ Das größte Problem sei jedoch der Itterbach, der unmittelbar am Sportplatz vorbeifloss, gewesen, in dem immer wieder der einzige Ball gelandet sei. „Mit einer Fahnenstange, an dem ein Korb angebracht wurde, musste ich den Ball dann immer aus dem Wasser fischen. Manchmal musste ich dem Ball einen Kilometer hinterherrennen, um ihn dann zurückzuholen. Das Spiel war dadurch jeweils entsprechend lange unterbrochen“, sagt Kesper. Immerhin bekam er fürs Abstreuen und das Fischen der Bälle eine Mark. Fußballer mit Leidenschaft Der Willinger Fußball in dieser Zeit war leidenschaftlich und mitunter sehr emotional. „Verlorene Spiele endeten nicht selten in handfesten Keilereien“, berichtet Kesper. „Die Usselner Fußballer waren in dieser Zeit besser, und das ärgerte schon sehr. Nicht selten suchte man die Schuld bei den Schiedsrichtern, wenn ein Spiel gegen Usseln mal wieder verloren ging.“ Dennoch, so sagt er, „war es eine Zeit mit Höhen und Tiefen, an die ich mich gerne erinnere“.
Mit dem Tod von Hermann Neuhaus ging es beim FC Upland bergab, 1957 stellte die erste Mannschaft ihren Spielbetrieb ein. Kesper engagierte sich damals in der Jugendarbeit. 1958 führte er das Team als Trainer zur Kreismeisterschaft. „Aber erst 1964, dann unter dem Dach des Ski-Clubs, aber mit dem Stamm der 58er-Jugendmannschaft, begannen wir in Willingen, auch wieder mit einer ersten Mannschaft Fußball zu spielen“, erzählt Kesper.Ab diesem Zeitpunkt wurde ein neues Kapitel für den Willinger Fußball geschrieben.(swe)

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