Vasbecker verpasst Quali zur WM, aber kann hochzufrieden sein mit 2019

Darts: Bunses Saison ist „irgendwo der Wahnsinn“

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Kennt längst auch das Rampenlicht: Christian Bunse auf der Darts-Bühne.

Vasbeck – Er hat Pfeile gegen die Größten der Zunft geworfen, viele Legs gewonnen und noch mehr verloren. Jetzt sitzt Christian Bunse zu Hause im beschaulichen Vasbeck und hat dartsfrei. Und ist ganz froh darüber. Eigentlich,

Mehr als 70 Turniere, drei-, viermal so viele Spiele, dauernd im Flugzeug, Zug und Auto; Barnsley, Wigan, Dublin, Wien und immer wieder Berlin – Bunse ist herumgekommen, seit er sich im Januar die Eintrittskarte zur Profi-Tour des Darts-Weltverbands PDC erspielt hatte. 

„Ich kann mich jetzt auf die Arbeit konzentrieren und abends ganz befreit ans Board gehen, wie ich Zeit und Lust habe“, sagt er. Doch hätte er die Wahl, Christian Bunse würde sein Dasein der Vorbereitung auf das bedeutendste Ereignis widmen, das Pfeilwerfen global zu bieten hat. Am 13. Dezember beginnt im Londoner Alexandra Palace („Ally Pally“) die Weltmeisterschaft. Um dabei zu sein, fehlten Bunse am Montag zwei Siege.

Bei der letzten Gelegenheit, als vierter Deutscher das Startrecht für das hochdotierte Spektakel zu erwerben, schied der 24-Jährige beim Qualifikationsturnier für Inhaber der Protour-Card in der vorletzten Runde aus. Er unterlag Matthew Elgar mit 2:6. Der 33-jährige Engländer holte sich anschließend mit einem weiteren Erfolg einen von drei WM-Startplätzen.

Bunse hatte sich gut gefühlt, die Auslosung schien ihm entgegenzukommen. Schlagbare Gegner. Er hatte Adrian Gray (6:4) und Mark Wilson (6:2) besiegt, beide ebenfalls aus England und deutlich erfahrener als der junge Deutsche, und führte gegen Elgar 2:0. 

Zwischen Tunnel und Gedankenkarussell

Dann kam er ins Überlegen. „Hey, du kannst dich heute für die WM qualifizieren.“ Danach war’s vorbei. Zwei, drei Aufnahmen ohne Triple, die dem Gegner gelingen – „er überrennt mich komplett“, schildert Bunse die Augenblicke, als ihm das Ally Pally aus dem Blick gerät.

Ob ihn das Gedankenkarussell aus der Bahn geworfen hat? „Eventuell möglich“, sagt er. Wirklich wissen kann er es nicht. Was er weiß: „Elgar war richtig im Tunnel,“ Diesen Zustand der absoluten Konzentration und Selbstgewissheit erreichte Bunse in diesem Match nicht.

Die Enttäuschung hat ihn nicht übermannt. „Die WM-Qualifikation“, sagt er, „wäre ein Riesenbonbon gewesen.“ Er kann auch ohne die Ally-Pally-Süße zufrieden sein. Und ist es. Am Ende seines ersten Jahrs auf der Tour, die für die Besten der Welt das Alltagsgeschäft darstellt, macht ihm die Erkenntnis Mut, dass er die Leistung für eine WM-Qualifikation grundsätzlich bringen kann. „Es geht ja, es hat jetzt einfach nicht geklappt.“ 

Bunse stellt da einiges in Rechnung. Er sei kein Profi, nicht mal Halbprofi (der Vasbecker arbeitet Teilzeit bei Continental in Korbach); er habe zuletzt weniger trainiert. „Ich war immer mehr froh, wenn ich montags oder dienstags zu Hause war und dann mal zwei, drei Tage keinen Pfeil in der Hand hatte. Es war einfach sehr viel.“

Wo die Quote stimmt und wo nicht

Bunse sagt, er habe in den vergangenen Monaten so viele Erfahrungen gesammelt, „das war irgendwo der Wahnsinn“. Spielerisch hat er Fortschritte gemacht. Das lässt sich an Leistungsparametern wie der durchschnittlichen Punktzahl bei drei Pfeilen (Average) ablesen. 2018 schaffte er keinen Average über 90, in diesem Jahr immer wieder und zuletzt in Wigan auch gegen Adrian Gray. „Und das im ersten Spiel, oft ein nervöses Spiel. Das hätte ich mir vor ein, zwei Jahren nicht erträumt.“

Der Average stellt aber nur einen groben Richtwert dar. Anfang November etwa gewann Bunse ein Match mit einem Durchschnitt von 67,55 Punkten. Bei der Qualifikation für die Gibraltar Darts Trophy reichten 97,80 nicht, um Max Hopp (deutsche Nummer eins) zu bezwingen.

Wichtiger sei das Timing, sagt Bunse: Treffen, wenn der Pfeil im Doppelfeld landen muss, um das Leg zu gewinnen. „Den einen Dart am Ende zu nutzen, hat relativ oft geklappt, aber auf dem Niveau eben nicht oft genug“, sagt er: „Sonst hätte ich mich für die WM qualifiziert.“

Und wie geht's 2020 weiter?

Christian Bunse besitzt das Startrecht auf der Professionell-Tour noch ein zweites Jahr. Anfang Februar beginnt die neue Turnierserie. Der Vasbecker will „besser abschneiden“ als im ersten Jahr. Die Tourcard zu verteidigen nennt er als „Traumziel“. 

Wie passend der Begriff gewählt ist, wird beim Blick auf die Qualifikations-Kriterien verständlich. Die Tourcard besitzen automatisch nur die Darter unter den Top 64 der Weltrangliste („Order of Merit“). Sie basiert auf den innerhalb von zwei Jahren bei bestimmten Turnieren eingespielten Preisgeldern. Bunse ist mit 10 000 Pfund aktuell die Nummer 111, die derzeitige Nummer 64 Simon Stevenson (England) steht bei 56 250 Pfund. 

Bunse müsste sein Preisgeld also vermutlich gut verfünffachen. Zu viel Druck macht er sich nicht. Für einen Darter ist der 24-Jährige jung. Bunse verweist auf Nathan Aspinall. Der Engländer habe in jüngeren Jahren die Tourcard erst verloren und sie sich dann wiedergeholt. „Jetzt ist er die Nummer zwölf der Welt.“ Will sagen: Aspinall kam mit mehr Erfahrung stärker zurück. (mn)

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