Der Bad Wildunger spricht über die Corona-Saison und neue Ziele

Diskuswerfer Marius Karges im Interview: „Sportlich ein gutes Jahr“

Marius Karges mit Diskus im Ring.
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Junger Mann mit Wucht: Marius Karges bei den deutschen Jugendmeisterschaften im September.

Corona hat Diskuswerfer Marius Karges zeitweise in den Stillstand versetzt. Und doch schaut der knapp 18 Jahre alte Bad Wildunger auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Warum, sagt er im Interview.

Die Deutschen Hallenmeisterschaften der Jugend samt Winterwurf im Februar 2021 sind abgesagt worden: Ein Schlag für dich oder logische Konsequenz aus der verschärften Corona-Krise?
Ein Schlag ist das nicht. Weil die Infektionszahlen dauernd gestiegen sind, war ich auf die Absage vorbereitet.
Welche Bedeutung hatten die Winterwurf-Meisterschaften im Jahresplan?
Sie wären der erste Höhepunkt gewesen, jetzt werden wir statt dessen eine Leistungsüberprüfung ansetzen. Die Meisterschaften im Sommer sind viel wichtiger.
Das Corona-Jahr war für dich nicht ganz schlecht: „Bronze“ bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, dazu mit 63,53 Meter einen neuen Hessenrekord für die Altersklasse U18.
Stimmt, sportlich betrachtet war das Jahr ziemlich gut, trotz der Einschränkungen und der langen Trainingspause im Frühjahr. Wegen des Lockdowns war es umso erstaunlicher, dass so gute Leistungen möglich waren, nicht nur bei mir, sondern in meiner Altersklasse überhaupt. Ich habe mit dem Hessenrekord meine eigenen Erwartungen deutlich übertroffen.
Worauf führst du diese Steigerung um mehr als acht Meter im Vergleich zur Winterwurf-DM im Februar trotz wochenlanger Trainingspause zurück?
Nachdem der Shutdown gelockert worden war, mussten wir die Form neu aufbauen. Das war einerseits schwierig. Weil aber auf der anderen Seite die Deutschen Jugendmeisterschaften im Sommer als Saisonhöhepunkt verschoben wurden, hatte ich nicht viel weniger Zeit für die Vorbereitung als sonst. Das Training fiel außerdem in die Ferien und konnte intensiver ausfallen. Wir haben sehr viel an der Technik gearbeitet, und das hat sich ausgezahlt.
Hast du mit deinem Trainer etwas Bestimmtes verändert?
Wir wissen grundsätzlich, wo wir beim Bewegungsablauf hinwollen, aber der Weg zum Ideal ist schwer. Diskuswerfen ist sehr komplex, ganz viele Kleinigkeiten müssen passen. Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle: Es ist wichtig, kontinuierlich an der Technik zu arbeiten.
Darfst du als Kaderathlet derzeit noch trainieren?
Aktueller Stand ist, dass wir trainieren dürfen. Ich muss auch sagen, dass ich zwar durch Corona große Einschränkungen im Privaten habe, wie alle anderen, aber rein sportlich betrachtet bin ich bisher gut weggekommen. Das hat sicher mit meinem Kaderstatus zu tun und dass ich hier in Frankfurt am Olympia-Stützpunkt bin.

Zur Person

Marius Karges (17) stammt aus Bad Wildungen, er wohnt und trainiert seit knapp zwei Jahren am Olympiastützpunkt Frankfurt, wo er die Carl-von Weinberg-Schule besucht und für die LG Eintracht startet. Der Diskuswerfer gehört mit seinem Wechsel in die Altersklasse U20 ab 1. Januar dem NK-1-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbands an. Der Zwölftklässler hat in diesem Jahr in der U18 DM-Bronze gewonnen, Hessenrekord geworfen und belegt mit seinen 63,53 Metern Platz drei der DLV-Bestenliste. (mn)

Mit Beginn des neuen Jahres gehörst du zur Altersklasse U20, und damit wird der Diskus schwerer. Was erhoffst du dir im ersten U20-Jahr?
Wir haben die 60 Meter mit dem 1,75 Kilo schweren Diskus als Ziel gesetzt. Nicht leicht, meine Bestleistung, aber nur im Training, liegt bei um die 55 Meter.
Was bedeuten 250 Gramm mehr Gewicht für das Werfen?
Es ist eine Umstellung, zumal der Diskus auch größer ist, allerdings werfe ich ihn seit zwei Jahren schon im Training. Je schwerer die Scheibe ist, umso weniger verzeiht sie technische Fehler. Es ist schwieriger, sie weit zu werfen, wenn man technisch nicht sauber arbeitet.
Was bedeutet das fürs Training?
Ich muss meine Kraftwerte und meine Technik verbessern. Um das zu erreichen, werfe ich im Training jetzt auch den zwei Kilo schweren Männerdiskus. An den muss ich mich gewöhnen, aber am grundsätzlichen Trainingskonzept wird sich nichts ändern.

„Ich würde mich gern für die Junioren-EM oder -WM Qualifizieren“

Worin liegt die Herausforderung?
Diskuswerfen setzt sich aus Technik, Kraft und Geschwindigkeit zusammen. Entscheidend ist die Abwurfgeschwindigkeit – je höher sie ist, umso weiter fliegt, physikalisch betrachtet, der Diskus. Ich muss es also schaffen, den 1,75-Kilo-Diskus auf die gleiche Geschwindigkeit zu bringen wie den Einsfünfer. Dafür brauche ich logischerweise mehr Kraft.
Wie wirken sich diese Anforderungen auf die Umfänge aus – gehst du häufiger in den Kraftraum?
Das kann man so nicht sagen. Weil ich regelmäßig trainiere, verbessern sich meine Werte kontinuierlich und außerdem habe ich als Heranwachsender noch natürliches Steigerungspotenzial. Klar, es wächst mit dem höheren Alter die Intensität, aber das hat nicht direkt mit dem höheren Diskusgewicht zu tun.
Wie sieht eine Trainingswoche bei dir aus?
Wenn ich viel trainiere, zählt sie bis zu elf Einheiten – diese dauern jeweils zwei bis drei Stunden. Zur Regeneration ist es zum Beispiel wichtig, genug zu schlafen und sich richtig zu ernähren. Dann gibt es Entlastungswochen, in denen man das Training herunterfährt.
Wie sehr ist man als Mitglied des Bundeskaders U20 bereits im Blick der Nationalen Anti-Doping-Agentur?
Ich bin bisher einmal getestet worden. Die Regeln sind für mich aber nicht ganz so streng wie etwa für die Olympia-Kader. Wir müssen nicht ständig erreichbar sein, sondern bekommen ein Meldeformular und stellen für ein Jahr einen Wochenplan mit den erwarteten Schul-, Trainings- und Wettkampfzeiten auf.
Nehmen wir an, die Pandemie-Entwicklung erlaubt in vier, fünf Monaten wieder normale Wettkämpfe: Was sind für dich die wichtigsten Termine im neuen Jahr?
Natürlich die „Deutschen“ im Sommer. Außerdem sollen 2021 eine Junioren-EM und eine -WM stattfinden, letztere wird aus diesem Jahr nachgeholt. Das heißt, es dürfen vier statt zwei deutsche Werfer international starten. Natürlich würde ich mich gern für eine der beiden Meisterschaften qualifizieren. Das ist aber extrem schwer. Ich bin im jüngeren Jahrgang, der an sich schon sehr stark ist, dazu kommt der ältere Jahrgang, der kein bisschen schwächer ist. Es kämpfen sieben, acht Leute um vier Startplätze. Selbst mit 60 Metern kann ich nicht automatisch davon ausgehen, dass ich mich qualifiziere.
Ist das ein zusätzlicher Ansporn?
Ja natürlich. Man denkt im Training oft daran, dass die Konkurrenz so stark ist, und das spornt an. Ich finde es so auch besser, als wenn ich einem Jahrgang angehören würde, in dem ich wüsste, ich bin eh vorn.
Du bist vor zwei Jahren nach Frankfurt gegangen: Die richtige Entscheidung?
Es war eine gute Entscheidung. Ich wusste, die Umstellung würde hart. Jetzt fühle ich mich hier heimisch, und sportlich gesehen ist es das Beste, was ich machen konnte. Ohne diesen Wechsel würde ich heute vielleicht sogar keinen Sport mehr treiben.

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