Nina Peräniemi zu Gast

Finnin für vier Wochen als „Skisprungpraktikantin“ beim SC Willingen

Schnell Freundschaft geschlossen: Nina Peräniemi in der SCW-Geschäftsstelle am Mühlenkopf mit Präsident Wilhelm Saure, Oliver Bader und Christine Hensel.

Willingen - „Das ist Nina, unsere neue Praktikantin, sie kommt aus Finnland, also bitte heute alles auf finnisch.“ Mit diesem Satz schockte OK-Chef Jürgen Hensel seine Vorstandskollegen des Ski-Clubs Willingen bei der wöchentlichen Sitzung im Café Müller.

Natürlich musste niemand finnisch reden, aber das andere stimmt: Nina Peräniemi, kommt aus Kuopio in Finnland und absolviert gerade ein vierwöchiges Praktikum in der Geschäftsstelle des Clubs.

Die Idee war beim Weltcup des Puijo Ski-Clubs in Kuopio im März dieses Jahres entstanden. Bei dem Verein verdient Nina als Assistentin seit vier Jahren ihre Brötchen, sie hat bereits ein Sportmanagement- und Touristikstudium absolviert. Die junge Frau kam mit Walter Hofer, dem langjährigen Renndirektor Skispringen des Internationalen Skiverbands (Fis) ins Gespräch und äußerte den Wunsch für ein Auslandspraktikum.

Über Jarkko Ruhanen vom Weltcup-Organisationskomitee in Kuopio kam die Bitte zu Jürgen Hensel, der in Kuopio war, und dann war die Sache schnell geritzt. Nun ist Nina als erste Praktikantin aus dem Ausland da und genießt die Zeit „erstaunlicherweise ohne jedes Heimweh“. Hensel und seine Frau Christine, die die Geschäftsstelle des Vereins an der Mühlenkopfschanze leitet, sprechen mit der 23-Jährigen englisch. Nina wohnt während ihres Praktikums bei den Hensels in einer „Ferienwohnung mit Familienanschluss“, isst mit der Familie und bestätigt, dass nicht nur ihr Deutsch Tag für Tag besser wird, sondern auch das Englisch der Hensels.

„Anfangs hat sich die deutsche Sprache für mich wie chinesisch angehört, aber mittlerweile verstehe ich vieles ganz gut, vor allem die Witze.“ Das geht so schnell, weil Nina ein Sprachtalent ist. Sie spricht fließend Englisch, Schwedisch, Spanisch, natürlich Finnisch und etwas Französisch.

Ahonen kennengelernt

Logischerweise schlägt ihr Herz für die finnischen Skispringer. Was denn sonst. Einen Favoriten hat sie aber nicht. „Unsere Skispringer sind alle sehr nett, ich hoffe nur, dass sie zur neuen Saison auch wieder sportliche Erfolge haben werden“, sagt sie. Den großen Janne Ahonen und Janne Happonen hat Nina Peräniemi persönlich kennengelernt. Gern möchte sie in Zukunft dem (Skisprung-)Sport beruflich erhalten bleiben. „Die Organisation von großen Sportveranstaltungen, das ist mein Traumjob“, sagt sie.

Schon als Kind hat Nina mit ihrem Vater Kari Skispringen im Fernsehen geschaut, mehrere große Weltcups hat sie mittlerweile live in der Heimat verfolgt. Was sind die größten Unterschiede zwischen Willingen und Kuopio? „Mir ist sofort aufgefallen, dass die Menschen hier viel freundlicher und offener sind“, sagt die Praktikantin. „Bei uns sind die Leute viel zurückhaltender, aber wenn das Eis einmal gebrochen ist, haben auch wir Finnen ein großes Herz.“

Welche Willingen-Erfahrungen sind für zu Hause zu gebrauchen? Was war beeindruckend in Deutschland? „Ich habe beim Ski-Club Willingen sehr viel gelernt“, sagt sie. „Bei uns gehen die Fans eher spontan zu den großen Sportveranstaltungen und kaufen keine Tickets vorher. Für den Veranstalter bringen im Vorverkauf abgesetzte Karten natürlich eine gewisse finanzielle Sicherheit“, sagt sie. „Superklasse“ sei das Sommer-Grand-Prix-Finale in Klingenthal gewesen, das sie mit Sportwart Volkmar Hirsch erlebte.

Sprung am Orenberg

Nun ist Nina gespannt auf das 35. „Forum Nordicum“ in Willingen, das heute beginnt. „Es gibt ein interessantes Programm, und ich werde zwei finnische Landsleute aus Kontiolahti vom dortigen Biathlon-Orga-Team treffen“, freut sich die begeisterte Touristin mal wieder ihre Muttersprache sprechen zu können. Bei ihrer Forum-Premiere wird sie vor allem als Dolmetscherin gebraucht.

Und welche drei Worte kann sie mittlerweile in deutscher Sprache perfekt aussprechen? „Die Natur“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Es gefällt ihr gut im Upland. „Und Bier“, sagt sie. Zu Hause trinkt sie keins, weil es ihr nicht schmeckt. „Das Bier in Willingen ist aber richtig gut.“ Und: „Danke.“ „Alle sind so freundlich zu mir, da kann ich nur herzlich danke sagen.“

Bis zum Abschied am 24. Oktober sind es noch ein paar Tage. Tags davor wird es für die Finnin aber noch einmal spannend. Der Ski-Club hat ihr kurzerhand eine Übungseinheit mit Vereinstrainer Jörg Pietschmann auf den Mattenschanzen am Orenberg organisiert. Ihr eigener Wunsch. Ein Wiedersehen soll es dann beim Dreifach-Weltcup im nächsten Jahr geben.

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