Becker im Interview: „Konkurrenz schläft nicht“: 

Schmettern im Schnee: DM im Snow-Volleyball in Willingen

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Volleyball auf Schnee: Paul Becker (vorne links; mit Jonas Schröder beim Turnier im vorigen Jahr) will mit seinem Team bei der Deutschen Meisterschaft in Willingen den Titel verteidigen. 

Willingen – Am 9. und 10. März werden am Fuße der Ettelsberg-Seilbahn zum zweiten Mal die deutschen Meister im Schnee-Volleyball gesucht. Der Frankenberger Paul Becker ist Titelverteidiger.

Baggern und Pritschen im Schnee: Für den Wintersportort Willingen sind die Titelkämpfe am Samstag und Sonntag eine ganz neue Erfahrung: „Wir freuen uns sehr auf dieses großartige Sport-Event, das sicherlich zu den besonderen Sportereignissen in diesem Jahr in unserer Gemeinde gehören und damit für Einheimische sowie Gäste ein schönes Erlebnis sein wird“, sagt Bürgermeister Thomas Trachte.

Unter den Teilnehmer ist auch der Frankenberger Paul Becker, der als Titelverteidiger ins Rennen geht.

Herr Becker, in Willingen sind Sie und Ihr Team klarer Favorit, oder?

Natürlich wollen wir den Titel verteidigen, aber die Konkurrenz schläft nicht. Wir haben uns mit den Wolf-Brüdern gut verstärkt, aber es sind auch andere Teams mit Spielern der deutschen Tour gespickt. Und Drei gegen Drei auf Schnee hat noch keiner gespielt.

Aus einem Snow-Volleyball-Duo wird in Willingen erstmals ein Trio. War das eine gute Entscheidung?

Wir beäugen das sehr kritisch und sind mit der Dreierkonstellation nicht zufrieden. Das ist vom Beachvolleyball weit entfernt und ähnelt eher dem Hallenvolleyball.

Aber es wird spannender für den Zuschauer, oder?

Das glaube ich nicht. Beim Spiel zu dritt wird’s nur noch harte Schläge geben, die Ballwechsel werden kürzer und brachialer und es wird nur noch geballert. Spektakuläre Ballwechsel wird’s dann kaum noch geben.

Haben Sie sich auf Willingen speziell vorbereitet?

Nein, wir trainieren wie bisher. Allerdings haben wir uns schon einmal mit den Wolf-Brüdern getroffen und werden auch nächste Woche etwas eher in Willingen anreisen, um dann noch mal auf Schnee zu testen.

Vom Sand in den Schnee – worin liegt dabei der größte Unterschied?

Eigentlich ist’s nur die Temperatur. Bei Kälte ist es schwieriger, sich schnell zu bewegen. Dafür bewegt man sich auf gefrorenem Boden besser als im Sand. Und durch die Stollenschuhe ist man schneller unterwegs und kann höher springen.

Plastikstollen und Funktionsunterwäsche

Es wird also mit Fußballschuhen gespielt. Und wie sieht der Rest des Outfits aus?

Genau, und die haben Plastikstollen, denn Metallstollen sind verboten, weil man sich unterm Netz doch mal auf die Füße tritt. Und wir tragen Knieschoner, weil man sich hin und wieder aufs Eis schmeißt. Und natürlich Funktionsunterwäsche – das war’s auch schon. Auf Handschuhe verzichten wir, weil das vom Gefühl her doch etwas anderes ist.

Gibt’s Vorschriften fürs Spielfeld?

Es muss so viel Schnee liegen, dass man nicht auf den normalen Untergrund kommt. Also wie bei einer Skispiste, da fährst du auch nur so lang, bis noch alles vom Schnee bedeckt ist. Das Feld wird auch wie eine Skipiste präpariert.

Beachvolleyballer vor Bergkulisse: Paul Becker bei der Europameisterschaft 2018 im österreichischen Wagrain.

Wie ist eigentlich die Atmosphäre am Rand?

Saucool. Das macht schon richtig Spaß. Die Leute stehen da, trinken einen Glühwein, sind in Skistimmung, feuern uns an und es läuft gute Musik. Deswegen spielen wir auch mit, wir haben da keinen finanziellen Vorteil, das ist eins der wenigen Events, an dem wir wirklich nur teilnehmen, weil’s so viel Spaß macht.

Warum sollte man sich die Meisterschaft in Willingen nicht entgehen lassen?

Weil hochklassiger Sport geboten wird, die Spieler ambitioniert und ehrgeizig sind, es aber trotzdem entspannter, lockerer und lustiger zugeht, weil es im Schnee einfach nicht um so viel geht. Der Spaß steht im Vordergrund.

Paul Becker: Heim-WM bleibt wohl ein Traum

Wie geht’s nach der Snow-Meisterschaft weiter?

Mit Eric Stadie trete ich Ende März bei der Worldtour in Kambodscha an und im April folgen zwei Turniere in Bangkok und Malaysia. Danach bereite ich mich mit Jonas auf die nationale Saison vor, bei der das Augenmerk darauf liegt, unter die Top drei zu kommen.

Was ist der Saison-Höhepunkt?

Schwierig zu sagen. Es wird ein spannendes Jahr, vor allem wegen der Heimweltmeisterschaft in Hamburg, für die wir uns aber vermutlich nicht qualifizieren werden. Wir sind nun mal nicht das beste Team in Deutschland, da sind mindestens zwei vor uns. 

Außerdem: Jonas und ich sind mit dem Verband nicht immer auf einem grünen Zweig, deswegen wird die Wahl bestimmt nicht auf uns fallen. Trotzdem wird das ein Highlight, weil ich schon eine Anfrage von einem Fernsehsender für eine Co-Moderation bekommen habe. Außerdem steht die Deutsche Meisterschaft in Timmendorf an, da wollen wir wieder mit um die Medaillen spielen, wenn es nicht klappt. (frg)

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