Korbacher sieht seinen Verein SpVgg Unterhaching „finanziell solide aufgestellt“

Jannik Bandowski: Fußballprofi im Wartestand, aber ohne Sorgen

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Auf dem Trainingsgelände der SpVgg Unterhaching kann sich Jannik Bandowski derzeit nicht aufhalten. Der Drittligaprofi hält sich im „Home Office Korbach“ fit.  

Zwangspausen kennt er wie kaum ein anderer Fußballer: Fast drei Jahre musste Jannik Bandowski zuschauen – Sprunggelenksverletzung, Kreuzbandriss. Jetzt muss er zuschauen – wie alle anderen Kicker auch –, weil der Corona-Virus und seine rasante Ausbreitung das Spielgeschehen lahm gelegt haben.

München/Korbach – „Es fühlt sich an wie Sommerpause ohne schönes Wetter“, sagt Bandowski. Es ist Pause. Ausgerechnet jetzt, wo er nach Krankheitspause wieder fit ist. Ausgerechnet jetzt, wo die SpVgg Unterhaching, bei der Bandowski nach vorherigen Stationen bei Borussia Dortmund (U23) und VfL Bochum seit vorigem Sommer spielt, punktgleich mit dem Tabellenzweiten Mannheim auf Aufstiegskurs ist. Die dritte Liga setzt aus bis 29. April, und auch für sie gilt: Wer weiß, was danach kommt.

Was machst du gerade? Eine belanglose Frage, die in Corona-Zeiten Sinn macht. Er habe sein individuelles Trainingsprogramm absolviert, dann Mittag gegessen – „ und viel mehr bleibt derzeit ja auch nicht übrig“, sagt Bandowski, der Ende des Monats seinen 26. Geburtstag feiert.

Bandowski im "Home-Office" in Korbach

„Wir haben sozusagen Home-Office“, erklärt Bandowski weiter. Wie auch die anderen Spieler hat er einen individuellen Trainingsplan (Laufplan) bekommen, den er abarbeiten muss. Das tut er im Kreise der Familie, denn er ist vorige Woche nach Korbach gefahren.

„Wir sind über WhatsApp vernetzt. Wenn sich etwas tut, fahre ich zurück. Aber groß planen kannst du nicht“, so Bandowski zur staatlich verordneten Ruhe. Grundsätzlich möchten die Hachinger gern effektiver trainieren. Zusammen mit dem FC Bayern München der Verein einen Antrag eingereicht, um seine Trainingsplätze nutzen zu dürfen, um in kleinen Gruppen ein wenig Zweikämpfe und andere Dinge mit dem Ball trainieren zu können. Entschieden wird das voraussichtlich am 30. März.

Für Abwechslung sorgt ansonsten ein wenig Online-Coaching. „Mit unserer Physiotherapie-Praxis haben wir Videos aufgenommen über etwa 40 Minuten; mit Trainingsprogrammen, auch für andere Sportler – um ein bisschen einfach drin bleiben“, berichtet Bandowski. Auch der Fitnesstrainer im Verein habe ein Video mit Übungen gemacht. „Immerhin“, so der 25-Jährige, „in Korbach kann ich den Garten nutzen.“

Bandowski "hätte einen Saisonabbruch erwogen"

Zweifellos unterhält man sich bei der SpVgg Unterhaching auch über Verletzungen und Medizinisches. Aber ein weltweites Virus? „Das Ausmaß hat man so nicht kommen sehen. Als das dann herüberschwappte, war mir eigentlich klar, dass die Saison unterbrochen wird“, sagt Jannik Bandowski. 

Sollte man nicht gleich die Saison beenden? „Für die 3. Liga hätte ich das in Erwägung gezogen“, meint der Wahl-Münchner. Diese sei finanziell nicht so stark aufgestellt, dass man sich zum Beispiel Geisterspiele leisten könne. „Das Problem ist jetzt erst einmal aufgeschoben. Da die EM abgesagt wurde, hat man aber auch noch Zeit.“ 

Die Saison zu annullieren wäre für Bandowski unverständlich, „weil schon zwei Drittel gespielt sind“. In der 3. Liga haben alle Teams die gleiche Anzahl Spiele, man sollte es wenn dann so werten, wie es aktuell steht“, meint der Korbacher. 

„Ob es für uns ab 30. April weiter geht, steht noch in den Sternen“, glaubt Bandowski. Geht es nicht weiter, wären die Hachinger sportlich ein Härtefall. Als Tabellendritter würden die Blau-Roten nur aufgrund des Torverhältnissen den Aufstieg verpassen. Kein Beinbruch laut Bandowski: „Offizielles Ziel war der Aufstieg noch nicht. Finanziell ist nicht der Druck da, jetzt schon aufsteigen zu müssen.“

Hachinger Spieler spenden für die Gemeinde

Soweit zum Sportlichen. Und das Finanzielle? Muss sich ein Drittligaspieler Sorgen machen, über die Runden zu kommen angesichts der Zwangspause, in der dem Verein Einnahmen fehlen? Vorher habe er sich mit dem Thema Kurzarbeit noch nie befasst, bemerkt Bandowski. „In unserer Liga gibt es glaube ich drei Vereine, die das eingeführt haben. Jetzt liest man logischerweise auch mal etwas darüber. Ich glaube, dass Haching einer der Vereine in der 3. Liga ist, die finanziell sehr solide aufgestellt sind; auch weil der Präsident das sehr gut macht über mehrere Jahre. Wir sind ja auch an der Börse. Also eigentlich müssten wir von den Finanzen her gut dastehen.“

Einen extremen Sparplan gibt es beim Club ganz im Süden München jedenfalls nicht. Die Gehälter werden vollauf weiter gezahlt, vom Kurzarbeitergeld hält Präsident Manfred Schwabl nichts. Die Spieler seien auf ihn zugekommen und hätten gesagt: Im Gegenzug spenden wir etwas, so der frühere FC-Bayern-Profi im bayerischen Fernsehen bei „Blickpunkt Sport“. „Der Verein legt was drauf, auch für die Gemeinde Unterhaching, die ein super Krisenmanagement macht." (schä)

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