Karl-Heinz Pöttner einer der ältesten Leichtathletik-Trainer Hessens

Comeback mit 72

- Bad Arolsen (mn). Er ist in einem Alter ins Ehrenamt zurückgekehrt, in dem andere die Füße spätestens hochlegen. Jetzt feierte Karl-Heinz Pöttner seinen 75. Geburtstag. Der Trainer und Spartenleiter des VfL Arolsen ist einer der ältesten seiner Zunft in Hessen.

Sie nennen ihn „Pepsi“. Woher der Spitzname kommt, weiß Karl-Heinz Pöttner nicht so genau. Ein Wortspiel seiner älteren Tocher, irgend wann war es in der Welt. Auch die sieben Teenager, die ihn gerade schwatzend umstehen, rufen ihn Pepsi. Dabei könnte er ihr Großvater sein. Es ist später Freitagnachmittag im „Schwitzkasten“, der kleinen Sporthalle der Christian-Rauch-Schule. Der letzte Trainingstermin im alten Jahr. Die Mädchen sind aufgedreht und laut, bis Pöttner energisch wird: „Seid doch mal ruhig!“ Dann dürfen sie spielen, kein Training heute. Eine Weile beobachtet Pöttner die Mädchen. Er ist ein fürsorglicher Trainer. Ein motivierender. Ihn kümmern Wohl und Wehe seiner Schützlinge. Er tut viel für sie. Sie mögen ihn. Manchmal sind sie schwierig. Aus einer anderen Welt. Vielleicht passt das Bild ja: die Beziehung zwischen den Aktiven und ihrem Abteilungs- und Übungsleiter als Großvater-Enkel-Verhältnis. Die sieben gehören zur letzten Generation, die Karl-Heinz Pöttner im Laufen, Springen und Werfen anleiten wird, sieben von rund 20 Mitgliedern der VfL-Sparte, von denen etwa die Hälfte regelmäßig trainiert. Julia Abt ist das aktuell größte Talent. Mag sein, dass sich die B-Schülerin einreiht bei den vielen, die Pöttner zu Meistertiteln und Leistungen geführt hat, die noch heute in den Rekordlisten stehen. Vor allem in den später 1970er und den frühen 1980er Jahren. Es war die große Zeit der LG Conti Waldeck. Pöttner war ja eigentlich Turner. Zwischen 1954 und 1961 habe er im Turngau sämtliche Zehnkämpfe gewonnen, bei denen er mitgemacht habe, erzählt er. Diese Mehrkämpfe – halb Geräteturnen, halb Leichtathletik – kippten immer spätestens beim 100-Meter-Sprint zu seinen Gunsten – eine „11“ vor dem Komma schaffte kein anderer. „Dadurch bin ich zur Leichtathletik gekommen.“ Er kennt die Zeiten noch, als die Sprinter mit Löffel zum Wettkampf gingen – um sich Startlöcher auf der Bahn zu graben. Pöttner erwarb als einer der ersten die neugeschaffene Trainerlizenz in der Leichtathletik und baute beim VfL seiner Heimatstadt Arolsen eine neue Sparte auf. 1965 wechselte er zum TV Korbach, der mit anderen Clubs später die LG Conti gründen sollte. Er war Fachmann für Sprints und Stadionrunde. Der Arolser selbst hält nach wie vor die Waldecker Rekorde der Altersklasse M 45 über 100 m (11,5 Sek.), 200 m (23,95) und 400 m (54,2), 1980 gewann er bei den deutschen Seniorenmeisterschaften in München Silber und Bronze (am selben Tag, als Wolfgang „Flippo“ Heinemann den Titel über 10 000 m holte; auch ihn hat er trainiert); am 21. Juni 1981 wurde er in Wiesbaden hessischer Seniorenmeister über 100 m, 200 m und 400 m.Mitte der 80er Jahre, nach einem Intermezzo beim TSV Twiste, verschwand Pöttner vom Radar der Leichtathletik.2007 dann das Comeback: Auf eine Bitte des damaligen VfL-Vorsitzenden Hubertus Bulian übernahm er die nach dem Abschied von Heinrich Marwell verwaiste Abteilung des Vereins – ein Neuanfang mit 72.

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