Zurücklehnungs-Mentaliät kritisiert: Auch mehr Regeln erschweren es den Vereinen, Mitarbeiter zu finden

Hürden werden immer höher

+
Ohne sie geht es nicht: Helfer im Vereinsalltag, etwa bei der Ausrichtung von Turnieren. Aber auch im Vorstand braucht es Mitglieder. Sie zu gewinnen, wird in vielen Vereinen schwerer.  

Waldeck-Frankenberg. Der Januar ist der Monat der Versammlungen. Meist sind sie verbunden mit Vorstandswahlen und der frustrierenden Suche nach Kandidaten. Nicky Hupertz zählt zu den Vorsitzenden, die sich Gedanken machen mussten über die Besetzung wichtiger Vorstandsämter.

 „Bei uns sieht’s nicht gut aus, und ich denke, anderen geht es genauso“, sagt er. Hupertz ist Vorsitzender des SV Edergold Mehlen, der mit einem Trend kämpft, den alle Vereine kennen: Ehrenamtsschwund.

Am Samstag in der Jahreshauptversammlung scheiterten die Bemühungen, ein offenes Amt zu besetzen; die Vorstandswahlen beim SV fielen aus. Der Negativtrend ist amtlich belegt. Mehr als drei Viertel aller Vereine haben echte Probleme, Vorstandsposten zu besetzen, sagt Ferdinand Mirbach, Vereinsexperte der Robert-Bosch-Stiftung.

Mehr Belastung, weniger Zeit

Das Übel liegt nicht nur am vielbeschworenen demografischen Wandel. „Die Arbeitswelt hat sich verändert, die Belastung für Schüler. Das schlägt sich durch auf den Vereinsalltag“, sagt Andreas Boltner, Vorsitzender des TSV Korbach. Dadurch gehe nicht nur das Interesse an der Mitarbeit im Vorstand, sondern auch am Vereinsleben allgemein zurück.

Keine Zeit oder grundsätzlich keinen Bezug zu Funktionärstätigkeiten, das sind zwei der Hauptgründe, die Boltner ausgemacht hat. „Die meisten sind zu sehr eingespannt durch Beruf und Familie, oder sie machen eben schon viel in einer Abteilung oder ein, zwei anderen Vereinen.“ Boltner wie auch Kollege Dieter Stöcker vom VfL Adorf haben derzeit keine Personalsorgen im Vorstand. „Das ändert aber nichts daran, dass es vor allem schwer ist, Personen für die Vorstandsspitze zu finden“, sagt Stöcker.

Auch beim VfL Bad Arolsen sind alle elf Vorstandsposten besetzt. „Wir werden aber immer älter“, berichtet Dr. Michael Rohleder. Nicht leicht sei es, junge Einsteiger zu gewinnen. Zudem habe der 800-Mitglieder-Verein Schwierigkeiten, Übungsleiter zu finden, so der Vorsitzende. Im immensen Zeitaufwand für die Lizenz sieht er einen Grund dafür. Nicky Hupertz hat noch eine andere Erkenntnis gewonnen: „Die meisten haben gute Gründe, sich nicht engagieren zu können. Aber immer mehr suchen auch nach Gründen, um sich aus der Verantwortung zu ziehen“, sagt der Mehlener.

 

Mehr lesen Sie in der Samstagsausgabe der WLZ

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare