Goddelsheimer holt bei deutscher Meisterschaft der Schützen drei Team-Siege, trauert aber Einzelmedaille hinterher

Dreimal Gold für Barbe, aber defekter Abzug zerstört die Ruhe

Waldeck-Frankenberger Duo auf der Bundesbühne: Tom Barbe und Johanna Tripp haben bei DM-Premiere des Air-Mixed-Team-Wettbewerbs den Podestplatz knapp verfehlt.

Goddelsheim. Drei Goldmedaillen hält der Sportschütze Tom Barbe in der Hand.

Mit dieser glänzenden Ausbeute kehrte er von der deutsche Meisterschaft der Sportschützen von München nach Goddelsheim zurück. Sein Stimmungsbarometer müsste jetzt eigentlich so freudig ausschlagen, wie bei einem Schuss in die 10, doch der 17-jährige fühlt eher eine 9.

Ein Schimmer von Bronze zwischen dem Goldglanz der drei Teamplaketten würde schon genügen, um seine Stimmung auf 10 zu heben. Dann hinge sie um seinem Hals, die von ihm angestrebte Einzelmedaille. Sie fehlt ihm. Allerdings fehlte ihm im Gefecht um dieses Edelmetall auch ein wenig die Ruhe. Die Unruhe fuhr gleich im ersten Wettkampf am vergangenen Freitag in seine Glieder.

Der Abzug des Sportgewehrs bewegte sich bei 3 x 40 Schuss nach der 30. Patrone nicht mehr so wie er soll. Was tun? Erst einmal mit dem defekten Abzug weiterschießen. Ein Ersatzgewehr steht nicht wie ein zweiter Schläger beim Tennis einfach so in der Ecke. Solch ein Hightechgerät ist in vielen Details individuell auf den Schützen eingestellt.

Der hessische Landestrainer hetzte daher mit der Waffe zu einer Gewehrreparaturwerkstatt und ließ den Abzug erneuern. Als das Schussgerät wieder in der Halle war, hatte Tom wertvolle Zeit für den Wettkampf verloren. Er musste sich nun beeilen und ein Schütze, der hetzt, trifft nicht so gut wir ein in sich ruhender. So gingen die Medaillen an die Konkurrenten, aber mit dem Wissen um dieses Malheur könnte sich Tom als Achter mit nur 14 Ringen Rückstand auf Rang drei zumindest wie ein gefühlter Bronzemedaillengewinner fühlen.

Pech beim Mixed mit Tripp

Doch das ist nicht die Denkweise des Gymnasiasten der Beruflichen Schulen in Korbach. Er ist kein Wenn-und-Aber-Grantler, hadert nicht lange mit Pannen und Niederlagen, sondern schaut schnell wieder nach vorn. Dennoch gibt er zu, dass er „die Medaille für 3 x 40 am meisten gewollt hat, denn es ist die wichtigste Disziplin“, sagt´Tom. Doch danach brachen schnell die goldenen Zeiten für den Pechvogel an. Es folgten die Teamtitel mit Luc Dingerdißen und Marcel Weber für Hessen mit dem Sportgewehr (Kleinkaliber) 3 x 20 und 3 x 40 Schuss und im KK-Liegendkampf.

Und auch im Einzel kam Bronze für den Goddelsheimer noch einmal ganz nah ran: Er verpasste mit dem Luftgewehr mit 618,7 Ringen den Podestplatz um 1,5 Ringe. Undankbarer Vierter. Auch das sieht Tom nicht so. „Mit dem Luftgewehr lief es gut bei mir, mit diesen Leistungen bin ich zufrieden.“ Wenn er schon auf die Einzelmedaille keinen Zugriff hatte, dann sollte es wenigstens die Paarplakette sein. Die Chancen dafür waren gut, denn Tom hatte bei der DM-Premiere des Air-Mixed-Team-Wettbewerbs keine geringere als Johanna Tripp vom SV Ernsthausen an seiner Seite.

Sie hatte mit Bronze im Einzel und Gold mit der Mannschaft genug Selbstbewusstsein bei dieser Meisterschaft getankt und fährt als Belohnung zur WM nach Südkorea. Mit dem Edelmetall wurde es aber wieder nichts, weil das Waldeck-Frankenberger Duo im Finale leicht schwächelte. Wieder Platz vier. Es folgten für den 17-Jähriegen noch die Ränge elf (KK- 30 Schuss), fünf (KK 3x 20 Schuss) und neun (KK-Liegendkampf).

Dass es bei der deutschen Meisterschaft mit dem Sportgewehr nicht wie von ihm selbst erwartet laufen wird, hat Tom schon ein wenig geahnt. „Mein Saisonhöhepunkt war eher die Rangliste und danach habe ich schon gemerkt, dass die Leistung etwas nachlässt“, sagt er. Er hatte sich auch ein Punktepolster erarbeitet, das hin davor schützte nach einer mäßigen deutschen Meisterschaft aus dem Bundeskader zu fliegen.

Sicherheit geht verloren

Woran merkt ein Schütze, dass es mit der Form abwärts geht, wackelt er dann mehr? „Nein, die Sicherheit geht dann etwas verloren“, sagt der 17-Jährige, der seine Sportart so schildert. „Sportschießen bedeutet eigentlich nur, einen bestimmten Ablauf zu perfektionieren.“ Deshalb könne auch jemand ein relativ guter Schütze werden, obwohl er keine ruhige Hand beim Schießen habe.

Die Saison ist für Tom jetzt zu Ende und der nächste Höhepunkt beginnt für ihn Anfang Dezember, mit der Luftgewehr-Sichtung und Ausscheidung für die Junioren-Europameisterschaft. Und der 17-jährige Goddelsheimer kennt den Sportschützen Tom Barbe mittlerweile so gut, dass er sich sicher ist, dass bis dahin die gewohnte Sicherheit zurückkehren wird.

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