Bad Wildunger Siebenkämpferin liegt in der Olympiavorbereitung in den letzten Zügen - ein Trainingstag in Frankfurt

Hoch und Hürden mit Carolin Schäfer

Blick nach vorn, Rio im Kopf. Carolin Schäfer muss bis zum Olympiastart noch einige Hürden überspringen.

Frankfurt. Oben viele Flieger, unten eine Fliegerin. Carolin Schäfer hebt mehrmals mit einem Bein für eine Luftfahrt ab, die ihren Körper über die Latte trägt.

 Dabei scheint die derzeit beste deutschen Siebenkämpferin der Flugverkehr der Boeings und Airbusse, die im Minutentakt lautstark über die Sportanlage in Frankfurt-Niederrad fliegen nicht in ihrer Konzentration zu stören. Da die gebürtige Bad Wildungerin mehrmals in der Woche hier trainiert, nimmt sie diesen Lärm vermutlich kaum noch wahr, obwohl der Geräuschpegel alle paar Minuten zusätzlich durch vorbeifahrende Güterzüge und derzeit durch Bauarbeiten an der kleinen Tribüne erhöht wird.

Der 24-Jährigen vom TV Friedrichstein gehört der Sportplatz in der Hahnstraße an diesem Montagmittag mit ihrem Trainer Jürgen Sammert allein. Das kann man schließlich auch erwarten als Olympiateilnehmerin mit Medaillenchancen in Rio. Nein, es ist nur Zufall und kein Anspruch oder gar eine Forderung von Schäfer. Sie wohnt zwar in Frankfurt, hat aber nicht die charakterlichen Eigenschaften für die Diva vom Main. Arroganz liegt ihr fern, genauso wie eine überzogene Egozentrik. Schäfer muss nicht im Mittelpunkt stehen und kann andere gut dort stehen lassen. Wie jene Frau, die kurz vor Trainingsbeginn freudestrahlend auf die Siebenkämpferin zu geht. An den Begrüßungsworten hört man heraus, die beiden kennen sich. Ja, ja nun folgt bestimmt wieder die typische Lobhudelei, denkt der Beobachter dieser Szene, super, du fährst ja bald nach Rio zu den Olympischen Spielen, viel Glück, drück‘ dir fest die Daumen… - aber nichts dergleichen, diese Frau sagt: „Ich nehme gerade das Sportabzeichen ab und fünf Leute laufen die 3000 Meter, ist das nicht toll.“ Carolin Schäfer stimmt ihr zu. Ihre Gestik und Mimik lassen darauf schließen, die Hochleistungssportlerin kann sich mit dieser Frau über die Leistungen anderer freuen, obwohl diese weit unter ihrem eigenen Können liegen.

Kein Wort über Olympia oder Schäfers guten Ergebnisse vor wenigen Tagen bei den Mehrkampf-Meetings in Götzis und Ratingen. Genug geplaudert. Schäfer zieht die Trainingsjacke aus, auf der ihre Internetseite www.carolinschaefer.com aufgedruckt ist, geht im pinken Shirt auf die Bahn zum Warmlaufen. (rsm)

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