Corona ist nicht das größte Problem

Warum es auch 2021 kein Autocross im Kreis gibt

Blick auf das fast leere Rot-Motodrom des MC Sachsenberg von oben
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Nix los: Blick auf das fast leere Rot-Motodrom in Sachsenberg. Dort musste der MC auch in diesem Jahr auf sein Autocross samt deutscher Meisterschaft verzichten.

Der Sommer gehört, sportlich betrachtet, auch den Motorsportlern. Doch im Waldecker Land finden wie schon 2020 keine Rennen statt – an vielen klassischen Cross-Orten etwa in Westfalen auch nicht.

Sachsenberg - Die Hoffnungen, die Rahmenbedingungen würden eine Veranstaltung möglich machen, haben sich weitgehend zerschlagen. Corona macht Fahrern, Fans und Vereinen auch dieses Jahr wieder einen Strich durch die Rechnung. Corona? Damit allein könnte man fertig werden, wie das Beispiel des MC Sachsenberg zeigt. Die Lichtenfelser gaben sich letztlich den behördlichen Unwägbarkeiten geschlagen; sie hatten aber bis kurz vor Ultimo die Weichen gestellt für ihr Traditionsevent. Es wäre am vorigen Wochenende gewesen. Da gab es stattdessen „Autocross light“– ein vereinsinternes Rennen (siehe Artikel unten).

„Bis acht Wochen vor diesem Termin hätten wir noch sagen können, dass wir es doch machen.“ So umreißt Bianca Lemke vom Vorstand des MC Sachsenberg die Situation, die zeigt, dass man der Corona-Lage durchaus Herr werden kann. Zum 40. Autocross 2019 hielt der Lizenzsport des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) erstmals Einzug in Lichtenfels. Auch dieses Jahr sollten wieder Läufe zur deutschen Autocross-Meisterschaft (DACM) stattfinden.

Der DMSB wie auch der Deutscher Autocross-Verband (DAV) und der ADAC hätten dem Verein bis zuletzt den Rücken gestärkt, was die DM-Austragung betrifft, sagt Bianca Lemke. „Die Zuschüsse wären erhöht worden, einige Kosten wären erlassen worden.“

Rennen auch ohne Fans ein Thema

Auch wenn die wichtigen Einnahmen gefehlt hätten: Für den MC war es durchaus ein Thema, die Rennen auch ohne Zuschauer zu veranstalten. Bis zu 200 Teilnehmer – Fahrer plus Helfer – wären zugelassen worden im Rot-Motodrom. Das Hygienekonzept sei sehr gut angekommen, wie der Verein berichtet. Letztlich wurden die Sachsenberger Füße aber zu kalt. Das lag an den unkalkulierbaren Faktoren, also auch an der Pandemie und ihren bundesweiten Einschränkungen.

Der Motorsportclub, der sich bereits im Herbst 2020 auf einen Termin festlegen sollte, musste schlicht abwarten. „Die Problematik waren die steigenden Infektionszahlen im Frühjahr. Keiner wusste, ob und wann die Bundesnotbremse aufgehoben wird“, erklärt Bianca Lemke. Man habe immer so knapp wie möglich geplant. Gleichwohl müssten aber vor allem Genehmigungen relativ frühzeitig eingeholt werden, weil die Antragsverfahren teils langwierig seien. Unterm Strich bleibt: die Angst, dass die Kosten durch die Decke steigen und sie am Ende sogar entstanden sind, ohne dass die Veranstaltung stattfinden kann.

Die Vereinsarbeit in der Coronazeit

Anfang März 2020 hielt der MC Sachsenberg seine Mitgliederversammlung ab, ohne zu wissen, dass sich viele der Motorsportler für längere Zeit nicht mehr sehen würden. Kurz danach begann Lockdown Nummer eins. Bis zuletzt hatte die Coronakrise auch für die Motorsportler eine Reihe Auswirkungen im Vereinsleben. Eine Rennsaison gab es nicht; die Sachsenberger hatten versucht, ihr Autocross auf die Beine zu stellen, aber aufgrund steigender Coronazahlen davon abgesehen. Auch der Nachwuchs war wie in allen Sportarten gebeutelt, kein Jugendlehrgang war möglich. In diesem Jahr sieht es zumindest etwas rosiger aus. 15 MC-Jugendliche nahmen am bundesweiten Jugendlehrgang des Westdeutschen Autocross-Verbands (WACV) teil, dem der MC angehört. Die Theorie wurde online abgehandelt, die Praxis-Prüfung ermöglicht durch einzelne Prüffahrten wie etwa in Extertal. (schä)

„Es gibt immer mehr Auflagen“

Dass der Verlauf teils unnötig lang ist und den Vereinen viel zugemutet wird, weiß Bianca Lemke inzwischen. Die Kassiererin des MC Sachsenberg befasst sich oft mit Anträgen und den Fachleuten, die diese bearbeiten, wie etwa Naturschutzbehörden oder Planungsbüros, die Gutachten erstellen. In ihre Kritik stimmen sicher viele Vereine mit ein: „Genehmigungsverfahren werden immer komplizierter. Es gibt immer mehr Auflagen, es entstehen immer mehr Kosten für die Vereine.“

Freilich sind die Sachsenberger mit ihren Sorgen nicht allein. Bis auf zwei Events Ende September sind alle Rennen 2021 abgesagt worden. Fahrmöglichkeiten gab es nur bei einem Trainingswochenende beim MSC Extertal Anfang Juli. Die RSG Aartal Eppe als zweiter heimischer Autocross-Veranstalter hatte erst gar keinen Termin bekannt gegeben.

Doch was los: Im Rot-Motodrom veranstaltete der MC Sachsenberg am Wochenende vereinsinterne Rennen. Da freute sich auch der Nachwuchs in den Cross-Karts über Rennpraxis.

Papas alten Eigenbau hervorgeholt

Ein besonderes Gefühl sei die erste Vorstandssitzung ohne Online-Software gewesen, berichtet Bianca Lemke, Kassiererin beim MC Sachsenberg. Einer der Beschlüsse: Wir müssen etwas machen, eben andere Wege gehen; die Corona-Lockerungen nutzen, um das Vereinsleben wieder etwas zu stärken.

Das Resultat: Die Mitglieder wurden zu einem vereinsinternen Renntag eingeladen – und 170 Mitglieder, samt Familie und Freunden folgten dem Aufruf, hatten Lust, einfach mal wieder dieses Renngefühl zu erleben.

Am 17. Juli war es dann soweit: Endlich wieder Motorengeräusche, Staub und dieser typische Geruch im Rot-Motodrom. 30 Fahrer weckten ihre Autos aus dem Corona-Schlaf und nutzten die Chance auf ein paar Trainingsrunden mit Zeitnahme. Vom vereinseigenen Cross-Kart für die Jugend über den 40 Jahre alten Eigenbau des Vaters bis hin zu neu aufgebauten und in vorherigen Jahren bewährten Autos war alles dabei.

Die Mitglieder zeigten sich dankbar für eine solche Veranstaltung, die auch Bürgermeister Henning Scheele „perfekt organisiert“ fand und die trotz einiger Auflagen gut zu stemmen gewesen sei, wie Bianca Lemke berichtete. Gleichwohl würde der MC Sachsenberg auf ein zweites Mal gern verzichten: 2022, so hoffen alle, soll es am 16. und 17. Juli wieder „richtiges“ Autocross geben.

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