Skispringer Paul Winter will bei Junioren-WM eine Medaille mit der Mannschaft gewinnen

Als Erstes gibt’s einen neuen Anzug

Paul Winter in Aktion. Der 16-Jährige vom SC Willingen wird bei den Junioren-Weltmeisterschaften an den Start gehen. In Predazzo will er mit dem deutschen Team eine Medaille gewinnen.
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Paul Winter in Aktion. Der 16-Jährige vom SC Willingen wird bei den Junioren-Weltmeisterschaften an den Start gehen. In Predazzo will er mit dem deutschen Team eine Medaille gewinnen.

Willingen - Im Sommer hätte Paul Winter nicht zu träumen gewagt, an den Junioren-Weltmeisterschaften teilnehmen zu dürfen. Doch seit auf Schnee gesprungen wird, läuft es beim Nachwuchsskispringer des SC Willingen rund. Die Nominierung ist die logische Konsequenz.

Eigentlich sollte Paul Winter beim Weltcup auf der Mühlenkopfschanze in Willingen als Vorspringer dabei sein. Jetzt hat er einen anderen Termin: Ende Januar und Anfang Februar finden im Fleimstal (auch bekannt unter seinem italienischen Namen Val di Fiemme) die Junioren-Weltmeisterschaften in den nordischen Skidisziplinen statt - die Titelkämpfe im Skispringen auf der Normalschanze in Predazzo inklusive. Und dafür ist der 16-Jährige vom SC Willingen nominiert worden.

Er sei „nicht so ganz traurig“, dass er beim Weltcup nun nicht dabei sein könne, sagt Paul Winter. Klar, es wäre toll gewesen, auf der Heimschanze vor vielen Tausend Zuschauern zu springen. Und natürlich wäre es schöner gewesen, würden sich die beiden Veranstaltungen nicht zeitlich überschneiden. Aber: „Die WM hat natürlich sportlich einen hohen Stellenwert. Ich freue mich sehr, teilnehmen zu dürfen.“ Und auf der Mühlenkopfschanze gebe es auch in den Tagen danach noch die Möglichkeit zu springen - wenn auch nicht in derselben Atmosphäre.

Stephan Leyhe als Vorbild

Zuletzt war mit Stephan Leyhe ein Springer vom SC Willingen bei den Titelkämpfen dabei: 2010 in Hinterzarten und 2011 in Otepää gewann er mit der deutschen Mannschaft jeweils Silber im Teamspringen. Der heute 22-Jährige war damals bereits 18 beziehungsweise 19 Jahre alt; Paul Winter (geboren am 5. Oktober 1997) geht mit 16 Jahren in seine erste Junioren-Weltmeisterschaften. Er will das schaffen, was sein Vereinskamerad vor vier und vor drei Jahren erreicht hat: „Ziel ist, mit dem Team eine Medaille zu gewinnen.“

Zunächst steht am 30. Januar das Einzelspringen auf dem Programm. „Ein Platz unter den Top-15 wäre toll“, sagt Paul Winter. Wichtig für ihn ist, zwei Tage später beim Mannschaftsspringen dabei zu sein. Die ebenfalls nominierten Michael Herrmann (SC Oberstdorf; Jahrgang 1994), Dominik Mayländer (SC Degenfeld; 1995), Petrick Hammann (SV Baiersbronn; 1995) und Sebastian Bradatsch (WSC Ruhla; 1996) sind allesamt älter als er, dennoch rechnet sich der Willin-ger Internatsschüler gute Chancen aus, zum Viererteam des Deutschen Skiverbands (DSV) zu gehören. Er weiß seine Leistungen einzuschätzen: „Derzeit bin ich der zweite oder dritte Mann“, sagt er selbstbewusst. „Aber große Unterschiede gibt es nicht. Wir sind leistungsmäßig nah zusammen.“

Zuletzt in sehr guter Form

Das bestätigte sich auch bei den Alpencup-Springen am vergangenen Wochenende auf der WM-Schanze in Predazzo, wo Sebastian Bradatsch mit einem dritten Platz und einem Sieg überragte, die übrigen deutschen Springer aber auch nicht enttäuschten. Paul Winter landete zunächst auf Platz neun, dann beim auf einen Durchgang verkürzten zweiten Springen in einem sehr engen Feld auf dem elften Rang.

Dass es in der Wintersaison so gut laufen würde, damit war im Sommer noch nicht zu rechnen: Die Leistungen schwankten, die fehlende Konstanz konnte sich Paul Winter nicht erklären. „Da war ich schon enttäuscht“, gesteht der Schützling von Heinz Koch. „Aber ich wusste, dass ich es drauf habe. Ich habe hart gearbeitet, das hat sich ausgezahlt.“ Direkt im ersten Alpencup in Seefeld belegte er Mitte Dezember die Plätze acht und fünf; im Deutschlandpokal feierte er sogar Siege. Damit verdiente er sich die WM-Nominierung, die für ihn vor Monaten noch außer Reichweite schien.

Vorbereitung läuft bereits

Die Vorbereitung auf die WM hat für ihn bereits begonnen. Am Dienstag wurde er genau vermessen, anhand der Daten werden neue Sprunganzüge angefertigt. „Die sind aus einem neuen Stoff“, erklärt Paul Winter. Große Unterschiede werde die neue Ausstattung wohl nicht machen, vermutet er. „Im Wettkampf können aber auch Nuancen entscheiden.“ Und vielleicht bringt ein neuer Anzug ihm einen entscheidenden halben Meter mehr.

Am Samstag treffen sich die deutschen WM-Springer mit ihren Trainern zu einem Vorbereitungslehrgang, entweder in Oberstdorf oder in der Ramsau. Bis zum nächsten Mittwoch wird gemeinsam trainiert, anschließend noch einige Tage individuell, ehe das Team am darauffolgenden Montag in Predazzo wieder zusammenkommt. Die Normalschanze kennen die Springer zwar bereits vom jüngsten Alpencup. „Aber“, sagt Paul Winter, „es kann nicht schaden, dort noch ein paar Sprünge zu machen, bevor es ernst wird.“

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