Interview mit Neutrainer Waldemar Maier und Mentor Reinhard Jassmann

„Wir brauchen wieder mehr Nachwuchsboxer im TSV Korbach“

Waldemar Maier mit Boxhandschuhen und Kopfschutz jubelt mit seinem Trainer Reinhard Jassmann im Boxring.
+
Damals noch Schützling: Waldemar Maier (links) jubelt mit seinem Trainer Reinhard Jassmann im Februar 2012 über seinen Sieg bei der Hessenmeisterschaft. Jetzt wird er wie sein Mentor ebenfalls Boxtrainer.

Er hat 86 Kämpfe bestritten und blieb von 2006 bis 2012 ungeschlagen: Waldemar Maier war ein richtig guter Boxer. Nun folgt er seinem Mentor Reinhard Jassmann und wird Box-Trainer des TSV Korbach.

Der WLZ erzählten Jassmann und Maier vom Weg zum Trainerschein in Corona-Zeiten und den Zukunftsplänen der Box-Abteilung. Ein Doppelinterview.

Herr Maier, wie sind Sie zum Boxsport gekommen?

Maier: Mit zehn Jahren hat mich mein Vater das erste Mal zum Training des TSV Korbach gebracht. Mir hat es gefallen und ich bin geblieben. Dort habe ich auch Reinhard kennengelernt.

Also kennen Sie sich schon lange?

Maier: Seit 15 Jahren ist Reinhard mein Mentor. Er hat mich gefördert und ohne ihn hätte ich Erfolge, wie die Hessenmeisterschaft, nicht feiern können. Ich bin ihm sehr dankbar.

Jassmann: Menschen wie Waldemar findet man nicht an jeder Ecke. Er ist sehr engagiert und diszipliniert.

Herr Maier, Sie sind erst 25 Jahre alt, kämpfen Sie noch?

Maier: Nein, mittlerweile gehe ich nicht mehr in den Ring. Das liegt daran, dass ich durch die Arbeit in Schichten keine Zeit mehr dafür hatte.

Warum haben Sie dann diese Trainerstelle angenommen?

Maier: Ich hatte das Glück, dass mein Arbeitgeber mein Engagement im Sport belohnt hat. Ich arbeite mittlerweile in der Frühschicht und habe am Wochenende Zeit.

Und wie kamen Sie dazu?

Maier: Zusammen mit Reinhard habe ich einige Trainings-Einheiten geleitet. Gemeinsam haben wir uns dazu entschlossen, dass ich den Trainerschein mache. Das war vor ungefähr einem Jahr.

Jassmann: Man muss den Nachwuchs fördern. Waldemar ist ein idealer Kandidat, weil er sich über die Jahre als Sportler schon viel Wissen aneignen konnte.

Herr Maier, welche Trainer-Ausbildung haben Sie gemacht?

Maier: Beim Boxen unterteilt man in C-, B-, und A-Schein. Ich habe den C-Schein gemacht. Nun darf ich meine Schützlinge hessenweit zu Wettkämpfen begleiten.

Und Sie Herr Jassmann?

Jassmann: Ich habe auch nur den C-Schein. Trotzdem konnte ich als Trainer viele Erfolge feiern.

Wie läuft eine solche Ausbildung ab?

Maier: Die Ausbildung wurde vom hessischen Amateurboxverband ausgerichtet. Über drei Monate haben wir jedes Wochenende Unterricht gehabt.

Ganz schön viel Programm...

Maier: Absolut, gerade der theoretische Teil war sehr anspruchsvoll. Die Abschlussprüfung dauerte zwei Stunden. Durch meine vielen Kämpfe hatte ich allerdings Vorteile. Ich wusste schon viel und konnte deshalb auch im praktischen Teil überzeugen.

Zu den Personen

Reinhard Jassmann (65) aus Korbach war deutscher Meister, EM-Teilnehmer und Olympiakandidat im Amateurboxen. Nach seiner aktiven Zeit übernahm er beim TSV Korbach einen Trainerposten. Seit 30 Jahren engagiert er sich nun schon in der Box-Abteilung und war auch als hessischer Landestrainer international aktiv.

Waldemar Maier (25) ist im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie aus Kasachstan nach Waldeck-Frankenberg gekommen. Seitdem wohnt er in Korbach und hat mit zehn Jahren angefangen in der Box-Abteilung des TSV zu trainieren. Er hat es geschafft, Hessenmeister zu werden und kämpfte bei den deutschen Meisterschaften.

Wie ist die praktische Prüfung denn abgelaufen?

Maier: Wir mussten uns eine Schlagkombination aussuchen und diese richtig erklären. Ich habe eine Dreier-Kombination mit Schrittfolge gewählt.

Jassmann: Der praktische Teil ist je nach Prüfer sehr anspruchsvoll. Waldemar hat das sehr gut gemacht.

Wie groß war die Freude, als Sie den Trainerschein in den Händen gehalten haben?

In Kampfpose vor Pokalschrank: Reinhard Jassmann (links) und Waldemar Maier heute.

Maier: Das war schon ein tolles Gefühl. Ich habe hart dafür gearbeitet und musste durch die Coronakrise lange auf die Ergebnisse warten. Seit drei Wochen darf ich mich aber endlich Trainer nennen.

Was macht einen Boxtrainer aus?

Maier: Als Trainer hat man eine ganz andere Sicht auf den Kampf. Ich nehme nun eine Vorbildfunktion ein und muss auf meine Schützlinge achten. So wie Reinhard mich hochgezogen hat, muss ich die jungen Sportler nun auch hochziehen.

Herr Jassmann, ziehen Sie sich damit aus dem Boxsport zurück?

Jassmann: Nein, das könnte ich nicht. Ich war immer für das Boxen da und habe mit dem Verein Höhen und Tiefen durchlebt. Ich werde aber kürzertreten, weil ich auf die Gesundheit achten muss. Zukünftig fahre ich nicht mehr zu Kämpfen, das wird Waldemar übernehmen. Ich kümmere mich dann um organisatorische Dinge.

Also sind Sie schon fest eingeplant, Herr Maier?

Maier: Genau, ich werde mich vor allem auf die Wettkämpfer und auf die Frauen-Abteilung konzentrieren.

Kann derzeit überhaupt trainiert werden?

Jassmann: Wir stehen in den Startlöchern und hoffen, dass es auch mit den Kämpfen schnellstmöglich wieder losgehen kann. Das Interesse der Sportler ist groß. Dadurch, dass wir nicht auf die öffentlichen Hallen angewiesen sind, sondern einen Boxraum in der Fitness-Vitalfarm haben, können wir das Training viel besser planen.

Herr Maier, was möchten Sie beim TSV Korbach verändern?

Maier: Mein Ziel ist es, dass wieder mehr Nachwuchsboxer für den TSV Korbach antreten. Auch die Frauen-Abteilung soll weiter gefördert werden. Wir haben viele ehrgeizige und vor allem zuverlässige Frauen. Gerade die Disziplin ist sehr groß. Auch sie haben die Möglichkeit, in den Ring zu gehen.

Jassmann: Ich bin davon überzeugt, dass Waldemar neuen Elan in die Gruppen bringt. Außerdem kann er zuverlässig Trainingseinheiten leiten.

Herr Maier, bekommen Sie als Trainer nicht Lust, selber wieder zu kämpfen?

Maier (lacht): Ich trainiere für mich und bin fit. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, würde ich auch gerne wieder in den Ring gehen. Der Kampfspaß und die Motivation sind noch da. Ich muss abwarten.

Jassmann: Ein Sparringsturnier ist da immer eine gute Möglichkeit.

Was ist das für eine Turnierform?

Jassmann: Das ist sozusagen ein Trainingsturnier, von denen wir auch schon einige in Korbach veranstaltet haben. Bisher kamen sie immer gut an.

Maier: Wenn wir im nächsten Jahr genug Sportler haben, ist es unser Ziel, ein solches Turnier zu veranstalten. Dazu brauchen wir natürlich genug Kämpfer, aber wir sind guter Dinge, dass wir gerade im Nachwuchsbereich in den kommenden Monaten einen großen Schritt machen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare