Deutsche Senioren-Meisterschaft Leichtathletik: Korbacher Frauen verteidigen Staffeltitel auf Umwegen

Auf Schreck folgt Goldmedaille

Edelmetallgewinner: Die Staffel des TSV Korbach mit (v.l.) Marion Tenbusch, Diana Richter, Tatjana Schilling, Eva-Maria Zürker, war einmal mehr eine Bank bei der deutschen Meisterschaft. Hermann Götte (Twiste) wirft hier den Diskus, aber Silber holte er mit der Kugel. Foto: Görlitz

Die deutsche Meisterschaft läuft, aber an Leichtathletik ist nicht zu denken. Mit diesem ungewöhnlichen Gefühl startete das Frauen-Quartett des TSV Korbach (W45) in die nationalen Titelkämpfe der Senioren im Grenzlandstadion in Mönchengladbach

Dabei war es ein gelungener Auftakt am Freitag. Im 80-Meter-Hürden-Finale standen gleich zwei Korbacherinnen: Tatjana Schilling holte sich in 12,80 Sekunden Silber und Marion Tenbusch wurde nach 14,48 Sekunden Fünfte. Beide waren danach mit Eva-Maria Zürker im Hotel als Teamkollegin Diana Richter über Unwohlsein klagte. Ihr Kreislauf rauschte in den Keller und Richter verlor den Boden unter den Füßen. Der alarmierte Notarzt nahm sie mit in eine Klinik, wo Richter eine Infusion erhielt und es wurde bei ihr ein zu niedriger Kaliumwert festgestellt.

An Sport war in diesem Moment nicht mehr denken, aber Richter erholte sich unerwartet schnell, sodass sie noch in der Nacht das Krankenhaus wieder verlassen durfte. Morgens verließ sie sich dann auf ihr Körpergefühl, das ihr signalisierte, alles wieder gut, ich starte. Und trotz dieses nächtlichen Schreckens, in der die Frauen auch kaum ein Auge zugetan hatten, lief es für das TSV-Quartett sportlich unerwartet gut

Richter ließ die 100 Meter sausen, ging aber im Weitsprung an den Start. Sie wurde mit 4,64 Meter unerwartet Fünfte, Tatjana Schilling holte sich mit 5,26 Meter den Titel und Marion Tenbusch wurde mit 4,26 Meter Neunte.

Gleich nach dem Sprung in die Grube folgte der Höhepunkt dieser Titelkämpfe aus Korbacher Sicht: die 4 x 100 Meter Staffel. Das TSV-Frauenquartett hatte sich schon im Vorfeld höchstens Bronze ausgerechnet, denn zwei Staffeln schienen diesmal zu stark zu sein, um den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Stadionrunde an Schilling

Doch es kam anders. Tenbusch, Richter, Zürker und Schilling liefen der Startgemeinschaft Ruhr-West (54,34) und des LC Paderborn (55,10) auf und davon. Die Uhr blieb für sie bei 54,04 Sekunden stehen.

„Wir hatten uns nach dieser aufregenden Nacht gar nichts mehr ausgerechnet“, sagte Schilling und fügte aber fair hinzu, dass die zwei anderen Staffeln nicht in Bestbesetzung angetreten seien. Doch einmal auf der Erfolgswelle, kamen am kommenden Tag weitere Medaillen und gute Ergebnisse hinzu. Schilling gewann den 400-Meter-Lauf in 60,26 Sekunden. Der Ärger, dass sie die Minute wieder nicht geknackt hatte, währte bei ihr nur kurz.

Beim Speerwurf war Richter mit ihrer Weite von 29,03 Meter zufrieden. Sie reichte für Rang fünf. Und in ihrer „ungeliebten Disziplin“ Diskus reichte es für sie mit 26,67 Meter zu Platz zehn. Drei Ränge vor ihr lag Teamkollegin Eva-Maria Zürker mit 28,78 Meter.

Während die nationalen Titelkämpfe für viel heimische Leichtathleten der Saisonhöhepunkt war, steht dieser für Tatjana Schilling noch an. Sie nimmt Anfang September an der Weltmeisterschaft teil, die im spanischen Malaga ausgetragen wird. „Ich weiß noch nicht, ob ich dort im Siebenkampf oder mit Einzeldisziplinen an den Start gehen werde.“, sagte die mehrfache Weltmeisterin. (tsp/rsm)

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