Blindenfußball-Länderspiel Deutschland gegen Rumänien gibt faszinierende Einblicke

Das Ohr am Rasen haben

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Trickser. Dem Rumäne Florin Kovacs steckt das Dribbling im Blut, denn sobald er den Ball im „Eins-gegen-eins-Duell“ hatte, schlängele er sich oft so geschickt an den Deutschen vorbei, als ob er sehen könnte. Hier kann ihn Ali Pektas nur unfair bremsen. .

Korbach. Man sind die blind! Jeder kennt diesen Satz von enttäuschten Fußballfans.

Wer gestern das Länderspiel Deutschland gegen Rumänien auf der Hauer gesehen hat, wird in Zukunft andere Worte wählen, um seinen Unmut über die Leistung einer Mannschaft kundzutun.

Denn blinde Kicker können durchaus gute Fußballer sein. Wer das nicht glaubt, der kann ja mal die Augen schließen, mit dem Ball am Fuß einen Sprint anziehen und in diesem Moment muss er damit rechnen, dass er auf das runde Ding vor ihm tritt und fällt, er andere Spieler umrennt oder selbst umgerannt wird.

Ein Kicker ohne Augenlicht müsse daher sehr mutig sein und sein Ohr ständig am Rasen haben, sagt Bundestrainer Peter Gößmann. Das Gehör ersetzt so gut es eben geht die Sehkraft, dafür werden den Kickern einige Hilfsmittel an den Fuß gegeben. Im Ball ist ein Glöckchen und im Tor steht ein sehender Keeper, der Anweisungen gibt, dahinter ein lautstarker Helfer, der dem Fußballer nicht nur die Koordinaten für einen erfolgreichen Torschuss zuruft, sondern auch mit einem Stab an den Pfosten oder die Latte schlägt, damit der Schütze die Richtung seines Schusses besser anpeilen kann. So fliegen viele deutsche und rumänische Wortfetzen durch die Luft, aber ein Wort nutzen beide Teams: Voy. Das ist spanisch und heißt „Ich komme“. Jeder Verteidiger, der sich dem ballführenden Akteur nähert, muss dieses Wort rufen.

Die Hilfe von außen ist gut, dennoch ist jeder Kicker gut beraten, auf die eigenen Sinnen zu vertrauen. „Wer in der Nationalmanschaft spielt, weiß eigentlich immer, wo er sich gerade auf dem Feld befindet“, erzählt Gößmann. Gespielt wird auf einen Kleinfeld mit kleineren Toren.

Ohne Samthandschuhe

Wer denkt, die Kicker fassen sich gegenseitig nur mit Samthandschuhen an, der sieht etwas anderes. Die vier deutschen und die vier rumänischen Feldspieler schenken sich nichts, spielen körperbetont, manchmal beharken sie sich an der Bande wie Eishockeyspieler.

Doch das Besondere am Blindenfußball ist für den Sehenden der Überraschungsmoment, wenn aus dem Pass eigentlich schon ein klarer Fehlpass wird, er dann aber trotzdem noch ankommt oder wenn einem Spieler der Ball bei einer 100-prozentigen Torchance nur fünf Zentimeter am Fuß vorbeiläuft. Nur ein Versehen!

Viele Kicker beeindrucken aber auch mit einer engen Ballführung, stets rechts, links, rechts, links, damit der Spieler das Glöckchen besser hört. Und die fußballerische Intuition, die man einigen Kickern nachsagt, scheint es tatsächlich zu geben. Für die Kunst des gelungenem Dribblings braucht es keine Augen, die liegen in den Genen.

Und natürlich werden auch diese Nationalspieler am Ergebnis gemessen: Die Deutschen gewinnen 2:1 und keinem Zuschauer kommt das Wort „blind“ in den Sinn.

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