Biathlet des SC Willingen bitter enttäuscht, er wollte Vater Michael nacheifern

Sven Lohschmidt muss Junioren-WM erkrankt absagen

Trauriger Blick: Sven Lohschmidt vom SC Willingen verpasst wegen einer fiebrigen Erkältung seinen Traum Junioren-Weltmeisterschaft. Foto: Harald Deubert

Willingen. Die Goldmedaillen vom Vater sind im Schrank im Wohnzimmer. Und er hätte liebend gern von sich Edelmetall dazu gehängt. Aber Sven Lohschmidt musste krankheitsbedingt die Teilnahme an der heute in Estland beginnenden Junioren-Weltmeisterschaft absagen. Die Enttäuschung beim Biathleten des SC Willingen war „einfach riesig“.

Der 20-Jährige hatte als Punktbester der vier Qualifikationsrennen im Rahmen des Deutschlandpokals das Ticket nach Otepää gelöst. „Ich hatte geschafft, für was ich all die Jahre gekämpft habe.“ Aber das Flugzeug hob am Samstag ohne ihn ab.

Erkältung und leichtes Fieber

Mitten im Vorbereitungslehrgangs in Mittenwald warf ihn eine Erkältung mit leichtem Fieber aus der Bahn. Bis dahin hatte Lohschmidt voll mitgemischt auf den ihm vertrauten Terrain; seit Sommer 2016 ist er wie seine Vereinskameradin Nadine Horchler beim dortigen Skizug stationiert. „Es geht zwar schon besser“, erklärte der Hauptgefreite immer noch deutlich hörbar verschnupft, „aber ich wäre nicht mehr auf 100 Prozent gekommen“.

Damit platzte der große Traum des Willingers. „Ich fühle mich wie mit der Bratpfanne vor den Kopf gehauen“, denn für seine letzte Chance im Juniorenbereich hatte er alles getan. Läuferisch ohnehin immer schon einer der Besten im deutschen Biathlon-Nachwuchs, haperte es immer wieder am Schießstand. „Ich habe im Sommer deshalb einen Schießtrainer bekommen“, so Lohschmidt, „und mit ihm sehr gut gearbeitet“.

Vater Michael als Vorbild

Die Trefferquote wurde deutlich besser und der 20-Jährige, nach dem letzten Winter nicht in einem nationalen Kader, wurde durch seine guten Vorstellungen bei den deutschen Meisterschaften der Herren im Herbst in die Lehrgangsgruppe des C-Kaders eingestuft. Das Vertrauen rechtfertigte er nicht nur mit Platz acht im Sprint des IBU-Juniorcups in Ridnaun.

Nach zwei Siegen sowie den Plätzen drei und vier in der internen Ausscheidung wollte Sven in Otepää nun seinem Vater Michael nacheifern. Der war als Sportler des SG Dynamo Zinnwald 1988 und 1989 mit der DDR-Staffel Juniorenweltmeister geworden, zum erfolgreichen Trio gehörte jeweils auch Marc Kirchner, der spätere Olympiasieger und heutige Herren-Bundestrainer. Seine zweiten Titelkämpfe krönte Lohschmidt zudem als Weltmeister im Sprint vor Mikael Löfgren (Schweden) und Viktor Maigurow (Russland). Seit der Wende arbeitet Lohschmidt, im Hauptberuf Dachdecker, ehrenamtlich als Trainer im SC Willingen – und betreute auch seinen Sohn.

Saison vorzeitig beendet

Der hat schon schon als kleiner Junge die Medaillen seines Vaters bestaunt und wollte nun etwas zurückzahlen. „Mit einem perfekten Tag hätte das klappen können“, rechnete sich Sven auch durchaus Medaillenchancen aus, „zumindest mit der Staffel“.

Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. „Dann muss ich eben ab dem nächsten Winter bei den Herren um Medaillen kämpfen.“ Diese Saison hat Sven Lohschmidt – ganz und gar nicht freiwillig – jetzt vorzeitig beendet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare