Michael Groß hat alle Hände voll zu tun

Corona mischt sich beim Weltcup in Willingen überall ein

Ein Lastwagen brachte Ausrüstung und Koffer vieler Springer von Lahti nach Willingen.
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2180 Kilometer: Ein Lastwagen brachte Ausrüstung und Koffer vieler Springer von Lahti nach Willingen.

Keine Zuschauer, keine Verkaufsstände, kein Festzelt, kein Vip-Bereich, kein Schneeräumen auf den Tribünen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob Corona den Willingern beim Weltcup weniger Arbeit bereiten würde.

Willingen – „Das täuscht, wir haben sogar erheblich mehr Arbeit durch Corona, vor allem bürokratische Aufgaben, viel Telefoniererei und viel Gemaile“, sagt Michael Groß, über dessen Schreibtisch oder Handy viele organisatorische Angelegenheiten für das Weltcup-Skispringen gehen.

Nahezu täglich kommen neue Aufgaben und Vorschriften aus dem politischen Lager, die am besten schon gestern umgesetzt werden müssen.

Groß wuselt sich gerade durch neu erlassenen Vorschriften zu den Einreisebestimmungen. Was geht das uns an, könnten nun einige Willinger fragen. Sehr viel. So hat Groß gerade erfahren, dass die norwegischen Skispringer ihren Plan, vom finnischen Lahti erst nach Hause und dann nach Willingen zu fahren, ändern müssen, denn sie dürften dann 14 Tage nicht mehr aus Norwegen ausreisen. „Sie kommen nun früher nach Willingen und darauf müssen wir reagieren“, erzählt Groß.

Vor wenigen Minuten habe er mit den Schweizern telefoniert und den Finnen und Bulgaren per Mail geantwortet. Sie alle wollten von Groß wissen, was sie tun müssten, um in Deutschland einzureisen. Eine falsche Angabe kann hier fatale Folgen haben, etwa ein Einreiseverbot.

Willinger Wissen ist gefragt. Aber kann man von den Ehrenamtlichen erwarten, dass sie in Sachen Corona-Regeln immer auf den neuesten Stand sind? „Nein, wir stehen im ständigen Kontakt mit dem Amtsarzt des Landkreises, aber auch der muss sich bei manchen Fragen Hilfe bei anderen Experten einholen“, erzählt Groß in einem Tonfall, der nicht genervt oder aufgeregt wirkt. Der Mann scheint die Ruhe selbst zu sein.

Michael Groß ist die ordnende Hand beim Weltcup

Und mit der Einreise der Mannschaften ist es nicht getan. Der Springertross will nach dem Weltcup natürlich auch wieder ausreisen, aus einem Land, das ebenfalls als Hochrisikogebiet eingestuft ist. Das bedeutet: Jeder, der Deutschland wieder verlassen und in seinem nächsten Einreiseland nicht in Quarantäne gehen will, muss einen PCR-Test nachweisen. Auch diesen Service bietet der Ski-Club seinen Gästen an.

Von Lahti nach Willingen: Lastwagen bringt Ausrüstung

Der vom Ski-Club eingesetzte Fahrdienst holt auch weiterhin Sportler vom Flughafen ab. Dabei herrschen natürlich ebenfalls strikte Hygieneregeln. „Jeder Fahrer darf nur eine bestimmte Gruppe transportieren, entweder nur Sportler, oder nur Funktionäre oder nur Medienleute“, erzählt Groß. Es kämen aber deutlich weniger Mannschaften mit dem Flugzeug, die Mehrheit reise mit dem Auto an, denn es würden weniger Flüge angeboten oder manche sogar kurzfristig abgesagt. Diese Ungewissheit sei auch ein Grund dafür, warum die Ausrüstung einiger Mannschaften diesmal mit einem Lastwagen vom finnischen Lahti nach Willingen transportiert werden. Er kam gestern morgen an.

Corona bricht auch mit jahrelangen Gewohnheiten. Sportler, Funktionäre, Helfer oder Journalisten können sich plötzlich nicht mehr so frei an der Schanze bewegen. Jeder darf nur in einer bestimmten Zone unterwegs sein.

Es gebe nicht eine Tätigkeit beim Weltcup, bei der Corona keine Rolle spiele, betont Groß. Die schnelle Eingreiftruppe, die 2020 ihr Debüt feierte und überall dorthin gerufen werden konnte, wo etwas klemmt, muss diesmal pausieren. „Das bedeutet, dass viele Abteilungen bei einem Problem von uns nur telefonische Hilfe bekommen können oder sich selbst helfen müssen, ob im Kampfrichterturm oder in der Schanze.“

Auch die deutschen Mannschaft hatte noch einen Koffer in Lahti.

Groß hat aber keine Bedenken, dass die Free Willis ihre professionelle Einstellung ein wenig vernachlässigen könnten, weil die Zuschauer als Motivation fehlen. Er kennt bisher auch keinen Helfer, der verärgert ist, weil der Ski-Club diesmal die über 70-Jährigen und die unter 17-Jährigen wegen Corona pausieren lässt. Ausnahmslos.

So fiel diesmal sogar Jürgen Müller durchs Helferraster. Der ehemaliger Ski-Club-Präsident und Ehrenmitglied muss zum ersten Mal seit 43 Jahren den Weltcup vom heimischen Sofa aus beobachten. Doch hinter den Kulissen ist seine Hilfe immer noch gefragt. Müller war seit Jahren für die Pokale zuständig, sie beschriften und verteilen

„Das ist diesmal meine Aufgabe und Jürgen hat mir geholfen“, erzählt Groß. Die Ehrendamen, die die Pokale bei der Siegerehrung verteilen, sind diesmal auch nicht dabei. Die Sportler nehmen sich ihre Trophäen bei der Siegerehrung selbst von Tisch. So verliert sogar diese Zeremonie an Glanz. Egal, schaut doch sowieso keiner zu. (rsm)

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