Reiten: Sektdusche statt Schlammbad

Cord Gautier ist Verbandsmeister

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Cord Gautier auf Gamiro im S*-Springen am Sonntag konzentriert auf dem Weg zum Verbandstitel.

Gemünden - Wechselhaftes Wetter, spannende Prüfungen und eine große Überraschung - das haben die Verbandsmeisterschaften der Reiter am Wochenende in Gemünden geboten. Eine junge Amazone beeindruckte zudem mit ihrer Vielseitigkeit.

Damit hatte Cord Gautier nicht gerechnet: Plötzlich wurde es kalt und nass in seinem Nacken. Kai Schrammel und Daniel Erd hatten sich bei der Siegerehrung der besten erwachsenen Springreiter Sektflaschen geschnappt. Der Inhalt wurde über den neuen Verbandsmeister, der sich gerade mit seinen besiegten Kontrahenten zum Pressefoto aufstellen wollte, geschüttet. „Sie hatten vorher angedeutet, dass ich noch im Schlamm landen würde“, berichtete Gautier später. Doch ein erwarteter Schubser vom Podium blieb aus, stattdessen gab es den „kalten Schauer“, den André Braunsdorf, der vor zwei Jahren selbst seine aktive Karriere an gleicher Stelle als Titelträger beendet hatte und in Gemünden als Sprecher fungierte, als „Taufe“ bezeichnete: Schrammel war als Titelverteidiger diesmal Zweiter geworden, auch der drittplatzierte Erd war schon einmal Verbandsmeister, für Gautier war es hingegen die Premiere.

Überhaupt ganz oben auf dem Podium zu stehen, damit hatte der 33-Jährige vom RFV Sachsenhausen ebenfalls nicht gerechnet: Er habe möglichst gut abschneiden wollen; die Erwartung, dass er um den Sieg mitreiten könne, habe er aber nicht gehabt. Vor zwei Jahren sei er bei den Hessenmeisterschaften schon einmal als „Statist“ gestartet - als bester Nordhesse und Nichtprofi belegte er damals mit einem anderen Pferd den fünften Platz. Diesmal gewann der Twister mit dem erst achtjährigen Gamiro den Titel. „Ich kenne das Pferd seit seinem ersten Atemzug“, erklärte der Reiter, wieso er so gut mit seinem selbst ausgebildeten Oldenburger Hengst harmoniert. Um das Pferd nicht zu überfordern, reite er es nur dosiert, also bei sehr wenigen Prüfungen.

Anderthalb Punkte Abstand

In Gemünden zahlte sich das aus: Zwar reichte es für das Paar im M**-Springen „nur“ zum siebten Platz und in den beiden schweren Prüfungen nach jeweils einem Fehler nicht zu Platzierungen, relevant war jedoch für die Meisterschaftswertung nur das Abschneiden gegenüber den anderen gemeldeten Reiter-Pferd-Duos - und dabei sammelten Gautier und Gamiro letztlich die meisten Punkte: Mit 60,5 Zählern setzten sie sich am Ende denkbar knapp vor Schrammel vom RFV Schwalm­pforte mit Authentic (59,0) und dem Bad Wildunger Erd mit Cape Town de Pierre Z (56,5) durch. Bisher sei es „kein gutes Jahr“ gewesen, sagte der neue Verbandsmeister, daher freue er sich über den Titel besonders.

Insgesamt wurden sechs Meister gesucht, darunter zwei weitere auf dem Springplatz. Richtig knapp war die Entscheidung bei den Jungen Reitern: Kristina Bauch vom RFV Hünfeld lag am Ende nur vorn, weil sie mit Collin in der letzten relevanten Prüfung gegenüber Constantin Bolse (RSpG Liebenau) auf Queensland besser abschnitt. Viktoria Pavel gewann die Junioren-Konkurrenz mit Podolski souverän. Besonders: Die Reiterin vom RFV Fürstenwald holte in derselben Altersklasse mit Kaiser Franz auch den Dressur-Titel.

Tassius Dressur-Zweiter

Bei den erwachsenen Dressurreitern wurden die Ergebnisse aus zwei Prüfungen zusammengerechnet - am Ende lagen Volker Tassius (RFV Vöhl) und Rossignol (167,319) minimal hinter Lisa-Maria Draude (LRFV Fritzlar) und Rühmann (167,377). Melanie Otto vom ausrichtenden RFV Gemünden wurde mit Quick Point Fünfte. Unter den Ponyreitern setzte sich Luisa Hartje (RFV Fürstenwald) auf Mary durch.

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