Tischtennis

Christian Marschik: „Jeder betreibt den Aufwand gern“

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Spaß an erster Stelle: Christian Marschik.

- Ederberglands Titschtennis-Teamchef Christian Marschik spricht im Interview mit WLZ-FZ-Redakteur Gerhard Menkel über den Abstiegskampf in der Bezirksoberliga, Verletzungspech und fehlenden Nachwuchs.

Herr Marschik, Sie sind mit ihrer Mannschaft seit Saisonbeginn als Bezirksoberligist das klassenhöchste Herren-Team im Tischtennis-Kreis. Sind Sie darauf stolz oder darüber eher ein wenig betrübt?

Sowohl als auch. Auf der einen Seite bin ich schon stolz, dass wir die höchste Herrenmannschaft im Kreis stellen. Andererseits ist es auch schade, dass Wetterburg im letzten Jahr zurückgezogen hat und Adorf ein Jahr davor. Die Derbys bringen immer eine bestimmte Brisanz mit sich.

Sie haben zwei Rückzieher in zwei Jahren genannt, Bad Wildungen als Absteiger wäre ebenfalls zu erwähnen. Geht es mit dem Herren-Tischtennis bei uns insgesamt bergab?

Tischtennis hat, wie viele andere Sportarten auch, ein gewisses Nachwuchsproblem. Dem müssen die Vereine langsam Rechnung tragen.

Ihre Mannschaft steckt mit sechs Punkten aus 14 Spielen mitten im Abstiegskampf. Der war zwar auch vor einem Jahr Thema, aber da war die Situation besser.

Wir spielen seit zwei, drei Jahren um den Klassenerhalt. Bislang haben wir das immer noch gut hingekriegt. Dieses Jahr kommen ein paar Faktoren zusammen, weshalb wir schlechter dastehen als ein Jahr zuvor.

Die da wären?

Die Liga wird eigentlich jedes Jahr stärker. Das liegt an Zusammenlegungen in oberen Klassen wie der Regionalliga, deshalb kommen viele gute Spieler nach unten. Zum anderen liegt es auch an unserem Verletzungspech. In der Vorrunde ist Matthias Friedrich lange ausgefallen, in der Rückrunde falle ich lange aus.

Weshalb?

Ich hatte einen Muskelfaserriss in der linken Wade, daraus hat sich eine Thrombose gebildet. Deshalb werde ich vermutlich sechs, sieben Wochen noch ausfallen. Solche Ausfälle können wir nur sehr schwer kompensieren. Deshalb müssen wir uns mit dem Thema Abstieg stärker auseinandersetzen. Wir wollen aber versuchen, die Klasse irgendwie noch zu halten.

Die ersten sechs sind kaum adäquat zu ersetzen.

Schwierig, ja. Wir haben ein, zwei Ersatzspieler, die annähernd die Klasse haben. Aber wenn man sich die Vorrunde anschaut, dann haben wir - wegen der Verletzung von Matthias Friedrich - auf der sechs definitiv zu wenig Punkte geholt.

Was steht für die Mannschaft im Vordergrund: Ehrgeiz, die Liga zu halten, oder Spaß am Sport und die Gemeinschaft?

An erster Stelle steht ganz klar der Spaß. Wir haben eine sehr gute Gemeinschaft, was man schon daran sieht, dass Dennis Riedl jedes Wochenende aus Münster, wo er promoviert, angereist kommt, um mit uns die Spiele zu bestreiten. Aber der Spaß ist mit einer gehörigen Portion Ehrgeiz verbunden: Wenn wir an den Tisch gehen, wollen wir auch versuchen zu gewinnen.

Sie haben relativ weite Fahrten zu Auswärtsspielen wie Ihringshausen oder Niestetal: Lohnt sich der Aufwand?

Ja. Bei uns in der Mannschaft spielt jeder gern Tischtennis und nimmt gern den Aufwand in Kauf.

Sie haben das Problem des fehlenden Nachwuchses angesprochen: Ihr Verein hat weder eine Jugend- noch eine Schülermannschaft - und damit welche Zukunft?

Schwer, darauf eine Antwort zu geben. Vor Jahren hatten wir viele Schüler und Jugendliche, sie sind uns nach und nach weggebrochen - sicherlich auch durch Umstände, die nicht so ganz einfach aufzufangen waren. Da war der tödliche Unfall von Ernst Wetter, der viel mit Jugendlichen gearbeitet hat, oder der Weggang von Rolf Gebhardt. Und in dem Moment, in dem wir keine Schüler- oder Jugendmannschaft mehr stellen konnten, sind uns dann auch die vereinzelten Jugendlichen weggebrochen, weil sie Wettkampfbetrieb haben wollten.

Es fehlt an Trainern und Betreuern.

Man braucht erst mal vier, fünf Jugendliche mit Interesse an dem Sport, die ungefähr aus einem Jahrgang sind, damit man ihnen ermöglichen kann, in einer Mannschaft um Punkte zu spielen. Dazu braucht man natürlich jemanden, der sich ehrenamtlich um sie kümmert. Immer schwierig.

Tischtennis ist ein Lifetimesport, den man auch im hohen Alter noch betreiben kann. Kann man deshalb Mannschaften lange Zeit aufrechterhalten, ohne dass Nachwuchs nachrücken muss - oder ist das Quatsch?

Es stimmt schon, dass man Tischtennis auch im hohen Alter noch recht erfolgreich spielen kann - zumindest in den Ligen, in denen wir uns bewegen. Wir haben aber über die Jahre immer versucht, unsere Jugendlichen in den Mannschaften zu integrieren, hatten dabei aber immer wieder das Pech - für die Jugendlichen war es ein Glück -, dass die richtig guten zu Vereinen in Hessen-, Ober- oder Regionalliga gewechselt sind. Marco Specht spielt in Richtsberg, Sebastian Oehlmann ist nach Stadtallendorf gegangen, spielt heute in Münster - wir haben viele aufgebaut, die dann in höhere Ligen gewechselt sind. Der Verein ist schon relativ zusammengeschrumpft, von einstmals sieben auf noch vier Herrenmannschaften. Aber diese Entwicklung gilt ja nicht nur für den TTC Ederbergland, sondern auch für andere Tischtennis-Vereine ringsum.

Blicken Sie manchmal neidisch in Richtung der Hessenliga-Spielerinnen des SV Rennertehausen?

Neid ist das falsche Wort. Auf der einen Seite kann man natürlich neidisch sein auf den sportlichen Erfolg. Auf der anderen Seite ist man auch ein bisschen stolz, dass eine Mannschaft aus dem direkten Umfeld eine so hohe Liga besetzt. Und schließlich spielt in Rennertehausen ja auch eine ehemalige Spielerin von uns, Jessica Engelbach.

Sie haben einen QTTR-Wert von 1727. Ist das gut für die Liga?

Nein. Der QTTR-Wert gründet sich ja auf Erfolgen und Misserfolgen. Je mehr Spiele man verliert, desto niedriger ist der Wert. Da ich diese Runde im vorderen Paarkreuz spiele und nur richtig gute Gegner hatte, ist der nach und nach zusammengeschrumpft. Dazu kamen jetzt die Spiele, die ich kampflos abgeben musste. Der einzige, der bis uns heraussticht, ist Dennis Riedl mit mehr als 1800 Punkten. Wir anderen sind ungefähr alle gleich stark.

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