Ex-Speerwerferin spricht über ihre nachträgliche Olympia-Silbermedaille und mehr

Weltmeisterin Christina Obergföll trainiert mit Korbacher Betriebssportlern

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Gymnastikstunde mit Weltmeisterin und Olympia-Medaillengewinnerin: Die sympathische Ex-Speerwerferin Christina Obergföll zeigte Mitarbeitern Korbacher Unternehmen Übungen für Gesundheitssport. 

Korbach – „Sitzen ist das neue Rauchen.“ Mit Worten wie diesen hat Christina Obergföll in Korbach über die Wichtigkeit von Bewegung in Beruf und Alltag gesprochen.

Die frühere Speerwurf-Weltmeisterin warb als Angestellte einer Krankenversicherung vor rund 40 Mitarbeitern Korbacher Unternehmen für betrieblichen Gesundheitssport. Nach einem Impulsvortrag demonstrierte die 38-Jährige den Teilnehmern einfache, aber nützliche Übungen. 

Mit der WLZ sprach Obergföll am Rande auch über ihre Karriere und die nachträglich gewonnene Olympia-Silbermedaille.

Christina Obergföll hat immer noch eine leichtathletische Figur: muskulärer Körper und kein Gramm Fett zu viel, obwohl die Speerwurf-Weltmeisterin von 2013 seit drei Jahren das Kapitel Leistungssport beendet und in dieser Zeit auch ihr zweites Kind zur Welt gebracht hat. 

Die 38-jährige Mutter von Marlon (5) und Noah (2) hat heute als Angestellte der Barmer-Krankenversicherung einen Termin beim Amt für Bodenmanagement in Korbach, wo sie einen Vortrag zum Thema „Betrieblicher Gesundheitssport“ hält. Ihre Zuhörer: Mitarbeiter des Hauses, aber auch Beschäftigte des Finanzamts und der EWF.

Speerwurf reizt sie nicht mehr

Später wird die 38-Jährige mit der Gruppe auf den Sportplatz gehen und dort eine Gymnastikstunde geben. Die Übungen, die die Teilnehmer lernen, sollen sie mit zur Arbeit oder mit nach Hause nehmen. Es geht um Beweglichkeit, Koordination und vor allem ums dran bleiben, Gymnastik in den Tag einbauen wie das Zähneputzen.

Doch wer eine gute leichtathletische Figur abgibt, ist noch lange keine gute Leichtathletin. Bei der Frage, wie weit fliegt denn der Obergföller Speer heute noch, muss die Weltmeisterin laut lachen. Dann sagt sie etwas zögerlich: „Ich schätze mal so 45 Meter.“ Ihre Bestmarke liegt bei 70,20 Meter. „Ich werfe keinen Speer mehr, das geht nicht einfach so.“

Das klingt schon komisch, denn Speerwerfen war ihre Leidenschaft. „Bei Fußballern, Radfahrern oder Tennisspielern ist das anders, die betreiben ihre Sportart auch im höheren Alter, aber als Speerwerfer macht man das nicht.“ Dabei ist sie sogar noch nah dran an ihrem Sportgerät, denn ihr Ehemann Boris ist Speerwurf-Bundestrainer der Männer und sie begleitet ihn manchmal zum Training. Aber das reizt sie nicht, Christina Obergföll bringt diese Stange nicht mehr zum Fliegen. „Ich trainiere jetzt Gesundheits- und Fitnesssport.“

Keine Freude über nachträgliche Medaille

Gleichwohl: Die 38-Jährige hat in ihrer speerlosen Zeit noch Olympia-Silber und WM-Bronze gewonnen. Dem Doping sei Dank. Der Russin Mariya Abakumova wurden nachträglich die Medaillen von den Olympischen Spielen in Peking 2008 und der WM in Südkorea aberkannt, und Obergföll rutschte dadurch jeweils einen Platz nach vorn. Nun ist sie zweifache olympische Silbermedaillengewinnerin. Doch sie kann sich darüber nicht mehr freuen.

Wie kann man sich so einen Medaillentausch vorstellen? Schellt es an der Tür und draußen steht jemand, der sagt: „Guten Tag, Frau Obergföll, ich komme vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), möchte gern ihre Bronzemedaille abholen und ihnen dafür die silberne überreichen“? Obergföll hat 2016 erstmals aus der Presse von den Doping-Nachtests der Spiele in London und Peking erfahren. Das Verfahren zog sich dann lange hin, unter anderem, weil die Russin in Berufung ging.

Im vergangenen Dezember landete dann ein Schreiben im Briefkasten der Ober-gfölls, die in Diersburg in der Nähe von Offenburg wohnen. Der deutsche Olympische Sportbund fragte darin, auf welchem Wege Christina Obergföll die Medaille erhalten möchte: privat, privat mit Presse, bei einer großen Veranstaltung oder bei einem der nächsten Höhepunkte der Leichtathleten. Sie entschied sich für „privat mit Presse“, und vor zwei Wochen wurde ihr die Silbermedaille überreicht.

Auch wenn sie das olympische Silber in Nachhinein kaum wertschätzt, erhält es einen gebührenden Platz im Haus. 

Betriebssport verbindet Korbacher Unternehmen

Der Krankmeldung im Betrieb zuvorkommen, das hat sich die Barmer auf ihre Fahnen geschrieben. Die Krankenkasse hat im vergangenen Jahr mit dem Amt für Bodenmanagement (AfB), der EWF und dem Finanzamt einen Gesundheitstag veranstaltet. 

Der hatte wegweisenden Charakter: Seither ist dieses Firmentrio sportlich miteinander verbunden. „Wenn wir Kurse im Gesundheitssport anbieten und die werden nicht voll, können Mitarbeiter der zwei anderen Firmen teilnehmen“, erklärt AfB-Leiter Frank Mause. 

Sportelte auch mit: Frank Mause, Leiter des Amts für Bodenmanagement, weiß um den Nutzen von Betriebssport

Wie gut nimmt die Belegschaft diese Angebote an? „Mal gut, mal schlecht. Das ist unterschiedlich“, betont Mause und erhält zustimmendes Nicken von Joachim Müller, technischer Leiter der EWF-Sparte Netzbetrieb. Beide stellen fest, dass es immer wieder die gleichen Mitarbeiter seien, die diese Sportangebote annähmen – aber eben nicht diejenigen, für die sie eigentlich gedacht seien. 

Feste Sportangebote in der Woche bieten die drei Firmen zwar noch nicht an, aber beim AfB finden ab Herbst die Winterübungen mit etwa acht bis zehn Einheiten statt. Firmensport ist aber auch mit Kosten verbunden, die auch von den Mitarbeitern zu tragen sind. „Wenn der Arbeitgeber nicht einen Anteil dazu gibt, wird es schon problematisch“, sagt Müller. 

Fordern und fördern, lautet daher das Prinzip. Wenn ein Mitarbeiter einen teuren Bürostuhl und einen höhenverstellbaren Schreibtisch fordere, sich aber nie an den Gesundheitsaktionen beteilige, müsse man ihn schon auch fragen, warum, sagt Mause. Finanzamt, AfB oder EWF beteiligen sich meist anteilmäßig an gesundheitsfördernden Maßnahmen. 

Mehr Firmen sollen auf den Zug aufspringen

Gesundheitsmanagement ist aber noch nicht in jedes Unternehmen vorgedrungen. „Wir bieten das Firmen an, stellen es vor. Und es wäre schön, wenn wir noch mehr dazu motivieren könnten. Das betriebliche Gesundheitsmanagement wird durch den Gesetzgeber gefördert“, sagt Andreas Bethke, Regionalgeschäftsführer der Barmer. 

Von Christina Obergföll hatten die Firmenmitarbeiter zuvor schon erfahren, wie wichtig es ist, Bewegung in den Alltag einzubauen. „Die effektivste Methode, um fit zu bleiben: Spaziergänge, nehmen Sie die Treppe statt den Fahrstuhl, steigen Sie eine Bushaltestelle früher aus, lassen Sie das Auto mal in der Garage stehen. (rsm)

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