Schwalefelder Skispringer beim Heim-Grand-Prix in Hinterzarten nur auf Platz 21

Stephan Leyhe kennt die Baustellen

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Skispringen bei aufgekrempelten Ärmeln: Stephan Leyhe an der Schanze in Hinterzarten.

Hinterzarten. Freitagabend:Stephan Leyhe suchte nach der Qualifikation beim Grand Prix in Hinterzarten Blickkontakt zum Publikum. Schnell entdeckte der 26-Jährige vom Ski-Club Willingen seine Freundin, ging zu ihr und plauderte locker in größerer Runde. Einen Tag später war die Leichtigkeit dahin.

Rang fünf hatte Leyhe zum Aufgalopp erreicht. „Der Qualisprung war deutlich besser als die Trainingssprünge. Da bin ich einfach besser zurecht gekommen“, erklärte er danach. Für den Wettkampf in seiner Wahlheimat schaute der frischgebackene deutsche Vize-Meister auf die Top-Ten-Plätze. Doch es kam unter den Augen einer größeren Willinger Delegation anders.

Weiten auf 97,5 und 97 Meter (234,5 Punkte) bedeuteten den 21. Platz. Besser als zum Auftakt in Wisla (29.), doch zufrieden zeigte sich Leyhe nicht: „Ich habe es nicht ganz geschafft, den Sprung abzurufen. Zudem habe ich mich schwer beim Absprung getan und war etwas zu sehr nach vorne fokussiert.“

Auf der Suche nach Symmetrie 

Gewonnen hat der Pole Kamil Stoch (271,1 Punkte) vor dem stärksten Deutschen, Karl Geiger (256,3), und dem Schweizer Killian Peier (255,8). In Panik verfällt Leyhe nach dem Springen keineswegs, er weiß sich seine Baustellen realistisch einzugestehen: „Großes Thema ist bei mir die Skiführung, die Symmetrie, also dass die Ski relativ schmal zusammengeführt sind. Manchmal habe ich noch so einen Absetzer an der Kante, dann mache ich keine saubere Bewegung vom Tisch.“

Leyhe ist reifer geworden. Der bisher größte Erfolg seiner Karriere, der Gewinn der Silbermedaille im olympischen Mannschaftsspringen von Pyeongchang, der emotionale Empfang in der Schwalefelder Heimat, der den introvertierten 26-Jährigen berührte, die Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts im Juni, der ganze Trubel überhaupt, das alles hat Spuren hinterlassen: „Ich hoffe, dass ich mich nicht verändert habe und noch so bin wie früher. Aber vielleicht sehe ich jetzt alles etwas entspannter als vorher“, sagt er.

"Schön, mal anderen Sport zu treiben"

Das soll aber nicht heißen, dass sich der 26-Jährige jetzt auf seinen Lorbeeren ausruhen möchte. Nach dem Ende der vergangenen Saison hatte er Pflichten zu erfüllen, war beispielsweise von Mitte April bis Ende Mai bei der Bundeswehr in Warendorf. „Das war ein Lehrgang, die fortlaufende Stufe zum Übungsleiter. Es waren sechs Wochen, in denen ich viel Sport gemacht und auch jede Menge Theorie gelernt habe. Aber es war auch schön, mal einen anderen Sport zu treiben als Skispringen“, erklärte Stephan Leyhe.

Training statt Wettkampf

Seit ein paar Wochen steht wieder das Skispringen im Vordergrund und Leyhe möchte weiter seinen Status im Team von Bundestrainer Werner Schuster festigen: „Neues Jahr, neues Glück. Ich bin seit vier Jahren in der Mannschaft. Ob das reicht, um sagen zu können, das man ein fester Bestandteil ist, weiß ich nicht. Doch ich gebe mir Mühe, dass es noch ein paar Jahre mehr werden.“

Den Sommer-Grand-Prix in Einsiedeln am kommenden Wochenende (3./4. August) lässt Stephan Leyhe aus, erst in Courchevel (10./11. August) geht er wieder an den Start. Bis dahin liegt der Fokus auf dem Training.

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