Gebürtiger Bad Arolser holt sich die Hessenmeisterschaft

Twistesee-Triathlon: Nils Huckschlag eine Klasse für sich

Ungewohntes Schlangestehen: Coronabedingt durfte kein Massenstart beim Twistesee-Triathlon stattfinden, sondern nur Einzelstarts. Das war aber für den ein oder anderen Athleten auch eine Hilfe, denn damit fiel auch der bisweilen sehr körperlich betonte Kampf um die Plätze mit Tritten und Schlägen aus.
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Ungewohntes Schlangestehen: Coronabedingt durfte kein Massenstart beim Twistesee-Triathlon stattfinden, sondern nur Einzelstarts. Das war aber für den ein oder anderen Athleten auch eine Hilfe, denn damit fiel auch der bisweilen sehr körperlich betonte Kampf um die Plätze mit Tritten und Schlägen aus.

Was ist an diesem Sonntagmorgen nur mit einigen Wetterburgern los? Da ist dieser Mann, der direkt neben der Hauptstraße zwei Stühle aufgestellt hat, auf einem sitzt er, auf dem anderen legt er seine Füße hoch, er scheint zu schlafen, aber immer wenn ein Fahrradfahrer vorbeikommt, blickt er ihm aufmerksam nach.

Twistesee – Einige Meter weiter steht eine Frau mit ihrem großen Hund auf dem Bürgersteig und sie bejubelt jeden Fahrradfahrer, der an ihr vorüberfährt und spendet Beifall, wieder einige Schritte weiter beklatscht auch ein älteres Ehepaar jeden Radler, der passiert. Und dann ist da noch der Mann mit der großen Gartenschere, der nur zum Schein an seiner Hecke herumschnibbelt, denn wenn ein Radfahrer vorbeikommt, ist der Heckenschnitt Nebensache.

Kopfsprung

Erst am Ortsausgang in Richtung Bad Arolsen kann man erkennen, warum sich einige Wetterburger so seltsam benehmen. Dort stehen Polizeibeamte und regeln der Straßenverkehr, dabei gewähren sie den zahlreichen Radfahrern, die von der Twisteseehalle kommen stets die Vorfahrt. Sie zählen zu den Athletinnen und Athleten, die am Twistesee-Triathlon teilnehmen.

Die Trianhas, die Triaatlon-Abteilung des VfL Bad Arolsen, haben diese Traditionsveranstaltung wieder zum Leben erweckt, aber diesmal wegen Corona alles eine Nummer kleiner als in den Jahren zuvor mit strengem Hygienekonzept. 250 statt 500 Triathleten, keinen Volkstriathlon, keine Staffeln, keine Verzehrstände, keine Siegerehrung, keine Gruppenbildung. Die Tische und Bänke vor der Halle wurden vermutlich nur aus Gewohnheit aufgebaut, sie sind verwaist, weil sich im Zielraum niemand länger als 20 Minuten aufhalten darf, auch die Athleten nicht.

Schnell Anreisen, schnell Sport treiben, schnell wieder weg. So lautete etwas überspitzt formuliert die Vorgabe bei diesem Triathlon auf der Olympischen Distanz, bei dem der Hessenmeister ermittelt und Starts in der offenen Klasse sowie in der Senioren-und Mastersliga angeboten wurden.

Das bedeutete für alle Athleten 1,5 Kilometer schwimmen, 40 Kilometer Rad fahren und zehn Kilometer laufen. Corona nahm auch erheblichen Einfluss auf den Schwimmstart. Auf die Plätze, fertig, los - und alle Athleten setzen sich in Bewegung. Das ging nicht, Massenstart nicht erlaubt. Stattdessen bildete sich am Seeufer eine Menschenschlange auf blauen Kunststoffmatten, 1,5 Meter Abstand halten und die Teilnehmer wurden im Zehn-Sekunden-Abstand ins Wasser gelassen.

Dominator am Twistesee: Der gebürtige Bad Arolser Nils Huckschlag (Darmstadt), schwamm, fuhr und lief in allen drei Disziplinen die beste Zeit. 

Die kürzeste Zeit im nassen Element verbrachte der gebürtige Bad Arolser Nils Huckschlag, der in Darmstadt seit rund zwei Jahren Umweltingenieurwesen studiert und für den dortigen DSW in der Bundesliga startet. Der 20-Jährige stieg nach 21:49 Minuten aus dem Twistesee und legte auch in den anderen Disziplinen Zeiten hin, an die niemand herankam. So fuhr er die doppelte Radrunde, die über Neu-Berich, Lütersheim, Viesebeck, Landau zurück nach Wetterburg führte in 1:06,03 Stunde und lief die zehn Kilometer in 35:37 Minuten. Mit 2:03,49 Stunden war Huckschlag mit Abstand der beste Athlet dieser Veranstaltung und darf sich nun Hessenmeister nennen.

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Rund fünf Minuten Vorsprung hatte er auf den Zweitplatzierten Moritz Werrbach (KSV Baunatal). „Ein Hessenmeistertitel auf der Olympischen Distanz ist cool, aber primär ging es mir nicht um den Titel, sondern einfach um mein Heimrennen, zu zeigen, dass ich mich weiterentwickelt habe.“

Schnellste Frau am Twistesee: Tina Lucas vom EOSC Offenbach. 

Für Tina Lucas (Offenbach), schnellste Frau bei diesem Wettbewerb, zählt der Hessenmeistertitel nicht viel. „Ich bin da nur gestartet, weil in der offenen Klasse kein Platz mehr frei war“, sagte die 38-Jährige, die erstmals am Twistesee gestartet ist. „Eine sehr schöne und anspruchsvolle Strecke.“ Lucas möchte aber unbedingt noch diesen Satz loswerden, der eine Menge über die Fairness in der Triathlon-Gemeinde aussagt. „Ich war lange Zeit Zweite, weit hinter Theresa Koch (Fritzlar), die dann aber leider eine Radpanne hatte.“

Thomas Sämann (TSG Kleinostheim) gewann die offenen Klasse in 2:17:18 Stunden. Nur wenige heimische Starter waren diesmal dabei. Sebastian Heck (Triathlon Waldeck) kam in der Meisterschaftswertung auf Rang 17. in 2:46, 36 Stunden.

Und zwei Trianas -Athleten durften in der offenen Klasse ihr Heimspiel auskosten: Jawad Belfqih (2:40:43) wurde Zwölfter und Mark Gümpel (2:54:16) 29. Beide war zufrieden mit ihren Leistungen, aber auch ein wenig traurig, denn dieses Heimspiel war für lange Zeit ihr letztes. „Wer neu in den Verein kommt, hat ein Freiticket, danach wechselt man von der Sportler- in der Helfergruppe. „Rückkehr, eher unwahrscheinlich“, meint Klausen. (rsm)

Ergebnisse: twistesee-triathlon-2021.racepedia.de

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