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Diskuswerfer Tom Hundertmark Zweiter auf Bestenliste, aber DLV nominiert ihn nicht

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Diskuswerfer
Welcher sportliche Weg ist der beste? Diskuswerfer Tom Hundertmark (TSV Twiste) hofft, dass er den richtigen Pfad nach oben finden wird. © Worobiow

Leistung soll belohnt werden. Diskuswerfer Tom Hundertmark steht auf Platz zwei der DLV-U16-Jahresbestenliste, aber er erhält keinen Bundeskaderplatz.

Twiste – Der Athlet des TSV Twiste hat in dieser Saison den Diskus erstmals in einem Wettkampf über 50 Meter weit geworfen. Seine 56,90 Meter am 3. Oktober in Gladbeck katapultierten in auf Platz zwei der Jahresbestenliste des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV) in seiner Altersklasse.

Der zweitbeste deutsche U16-Diskuswerfer sollte eigentlich auch in einem Bundeskader stehen, zumindest im Nachwuchs-Kader 2 (NK2). Dort stehen für die kommende Saison 149 Namen, aber kein Tom Hundertmark. Dort sind drei Diskuswerfer gelistet, einer von ihnen mit der Bestweite von 55,90 Meter.

Im Lager der Hundertmarks in Twiste fühlen sie sich ungerecht behandelt. Toms Trainerin und Mutter Antje Hundertmark wendete sich an den Diskus-Landestrainer Helmut Schneider, der fragte nach bei Elke Bartschat, DLV-Chefbundestrainerin für den Nachwuchs. Ihre Antwort: Tom habe die Weite zu spät erzielt, da sei die Kaderplanung bereits abgeschlossen gewesen.

Der weite Wurf kam zu spät

Außerdem habe Tom nicht an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen, sodass keine Sichtung mehr möglich gewesen sei. Tom hatte die Titelkämpfe in Hannover verpasst, weil ihm zu diesem Zeitpunkt 26 Zentimeter für die Qualifikationsweite von 48 Meter fehlten. Doch laut DLV-Statuten ist die Aufnahme in einen Bundeskader nicht an eine DM-Teilnahme gekoppelt.

Die deutsche Leichtathletik strotzt nicht mehr vor Spitzenkräften, im Gegenteil, der Talentschuppen wird immer leerer. Kann der DLV für Tom Hundertmark keine Ausnahme machen und ihn nachträglich in den NK2-Kader aufnehmen? Die Chefbundestrainerin Bartschat gibt auf diese Frage eine überraschende Antwort: „Wenden Sie sich beim hessischen Landesverband an Markus Rumpf, Vizepräsident Leistungssport.“

Und Rumpf klärt auf, warum die Bundestrainerin auf den Landesverband zurückverwiesen hat. „Der NK2 ist zwar ein Bundeskader, der aber mit Landesmitteln finanziert und von den Landesverbänden gefördert wird.“ Er betont außerdem, dass eine Bestleistung allein, nicht automatisch ein Kaderplatz bedeute. Da gebe es weitere Richtwerte. So sei aktuell der deutsche U23-Meister im Zehnkampf nicht im Kader.

NK2-Kaderathlet bekommt auch keine finanzielle Unterstützung

Aber im Fall von Tom Hundertmark spiele das keine Rolle. „Er hat die Weite einfach zu spät geworfen.“ Rumpf bestätigt auch, dass es keine festgelegten Fristen für eine Nominierung gebe, aber bestimmte Abläufe. So erfolge die Kadernominierung immer am 1. November. Das Prozedere bis dahin benötige aber auch seine Zeit, betont der HLV-Vizepräsident.

Die Landesverbände schlügen Sportler vor, die Bundestrainer schauten sich die Liste an, unterstützten den Vorschlag oder lehnten ihn ab, es werde darüber diskutiert. Dann finde Ende September eine Tagung in Kienbaum statt. Dort lege neuerdings ein hauptamtlicher Vorstand die Kader fest. „Dieser Termin liegt immer vor dem Oktober, deshalb konnte Toms Weite noch nicht berücksichtig werden“, betont Rumpf.

Auf die Frage, ob es ein Nachrückverfahren gebe, stellt er eine Gegenfrage: „Wozu, was soll das bringen?“ - Zusätzliche Motivation bei dem Sportler - „Okay, 1:0 für Sie und außerdem?“ - Es heißt, wer im NK2-Kader ist, bekommt auch schon finanzielle Unterstützung durch die Sporthilfe - „Nein, die gibt es nicht, auch keine anderen Vergünstigungen.“

DLV-Fördersystem hat auch unlogische Seiten

Für Rumpf ist dieser NK2-Kader ein Papiertiger. Er beinhalte nur zwei Wochenendseminare (dreitägiges Fairplay-Camp) im Jahr. „Wir hatten in diesem Jahr wegen Corona nicht eine NK2-Maßnahme“, erzählt Rumpf. „Was hilft es, wenn jemand von sich sagen kann, er sei im Bundeskader, aber es muss doch auch etwas bringen, deshalb ist es egal, ob jemand im Landeskader oder im NK2 ist, da ist null Unterschied.“

Auch ein NK2-Athlet müsse andere Bundeskader-Lehrgänge selbst finanzieren. Warum gibt es diesen Kader überhaupt? Rumpf: „Das ist eine spannende Frage, ganz ehrlich, das kann ich auch nicht beantworten.“

Landeskader bietet alle Möglichkeiten

Noch vor einigen Jahren hieß diese Einstufung D/C-Kader. Rumpf weiß von einer Athletin, dass auch in diesem Kader ein Jahr lang nichts stattgefunden habe. „Wir wussten nicht einmal wer der Trainer war.“ Daher findet der HLV-Funktionär dieses System unlogisch. Die Athleten sollten so lange es geht im Landeskader bleiben.

So mache man halbe Sachen, nenne sie Bundeskader und habe eigentlich kein Geld dafür. „Dieses Fördersystem hat sich der Deutsche Olympische Sportbund einfallen lassen und es gilt für fast alle Sportarten.“ Rumpf übt diese Kritik nicht, weil er etwa Lobbyarbeit für den HLV betreiben möchte. „Ich kämpfe für jeden Hessen, dass er einen Bundekaderstatus bekommt, das ist mein Job. Aber es muss auch Sinn machen. Tom hat jetzt einmal so weit geworfen, ich hoffe, dass er die Weite bestätigen kann im Frühjahr, dann könnte er in den NK2-Kader nachnominiert werden. Aber wozu, er hat im Landeskader alle Förderungen und bekommt durch den Status NK2 auch nicht mehr.“ rsm

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