Neuer Verein in Willingen will Netzwerk und innovativer Nachwuchsförderer sein

Den Eissport im Fokus

Willingen - Die Bezeichnung ist gewöhnungsbedürftig. D2ICE (lies: D too Ice). Das soll so viel heißen wie: Deutschland aufs Eis. Schon mal keine Kleinigkeit, die sich Willingens neuester Verein da vorgenommen hat.

Überhaupt der ganze Name: „Deutsche Eissportinnovationsgesellschaft D2ICE e.V.“ Das klingt ein bisschen großspurig, ziemlich sperrig und lässt einen etwas ratlos zurück. Auch Gaby Herbst-Göbel räumt ein, dass sie ein bisschen mit dem Vereinskürzel gefremdelt hat. Die Marketing-Fachfrau ist die Einheimische im Vorstand des neuen Clubs – und überzeugt davon: Hinter dem, was offiziell am 5. Oktober nach monatelanger Vorbereitung von den 17 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben wurde, steckt kein Wortgeklingel, sondern ein ebenso seriöses wie ambitioniertes Vorhaben.

Die Pressemitteilung über seine Neugründung verbreitete der Verein am Donnerstagabend. Und da steht einiges von dem drin, was „D2ICE“ bezwecken will. Zu lesen ist etwa, man wolle als „eine Art übergeordnetes Netzwerk agieren, um Vereine, Unternehmer, Verbände, Studenten und Eissportfans miteinander zu verbinden“. Als sein primäres Ziel stellt der Vorstand heraus, „innovative Konzepte für den deutschen Eissport zu entwickeln, in harmonischer Kooperation mit den bestehenden Eissport-Verbänden und Verantwortlichen“. Konkreter Vorschlag: Eislaufen solle „ein fester Bestandteil im Lehrplan schulischer Institutionen werden“.

Eishockey ins Internat?

Dass es um Jugendarbeit vor allem und auch geht, erläutert Gaby Herbst-Göbel, und was sie sagt, erschließt sich einem so: Der Verein hofft im extrem südlastigen Eissport eine Art nördliches Zentrum für die Nachwuchsförderung aufzubauen. Erste Schritte sind unternommen. So seien bereits grundsätzliche Gespräche über die Möglichkeit geführt worden, etwa junge Eishockey-Talente im Willinger Ski-Internat aufzunehmen. „Das ist nicht nur eine Option, das ist ein Ziel“, sagt Gaby Herbst-Göbel. Der Verein arbeite mit dem Deutschen Eishockey-Bund zusammen: „Ein Kooperationsvertrag wird geschlossen.“

In diesen Zusammenhang ist auch die Gründung einer neuen Hobby-Liga für Nordhessen und NRW geplant. Eine eigene Mannschaft steht schon in den Startlöchern: die „Willingen Sabres (Säbel)“, die aus ehemaligen Aktiven der Yetis hervorgegangen ist.

Hinter dem Projekt „D2ICE“ stünden „positiv Eissport-Verrückte“, heißt es in der Pressemitteilung. Hauptinitiator Ralf Herrmann, der im Dortmunder Eishockey mitmischt, taucht zwar nicht mit einem Vorstandsposten auf, doch die gewählte Führungscrew bringt jede Menge Expertise mit. Zum ersten Vorsitzenden bestimmten die Mitglieder Michele Schulte, ein aus der südwestfälischen Eishockey-Hochburg Iserlohn stammenden Siegener. Er ist mit seiner Kommunikationsagentur offizieller „Unterstützer“ der Iserlohn Roosters, einem Club der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Satte Praxiserfahrung und Fachkenntnis aus der täglichen Arbeit mit Eishockey-Profis und dem Ligen-Betrieb weist der zweite Vorsitzende Uwe Lange vor. Er ist Team-Manager der Löwen Frankfurt, die wie die Kassel Huskies in der DEL2 spielen. Den geschäftsführenden Vorstand komplettiert der Krefelder Unternehmer und langjährige Sponsor der Jugendmannschaft des Krefelder EV, Waldemar Klyk.

„Wir haben uns in der Tat viel vorgenommen“, sagt Michele Schulte laut Mitteilung. „Dafür konnten wir eine sehr gesunde Mischung von unterschiedlichsten Kompetenzen unter anderem aus den Bereichen Marketing, Sportwissenschaften und Eissport-Praktiker im Gründerteam einbinden.“

Gaby Herbst-Göbel, die das Amt der stellvertretenden Schatzmeisterin besetzt, wurde vor allem als Türöffnerin im Ort selbst gebraucht. Sie arbeitet mit ihrer Werbeagentur für die Gemeinde und verfügt über gute Kontakte. „Ich bin dabei, weil ich aus dem Ort bin“, sagt sie freimütig und betont, sie wolle dazu beitragen, dass der Verein in Willingen heimisch werde

Vorsitzender Schulte lobt, sie habe großen Anteil daran gehabt, dass Willingen „in Vertretung von Bürgermeister Thomas Trachte den Verein mit offenen Armen aufgenommen und ein hervorragendes Gründungsumfeld geschaffen“ habe. Der Verwaltungschef betont jedoch die Rolle des Rathauses als reiner Zuschauer der Vereinsgründung. Ohne die Gemeinde geht wegen der ganzjährig geöffneten Eissporthalle mit ihren vergleichsweise moderaten Nutzungsgebühren nichts. Sie ist ein zusätzliches Pfund für den Standort – und ein Kriterium für den Sitz des Vereins. „Es ist doch im Interesse der Gemeinde, die Auslastung der Eishalle zu erhöhen“, sagt die studierte Betriebswirtschaftlerin Herbst-Göbel.

Konkret ist noch nichts Trachte bestätigt grundsätzliche Gespräche mit den Verantwortlichen über eine Nutzung der Eislaufhalle und auch das grundsätzliche wirtschaftliche Interesse an einer höheren Auslastung. Mehr aber auch nicht. Konkrete Verhandlungen über Nutzungsgebühren oder andere Details stehen noch aus. Aber warum überhaupt der Standort Willingen? Sicher schließt der Ort eine Lücke zwischen den Eishockey-Städten Kassel und Iserlohn. Entscheidender aber war neben der Eislaufhalle die zentrale Lage – die Gründungsmitglieder kämen ja schließlich aus halb Deutschland, sagt Gaby Herbst-Göbel.

Zudem spielt Willingen mit seiner Sprungschanze ohnehin im Wintersport schon in der 1. Liga und verfügt als Touristen-Hochburg über jene Kapazitäten, die es bei Kongressen oder größeren Turnieren möglicherweise auch braucht. Gaby Herbst-Göbel: „Das passt alles supergut zusammen.“

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