Doppelinterview mit Doppelspitze: Vorstandsduo des Sportkreises über Zukunft der Vereine und ihrer Arbeit

Steuber und Seitz: „Der Sportkreis wächst zusammen“

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Ziehen an einem Strang: Sportkreisvorsitzender Uwe Steuber (rechts) und sein Stellvertreter Bernhard Seitz. Beide treten beim Sportkreistag in Korbach zur Wiederwahl an.

Korbach/Frankenberg. Seit sechs Jahren stehen Uwe Steuber und Bernhard Seitz dem Sportkreis Waldeck-Frankenberg als Führungsduo vor. Am Mittwoch stellen sie sich beim Sportkreistag zur Wiederwahl.

Zusammen haben der Vorsitzende und sein erster Stellvertreter die schwierige Anfangszeit bewältigt, als dem Großsportkreis nach der Fusion zwischen Waldeck und Frankenberg Skepsis entgegen schlug, vor allem aus dem Süden.

Diese Skepsis habe sich teilweise gelegt, findet der Bottendorfer Seitz. Steuber stimmt zu. Der Lichtenfelser Bürgermeister hält den Sportkreis für gut aufgestellt und will in Zukunft das Beratungsangebot weiter ausbauen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Sportentwicklungsplanung sein. Steuber wie Seitz sehen Waldeck-Frankenberg auch als Ideengeber für ländliche Regionen im Landessportbund Hessen, wie sie im Interview erzählen.

Herr Seitz, hat sich die Frankenberger Skepsis bezüglich der Zusammenlegung der Sportkreise relativiert?

Bernhard Seitz: Noch nicht ganz, aber teilweise. Aus meiner Sicht wächst der Sportkreis zusammen. Das ist noch nicht abgeschlossen, was auch durch die Größe des Sportkreises bedingt ist.

Ist das ein geografisches Problem, dass jemand aus dem Süden kaum Termine im Norden wahrnehmen kann, oder ist das eine sinnvolle Arbeitsteilung?

Seitz: Aus der Not geboren haben wir etwas Gutes daraus gemacht. Ich nehme Termine im Südkreis wahr, Uwe in Waldeck. Das macht mehr Sinn, als wenn ich nach Rhoden fahre und Uwe nach Eifa.

Profitiert der Süden davon, dass es den Großkreis gibt – zusammen mit mehr hauptamtlichen Kräften und Service? Kann der Großkreis nicht viel mehr leisten, als der kleine Kreis Frankenberg?

Seitz:Der Sportkreis Frankenberg wäre meiner Meinung nach immer noch lebensfähig. Die Vereine profitieren aber von der großen Geschäftsstelle und der engen Anbindung an den Fachdienst Sport des Landkreises. Das war früher nicht der Fall.

Herr Steuber, ist es den Vereinen nicht ohnehin egal, ob es einen Kreis gibt oder zwei? Ist es den Vereinen nicht wichtiger, gut beraten zu werden?

Uwe Steuber: Den Vereinen ist es egal, wo sie sich hinwenden. Die Vereine sind dankbar für die kompetenten Informationen und nicht, wo diese herkommen. Und: Der Sportkreis hat politisch mehr Gewicht, weil Bernhard und ich Kreistagsabgeordnete sind.

Wie wichtig ist es, dass sich drei Kandidaten aus Frankenberg bereiterklärt haben, im neuen Sportkreisvorstand mitzuarbeiten?

Seitz: Sehr wichtig. Sie sind alle im Frankenberger Raum sehr aktiv. Das macht den Einfluss Frankenbergs wieder stärker, weil zuvor ja einige aus privaten Gründen aufgehört haben.

Es gibt im Großkreis bei den Vereinen Unterschiede. Ein TSV Korbach hat zum Beispiel andere Bedürfnisse als der SV Berghofen. Kann ein Sportkreis dem gerecht werden?

Seitz:Ja. In beiden Kreisteilen werden auch viele unterschiedliche Sportarten betrieben. Im Waldecker Teil denke ich an Willingen und Wintersport, in Frankenberg an die Prellballer in Ernsthausen oder die Flugsportler in Allendorf. Das ist für unseren Sportkreis schon außergewöhnlich, dass wir eine so große Bandbreite an Sportarten haben.

Steuber: Die Vereine sind unterschiedlich, wie wir bei dem Projekt „Functional Training“ gemerkt haben. In Waldeck ist das gut angenommen worden, in Frankenberg dagegen nicht, weil wir dort ganz andere Strukturen haben.

Der Sportkreis hat eine Fülle an Projekten angeschoben. Besteht die Gefahr, dass sich der Sportkreis verzettelt?

Steuber: Nein. Ich verstehe uns als Sportkreis so, dass wir Dinge anschieben. Dann ist es Sache der Vereine, diese Dinge aufzunehmen und zu entwickeln. Wir hinterfragen natürlich, wie es weitergegangen ist. Die Freibadfördervereine oder das Projekt Schule und Verein sind von uns zum Beispiel angeschoben worden.

Die Vereine müssen moderner werden, sagt der Sportkreis. Was kommt auf die Vereine zu?

Seitz: Zielsetzung muss es sein, Leute zum Sport zu bringen. Wir müssen dabei aufpassen, dass zum Beispiel die Spielgemeinschaften nicht zu groß werden. Da geht uns viel verloren. Man muss auf den Dörfern die kleinen Vereine aufrecht erhalten.

Wie können Mitglieder jenseits der 30 Jahre erreicht werden?

Steuber: Ich hatte eine interessante Beratung in Neukirchen. Die haben noch gut 100 Mitglieder und bieten nur Fußball an, für Frauen gibt es gar kein Angebot. Die haben aber jetzt von der Idee des „Functional Training“ gehört und haben gefragt, wie das geht. Da habe ich gesagt: Ihr organisiert ein paar Leute, die Sport treiben wollen, dann schauen wir, wie wir euch eine Trainerin organisieren, die aber auch von euch fair bezahlt werden muss. Die waren sofort Feuer und Flamme. Auch in den kleinen Orten können wir neue Wege gehen. Die Einspartenvereine erkennen, dass sie sich diesen Trends öffnen müssen, wollen sie überleben. Es reicht heute nicht mehr aus, nur noch Fußball anzubieten. Wir wollen nicht, dass die Leute ins Fitnessstudio fahren. Sie sollen den Vereinen erhalten bleiben. Das ist eine Chance.

Haben die Vereine geschlafen?

Steuber: Viele Vereine haben gedacht, es geht einfach so weiter. Und ich sage immer wieder: Schaut auf die demografische Entwicklung. Da mache ich mir übrigens nicht nur Freunde mit. Deswegen rechne ich beim Sportkreistag auch mit Gegenstimmen.

Wo wird der Sportkreis in fünf Jahren stehen?

Steuber: Ich sehe den Sportkreis auch als Ideengeber für den Landessportbund, was die Sportkreise im ländlichen Raum angeht. Ich sehe uns noch verstärkter in der Vereinsberatung und in der Betreuung, was Steuerrecht, Satzungsrecht und Datenschutz angeht. Das wird immer komplizierter für die Vereine.

Seitz: Dem kann ich mich nur anschließen. Der Sportkreis ist auf einem guten Weg.

Was schätzen Sie aneinander?

Steuber: Ich schätze an Bernhard, dass er mich bei meinen verrückten Ideen manchmal auf den Boden zurückholt und in seiner ruhigen Art sagt: Mach langsam.

Seitz (lacht):Das gelingt mir schon ganz gut. Wir arbeiten aber im gesamten Sportkreisvorstand sehr gut zusammen. Das funktioniert.

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