Österreichische Skispringer dominieren auf der Mühlenkopfschanze

Continental-Cup: Ski-Club Willingen hochzufrieden, Freitag und Co. nicht

Kein Überflieger: Die deutschen Springer – hier Adrian Sell, der am Juryturm vorbeisegelt, enttäuschten in Willingen.
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Kein Überflieger dabei: Die deutschen Springer – hier Adrian Sell, der am Juryturm vorbeisegelt, enttäuschten in Willingen.

Die Österreicher strahlen, die Deutschen machen lange Gesichter, die Willinger blicken stolz auf ihr zweites arbeitsreiches Wochenende in Folge. Und bekommen Lob von allen Seiten.

Das „Land der Berge“ schien wie in einer Endlosschleife durch das Strycktal zu dudeln. Ulrich Wohlgenannt genoss sie aber mit Stolz und Genugtuung, die Hymne des Landes, das ihm noch nicht einmal einen Platz im B-Kader gegeben hat in dieser Saison. Da kamen dem 26-Jährigen aus Österreich die insgesamt 2000 Euro Preisgeld wahrlich gelegen.

Pikant, dass ausgerechnet der Mann ohne Kaderstatus in Willingen so kräftig abräumte, dass er nun sogar noch Außenseiterchancen auf einen Platz im österreichischen WM-Team hat. „Es hat alles gepasst. Tolle Wettbewerbe auf einer super Schanze“, freute sich der Mann aus Dornbirn in Vorarlberg.

Schnee beim COC: Die „Spur-Freimacher“ im Team der Free Willis mussten am Ende nochmal ran.

Wohlgenannt sorgte wie auch einige andere dafür, dass beim Auftritt der zweiten Garde der Skispringer teils erstklassige Ergebnisse und 40 Sprünge über 140 Meter heraussprangen. Sander Vossan Eriksen aus Norwegen kratzte am Samstag sogar am erst eine Woche alten Schanzenrekord. Seine 151,5 Meter waren die Topweite des Wochenendes.

Spannend waren die vier Springen am Mühlenkopf nur bedingt. Denn Phönix Ulrich Wohlgenannt hatte als Sieger Minimum 13, teilweise 30 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Der hieß zweimal Markus Schiffner und untermauerte das gute Abschneiden der bisher in acht von elf COC-Springen siegreichen Austria-Adler, bei denen Gregor Schlierenzauer lieber trainieren mochte und auf einen Start verzichtete.

Wenig überraschend: Sind Springer dabei, die in dieser Saison schon im Weltcup Erfahrung gesammelt haben, ziehen die etatmäßigen COC-Springer den kürzeren. Im Vorderfeld des Klassements fanden sich fast alle namhafteren Teilnehmer wieder; im Bestreben, nach Verletzung der Formkrise wieder ins Weltcupteam zu kommen.

COC in Willingen: Richard Freitag als Bester auch nicht zufrieden

Was war eigentlich mit den deutschen Skispringern los beim COC in Willingen? Nicht viel. Teilweise schaffte es nur ein Athlet ins Finale der besten 30. Von den Podestplätzen waren die zunächst 13 und am Samstag noch 7 Springer aus der B-Mannschaft weit entfernt.

Richard Freitag, der noch immer um die Rückkehr ins Weltcup-Team kämpft, erfüllte zumindest den Anspruch, bester Deutscher zu sein. Der Weltcup-Zweite von Willingen 2018 kam als einziger in allen vier Springen ins Finale der besten 30 und war am Freitag zum Auftakt guter Siebter. Konstanz bringt er aber immer noch nicht in seine Sprünge. An einen WM-Startplatz ist nicht zu denken.

Sorgenvoller Blick: Richard Freitag verbuchte in Willingen immerhin einen siebten Platz.

David Siegel, der als größtes Talent im DSV gilt, war durchaus ambitioniert angereist, schaffte es zweimal in den zweiten Durchgang, was er als Teilerfolg wertete. „Wenn es in Tempo weitergeht, ist der Winter bald vorbei. Ich bin noch nicht da angekommen, wo ich wollte“, stufte der Schwarzwälder seine Entwicklung ein.

Selbiges galt freilich auch für die übrigen fünf Athleten. Philipp Raimund, zweitbester Deutscher in der COC-Gesamtwertung, hatte nur einen Top-20-Platz zu Buche stehen; bei Kilian Märkl waren die Plätze 18 und 16 noch ganz in Ordnung. Das ganze Team scheint nicht in Schwung zu kommen. „Das gilt schon für den ganzen Winter; alle sind nicht zufrieden“, sagt David Siegel. „Durch die Bank fehlen irgendwie 15 Plätze nach vorne.“

Ski-Club Willingen kann erneut hochzufrieden sein

66 motivierte Springer, die froh waren, vier Wettkämpfe austragen zu können. Aber keine Zuschauer. Ungeachtet dessen machten die Free Willis einmal mehr ihren Job. Nach Regentagen unter der Woche hatten sie die Schanze wieder bestens präpariert. Und bei den Wettkämpfen sorgten sie für einen unterbrechungsfreien Ablauf – egal, ob das Wetter neblig und verregnet war wie am Freitag oder wechselwindig und verschneit am Samstag.

Bilder vom Skisprung-Continental-Cup in Willingen

Bildimpressionen vom Continental-Cup der Skispringer in Willingen
Bildimpressionen vom Continental-Cup der Skispringer in Willingen
Bildimpressionen vom Continental-Cup der Skispringer in Willingen
Bildimpressionen vom Continental-Cup der Skispringer in Willingen
Bilder vom Skisprung-Continental-Cup in Willingen

So konnte der Ski-Club einmal mehr ein positives Fazit ziehen als Veranstalter eines weltweiten Sportwettkampfes. Zumal durch frühzeitige Anpassung des Zeitplans alle vier Wettkämpfe bereits bis Samstagnachmittag durchgezogen werden konnten und man den wettermäßig sehr unsicheren Sonntag allen ersparen konnte. Die „Free Willis“ haben erneut bewiesen, dass in Willingen immer etwas geht, selbst wenn andere das Handtuch werfen.

Sowohl der Weltverband FIS wie auch der Deutsche Skiverband waren einmal mehr voll des Lobes über das Springen in Willingen. Das brachte auch Bernie Schödler, FIS-Koordinator für den Continental Cup, zum Ausdruck.. „Einfach Sensationell“; sagte Schödler, nach seinem Fazit befragt.

Auch das Hygienekonzept ordnete er als sehr positiv ein.  „Es wurde sinnvoll und lohnend angewendet. Du hattest immer den Eindruck, man hat es im Griff. Dieses Konzept kann Schule machen, aber ich hoffe, wir brauchen es nie wieder hier in Willingen“, so Schödler. (schä)

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