Biathletin aus Usseln geht zur Bundespolizei

Vom Upland an den Chiemsee: Marie Zeutschels Karriereschritt

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Den Berg hinauf: Biathletin Marie Zeutschel hofft zur neuen Saison auf einen Einsatz bei der Junioren-Weltmeisterschaft – das Foto zeigt die 19-Jähri ge bei der Junioren-Europameisterschaft im März dieses Jahres in Hochfilzen. 

Seit wenigen Tagen ist es sicher: Biathletin Marie Zeutschel vom SC Willingen hat einen Platz an der Bundespolizeisportschule in Bad Endorf ergattert.

VON FRIEDERIKE WEILER

Willingen – Am 1. August fällt für die 19-Jährige der Startschuss für das erste Ausbildungsjahr, der Umzug nach Bayern steht bevor. „Ich kann’s noch immer nicht richtig glauben, ich freue mich riesig“, sagt die Usselnerin, die erst Anfang Juni zum Bewerbungsgespräch in Bayern war, da wegen des Coronavirus die eigentliche Prüfung verschoben werden musste. 

„Erst stand das Diktat an, dann folgte der Sporttest und zum Schluss das Einzelgespräch zum aktuellen Weltgeschehen und zur Geschichte“, schildert Marie Zeutschel den Ablauf der Prüfung. Insgesamt werden zum neuen Ausbildungsjahr 22 Leistungssportler aus dem gesamten Bundesgebiet eingestellt, die dann die Möglichkeit haben, neben dem Sport über vier Jahre eine Ausbildung abzuschließen.

Bevor es dann für Marie Zeutschel im August nach Bad Endorf, dem Hauptstandort für die Sportgruppe der Bundespolizei geht, müssen aber noch ein paar organisatorische Dinge in der Schule geklärt werden. „Das geht jetzt alles irgendwie so schnell. Ich habe nur noch drei Wochen Schule und muss noch alle Bücher abgeben und mir das Zeugnis umschreiben lassen, weil es jetzt ein Abschlusszeugnis sein muss.“

Denn die 19-Jährige hat in Willingen an der Uplandschule das Fachabitur abgelegt. „Es ist auch schon alles in trockenen Tüchern. Ich muss jetzt eben nur noch ein Jahr Ausbildung hinten dran hängen und das ist ja nun über die Bundespolizei geregelt.“

Abschied mit Abstand: Von Sportwart Volkmar Hirsch vom SC Willingen gab es für Marie Zeutschel einen Strauß Blumen und viele gute Wünsche für den nächsten Karriereschritt.

Ihre Eltern und ihre beiden Schwestern haben sich sehr über die Nachricht gefreut. „Aber auch meinen Eltern geht das nun alles zu schnell, auch wenn klar war, dass ich im Sommer ausziehen werde.“ Denn bevor die Zusage der Bundespolizei kam, hatte Marie Zeutschel bereits einen Platz bei der Bundeswehr sicher. „Ich wollte aber lieber zur Bundespolizei. Die Trainingsmöglichkeiten in Bad Endorf sind hervorragend und ich glaube, dass ich mich in der Nähe des Chiemsees wohler fühle.“

Ob Marie Zeutschel demnächst komplett in Bayern trainieren wird oder in der ausbildungsfreien Zeit zurück ins Upland kommt, um dann weiterhin in der Gruppe von Landestrainerin Susen Fischer mittrainieren zu können, steht noch nicht fest. „Prinzipiell kann ich mir auch gut vorstellen, bei der Trainingsgruppe der Polizei in Bad Endorf mitzutrainieren. Ansonsten gibt es auch noch die Option, mit einer Gruppe in Ruhpolding zu trainieren.“

Marie Zeutschel: Vom Langlauf zum Biathlon

Seit 2011 ist Marie Zeutschel als Biathletin unterwegs, begonnen hat sie als Siebenjährige mit dem Langlauf. „Aber Biathlon ist viel spannender. Du kannst zwar eine gute Läuferin sein, aber durch das Schießen wird alles noch einmal durcheinandergewirbelt.“

Als ihren größten Erfolg nennt Marie Zeutschel die Teilnahme bei der Junioren-Europameisterschaft in der vergangenen Saison. „Das war mein erster großer internationaler Einsatz, da habe ich mich riesig gefreut“, sagt die 19-Jährige und ergänzt: „Die Ergebnisse waren zwar durchwachsen, aber ich hatte vorher eben nicht mehr mit der Teilnahme gerechnet, weil mein Saisoneinstieg sehr schleppend verlief.“

Marie Zeutschel gehört dem C-Kader an

Am Saisonende durfte sich die Biathletin aber trotzdem über den dritten Platz in der Gesamtwertung des Deutschlandpokals freuen. Außerdem wurde sie in den C-Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) aufgenommen. Auch für die neue Saison hat sie ihr Ziel bereits gesteckt: „Ich möchte mich für internationale Wettkämpfe qualifizieren und ich hoffe fest auf einen Einsatz bei der Juniorenweltmeisterschaft in Obertilliach.“

Die Weichen dafür kann sie vielleicht bereits im September stellen – deutsche Meisterschaft auf Skirollern in Altenberg, sofern diese in Anbetracht der aktuellen Lage stattfinden kann.

Training mit Denise Herrmann

Wenn es so wäre, könnte sich die 19-Jährige dort bereits für die ersten internationalen Wettkämpfe empfehlen. „Und vielleicht klappt es ja auch schon bald mal mit einem Einsatz im IBU-Cup“, sagt Marie Zeutschel und ergänzt: „Und mein Traum ist es, 2023 bei der Weltmeisterschaft in Oberhof an den Start zu gehen, das wäre genial“, so die 19-Jährige, die als ihre Vorbilder die Brüder Johannes und Tarjei Bø aus Norwegen nennt. 

Aber auch der Franzose Martin Fourcade und die Deutsche Denise Herrmann begeistern sie. Am Stützpunkt in Ruhpolding hat Marie Zeutschel sogar bald die Möglichkeit, mit ihrem Vorbild Seite an Seite zu trainieren. „Ich hoffe, dass ich mir bei ihr noch einiges abgucken kann.“

Bis es nach Bad Endorf geht, steht in Kürze noch die sportmedizinische Untersuchung in Leipzig an und parallel dazu erfolgt auch der Einstieg ins Vollzeit-Training. „Damit ich bestens auf die Bundespolizei vorbereitet bin.“

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