Trainer Nijaz Hankic über die Gründe der Trennung zwischen ihm und der HSG Twistetal

"Die waren gewohnt mitzureden"

+
Nachdenklich: Twistetals Ex-Trainer Nijaz Hankic, hier nach der 26:29-Niederlage gegen Wesertal im Dezember.

Mühlhausen - Weil „die Chemie zwischen ihm und der Mannschaft nicht wirklich stimmte“, so Sonja Wetekam, HSG-Abteilungsvorstand, hat der Frauenhandball-Landesligist die Zusammenarbeit mit Trainer Nijaz Hankic beendet. Ex-Spielerin Mareike Bangert übernimmt zusammen mit der früheren Co-Trainerin Nina Dittmann und Spielerin Silke Schüttler das Traineramt.

Das Aus für den 60-Jährigen kam überraschend, weil die Twistetalerinnen am Samstag noch den Vierten Fritzlar II nach guter Leistung mit 32:24 geschlagen hatten. Nach der Partie wollte der HSG-Vorsitzende Holger Schmidt mit Hankic reden, was aber nicht klappte, weil der VW-Arbeiter Nachtschicht hatte, so dass Schmidt ihn dann am Sonntagnachmittag anrief. „Er hat mir gesagt, dass sie sportlich mit mir zufrieden sind, dass die Stimmung aber in der Mannschaft nicht gut sei. Das war ein bisschen überraschend für mich. Ich habe dann gesagt, ‚gut dann trennen wir uns gleich’“, erzählt Hankic.

Hankic: Differenzen im Team

Bereits rund zwei Monate vorher hatte sich der Baunataler „zu 99,9 Prozent“ entschieden, „das wussten die Mädels auch“, nach der Saison bei der HSG aufzuhören, „da ich die Belastung durch die Fahrerei unterschätzt habe.“ Hankic hatte sich Anfang Dezember beklagt, dass bei manchen Spielerinnen „die Einstellung nicht so ganz stimmt“. Am „meisten gestört“ hat ihn bei seinem nur siebenmonatigen Engagement, „dass die Mädels aus dem Dorf es gewohnt waren, weil sie nur Trainer aus dem selben Ort hatten, bei allen Entscheidungen mitzureden, was bei mir aber nicht geht.“ Zudem habe es in der Mannschaft „Differenzen“ gegegeben. „Und einen Schul-digen musste man ja finden.“

Aber das sei „am Ende auch egal. Wir haben uns im Frieden getrennt und hatten keinen Streit.“ So hätten ihm auch „fast alle Mädchen“ nach seinem Abschied geschrieben. Wenn die HSG in „Sand oder Zwehren“ spiele, wolle er sich persönlich von seinem Ex-Team verabschieden. „Mir ist es total schwergefallen, Nijaz unsere Entscheidung mitzuteilen, weil er ein total guter Typ ist“, sagt Schmidt, und Wetekam ergänzt: „Wir haben Nijaz charakterlich nichts vorzuwerfen und konnten uns immer auf ihn verlassen.“ Auch sportlich habe man an Hankics Arbeit „nicht viel auszusetzen gehabt“, sagt Schmidt.

Dem gelernten Elektriker aus der Nähe von Sarajevo war es gelungen, nach dem großen Umbruch mit dem Abgang von sieben großteils erfahrenen und dem Zugang von acht zum großen Teil unerfahrenen Spielerinnen zur neuen Saison das Team auf Rang sechs zu führen. Diesen Platz hatte die HSG auch in der Vorsaison erreicht. Nach dem Start mit 7:1-Punkten hatte es zunächst so ausgesehen, als würden die Twistetalerinnen sogar Hankics Zielsetzung, „oben mitzuspielen“, erreichen können, bevor zwischenzeitlich vier Niederlagen dies verhinderten und die HSG bei vier möglichen Absteigern und nur vier Punten Vorsprung auf Rang neun noch nicht gerettet ist.

„Kommunikationsprobleme“

Die Trennung von Hankic sei „eine Gefühlsgeschichte“ gewesen“, sagt Schmidt und führt diese auch auf „Missverständnisse in der Kommunikation“ zwischen dem früheren jugoslawischen Juniorenauswahl-spieler und dem Team, „in dem viele mitreden wollen“, zurück. Hankic, „er verkörpert die alte jugoslawische Handballschule“, so Schmidt, habe sich aber nicht reinreden lassen.

Mit dem Trainertrio Mareike Bangert, „sie wird die Entscheidungsträgerin sein“, so Schmidt, Dittmann und Schüttler „wol-len wir neue alte Wege gehen“, sagt Wetekam. Auch für die neue Saison sei Bangert „die erste Ansprechpartnerin der HSG in der Trainerfrage“, so Schmidt. Dass die längjährige Spielertrainerin Andrea Hartmann, die zuletzt als Spielerin aushalf und derzeit die abstiegsgefährdeten Oberligafrauen von Eintracht Baunatal trainiert, zur neuen Runde als Trainerin nach Twistetal zurückkgehrt, glaubt Schmidt eher nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare