Die Staffel des TVK in der Bundesliga: Wie sehen die Hauptdarsteller von damals die goldenen Zeiten heute

Als das Boxen in Korbach groß war

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Boxhelden von damals: Die Staffel der TV Korbach beim entscheidenden Rückkampf im März 1981 in Leverkusen – stehend von links: Reinhard Jassmann, Vitalish Bbege, Manfred Jassmann, Harald Klehn, Trainer Hans Hillmann; vorn: Roland Gier, Mario Gruben, Klaus-Dieter Ott, Co-Trainer Curth, Francesco und Natale Scapellato.

Korbach Ende Dezember 1980 stand Korbach Kopf. Die Boxfans feierten Silvester und Weihnachten auf einmal, als die Staffel des TVK von 1850 vor mehr als 1600 Zuschauern in der brechend vollen Kreissporthalle den amtierenden deutschen Mannschaftsmeister Bayer Leverkusen mit 13:11 schlug und sich die Tabellenspitze der 1. Bundesliga erkämpfte.

„Das Training unter dem Tannenbaum hat sich gelohnt“, jubelte Trainer Hans Hillmann. In der Saison 1980/81 blühte er wirklich, der Traum vom Titel. Korbach genoss deutschlandweit einen Ruf als Box-Hochburg, das Amateurboxen hatte in der nordhessischen Provinz eine prima Adresse. Der Ansturm endete schließlich wieder knapp unterhalb des Gipfels. Den fiebrig erwarteten Rückkampf in Leverkusen verlor die Staffel am 14. März 1981 mit 12:15. Wie schon in der Vorsaison als Aufsteiger wurde sie Vizemeister hinter Serienmeister Bayer 04.

Im Jahr darauf reichte es für Hans Hillmann und die Seinen nur noch zum vorletzten Platz unter fünf Erstliga-Teams. Der ganz große Renner war das Boxen beim Korbacher Publikum da schon nicht mehr. Die sinkenden Zuschauerzahlen seien „durch die wenigen Heimkämpfe und die großen zeitlichen Abstände zwischen diesen Begegnungen verursacht“ worden, heißt es auf boxenkorbach.de. Zudem war Manfred Jassmann, eins der Zugpferde, Profi geworden.

Der Turnverein zieht die Reißleine

Als das Geld knapp wurde, zog der Turnverein die Reißleine, die Boxer sammelten sich unter dem Dach des neuen BSV Korbach, der in der 1. Liga 1982/83 eine Startgemeinschaft mit BC Gelsenkirchen-Erle einging. Doch die alten Zeiten waren vorbei. Tot zu kriegen ist das Boxen in der Hessentagsstadt aber nicht, bekanntester Vertreter ist heute Profi Mario Jassmann.

Wir haben mit Hauptdarstellern aus den goldenen Jahren gesprochen. Was ist aus ihnen geworden, wie sehen sie die Bundesliga-Zeiten heute? Eine Chronik mit allen Erfolgen konnte daraus nicht werden, nur ein Ausschnitt. Die ganze Geschichte ist gut dokumentiert auf boxenkorbach.de

Das sagt Reinhard Jassmann

Eine der Hauptpersonen von der Oberliga bis zur Bundesliga war Reinhard Jassmann. Der heute 63 war nicht nur ein Stützpfeiler des Vereins, sondern gemeinsam mit seinem Bruder Manfred als Lokalmatador auch die wichtigste Identifikationsfigur für das Publikum. Als Späteinsteiger (erst mit 20 Jahren die ersten Kämpfe) boxte er eigentlich im Halbmittelgewicht, kochte aber schon mal ab ins vier Kilo leichtere Weltergewicht, kämpfte zudem im Mittelgewicht. 1982 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Jassmann fasst seine Gedanken so zusammen: „Als Späteinsteiger so erfolgreich zu werden, das war nur mit unbändigem Ehrgeiz zu schaffen. Wir hatten immer Ziele vor Augen. Für die Entwicklung ist das eine gute Sache. Die schönste Zeit mit der TVK-Staffel für mich war die 2. Bundesliga. da hatten wir die meiste Kameradschaft. Der Zusammenhalt war besser als in der 1. Liga, die war schon mehr Geschäft. Da lag das Hauptaugenmerk zu sehr auf dem Erfolg. Das war keine Spielerei mehr, das war absolute Härte. 

Du bist nur mit Spitzenleuten zusammengekommen. Den Sprung ins Nationalteam hatte ich nur der Bundesliga zu verdanken. Wir Kämpfer mussten viel aushalten: Entbehrungen. Quälerei, das gehört mit dazu. Ich habe das gern gemacht. Einmal musste ich innerhalb von zwei Wochen erst im Weltergewicht, dann im Mittelgewicht antreten, und habe beide Kämpfe vorzeitig gewonnen. 

Zwischen Jubel und kalter Schulter

Sicher war das eine tolle Zeit. Man war umjubelt. Beim ersten Bundesliga-Duell mit Bayer Leverkusen (November 1979), als Rene Weller hier auftauchte. spielte Korbach verrückt. Umgekehrt hat man gesehen, wie undankbar manche Leute waren, wenn du länger verletzt warst. Ich hatte mir mal den Daumen gebrochen, ein halbes Jahr lang dran laboriert. Der Arzt riet mir, nicht mehr zu boxen. Leute, die dir vorher auf die Schulter geklopft haben, haben sich dann umgedreht. Manchmal hast du dich gefragt, wofür das alles. 

Dazu kam hoher Erwartungsdruck. Und die Angst, dem Verein nicht die Punkte zu bringen. Die Zuschauer hatten schließlich 20 Mark Eintritt bezahlt. Man musste lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Man musste akzeptieren, wenn ein anderer eingesetzt wurde. Selbstdisziplin spielt die größte Rolle, wenn man was erreichen will. 

Was ich heute noch bedauere, ist, dass da zu wenig Nachwuchsarbeit geleistet wurde, um aus den eigenen Reihen Leute heranzuziehen, mit denen sich das Korbacher Publikum identifizieren konnte. Statt dessen wurden Leute zusammengeholt, die einen Haufen Geld gekostet haben.“

Döhne hat Treffen organisiert

Für die Erinnerung an große sportliche Tage und echte Sportkameradschaften bildet der Hessentag einen Rahmen: Mit dem „offiziellen Wiegen“ um 14 Uhr und einer „Pressekonferenz“ zwei Stunden später hat der frühere Schwergewichtler Karl-Heinz Döhne nur zwei „offizielle“ Programmpunkte bei dem von ihm organisierten, zwanglosen Wiedersehenstreffen der Korbacher Bundesligaboxer am kommenden Samstag im TSV-Sportheim auf der Hauer angesetzt. 

Vor allem wollen ehemalige Weggefährten mal in Erinnerungen schwelgen und an die ganz großen Zeiten des Boxsports in der Kreis- und Hansestadt erinnern. Auch die früheren „Edel-Fans“ sind eingeladen, sollten sich aber vorher aus organisatorischen Gründen per E-Mail an kh.doehne@gmail.com oder unter Telefon 0160/2032220 anmelden.

Karl-Heinz Döhne jubelt als Hessenmeister 1977.

 

Auch Fans sind willkommen

Über die Resonanz auf seine Initiative ist der einstige Hessenmeister aller Klassen selbst überrascht. „Manfred König, Wolfgang Penzler, Stefan Gertel, Franco Scapellato, die Alsfelder Merle und Künstler sowie der Frankfurter Holm mit den Trainern, den Rausch-Brüdern, haben spontan zugesagt. Konstantin Varan kommt aus Österreich angereist“, freut sich Döhne und mit ihm sein ehemaliger Trainer Hans Hillmann, die Lokalmatadoren Reinhard und Manfred Jassmann sowie Reinhard Schmidt über das Wiedersehen mit den auswärtigen Assen von damals. 

Schon beim Gang über die Waage dürften Erinnerungen wach werden und Anekdoten wieder aufleben. Sie haben mit dem Aufstieg ins Box-Oberhaus, dem Ersatz-Länderkampf für Olympia gegen die USA in der Kreissporthalle, den beiden nationalen Titeln für die Jassmanns, aber auch mit vielen unvergessenen „Ringschlachten“ in Korbachs Boxgeschichte Eingang gefunden. (be)

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