Interview mit der Upländer Biathletin zum Saisonstart im Weltcup

Karolin Horchler: "Natürlich schiele ich auch auf das Podest"

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Waffenlose Zeit ist wieder vorbei: Karolin Horchler räumt ab dem Wochenende im Weltcup wieder die schwarzen Punkte am Schießstand ab. Sie hofft auf eine Saison, die für sie mit einer WM-Medaille enden soll. 

Willingen – Wenn beim Biathlon in den vergangenen Jahren der Name Horchler fiel, musste man stets noch eine Frage hinterschieben: Wer ist gemeint, Nadine oder Karolin? Diese Zusatzfrage entfällt ab der kommenden Weltcupsaison, die am Wochenende in Östersund (Schweden) beginnt.

Von dem Geschwisterduo ist nur noch Karolin übrig geblieben. Nadine lässt ihre Karriere ausklingen, Karolin steht erneut im Weltcup-Kader. Diese Nominierung muss die in Ottlar aufgewachsene 30-Jährige immer wieder bestätigen

"Der Winter, der ein Sommer war." Wenn Karolin Horchler (30) im Frühjahr des kommenden Jahres mit diesem Satz ihre Saisonbilanz im Biathlon-Weltcup beschreiben kann, hat sie eine gute Saison hingelegt. Denn die Ottlarerin, die für den WSV Clausthal-Zellerfeld startet, hatte im Sommer bei der deutschen Meisterschaft den Titel in der Verfolgung gewonnen und beim Massenstart und im Sprint jeweils Silber.

Diese Erfolge waren die Eintrittskarte in das deutsche Team für den Weltcup, der am Samstag in Schweden startet. Natürlich weiß Horchler, dass es keine Saisonkarte, sondern nur eine Monatskarte ist, aber sie hat ein gutes Bauchgefühl für diesen Winter.

Frau Horchler, der Biathlon-Weltcup startet am Wochenende in Östersund. Bei Testrennen hat sich die Weltelite schon mal beschnuppert. Da geht es nicht nur um Sport, sondern auch um das Wiedersehen mit einigen Menschen, die Sie länger nicht gesehen haben. Auf wen oder was freuen Sie sich am meisten?

Der Biathlon-Tross ist wie eine riesige Gemeinschaft. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit vielen Leuten und kann da speziell keinen einzelnen nennen, denn da sind viele deutsche Techniker oder Trainer in anderen Teams, mit denen man früher Kontakt hatte.

Siegesgedanken: Das Feld im Ziel mal als Gewinnerin anführen, das ist ein Wunsch von Karolin Horchler.

Bei Testrennen haben wir im Team bereits eine gewisse Anspannung bemerkt, denn wir haben uns gesagt: ‚Wow, krass, es geht es schon wieder los!’ Und wir haben uns gefragt: ‚Sind wir schon bereit dafür?’

Und wie bereit sind Sie?

Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl.

Sie sind durch die gute Sommer-DM für den Weltcup gesetzt. Wie lange gilt das Gesetztsein.

Für das erste Trimester, also für die Rennen in Östersund, Hochfilzen und Annecy-Le Grand Bornand bis Ende Dezember.

Wann bleibt man drin, wann muss man raus - welche Vorgaben gibt es vom Deutschen Skiverband?

Gute Frage, die Antwort weiß ich aber nicht genau. Die WM-Qualifikation ist das große Ziel, wenn die geschafft ist, sollte es weitergehen. Das wäre einmal Platz acht oder zweimal Top 15 erreichen.

Sie waren in der vergangenen Jahr erstmals eine komplette Saison im Weltcup-Team dabei. Ist das auch weiterhin ihr Ziel oder erwarten Sie mehr von sich selbst??

Mein Bestreben ist nicht, einfach nur dabei sein, meine Ansprüche sind gestiegen und natürlich schiele ich auch auf das Podest. Allerdings ist das Niveau im Weltcup in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Man darf sich keine Fehler mehr erlauben, sich nicht zu lange am Schießstand aufhalten und auch läuferisch wird immer mehr verlangt.

Trauen Sie sich auch einen Weltcup-Sieg zu?

Das kann ich nicht sagen, die Konkurrenz schläft nicht. Natürlich ist das mein größtes Ziel, dafür mache ich diesen Sport. Es muss dann aber alles passen. Ich kann mich jetzt nicht aus dem Fenster lehnen und sagen, ja natürlich gewinne ich...

.… das nicht, aber Sie haben doch bestimmt ein Gefühl, das Ihnen sagt, ja, ein Sieg steckt schon in mir drin oder noch nicht.

Ja, dieses Gefühl ist da.

Wie lief ihre Vorbereitung und was hat diese Zeit Ihnen schon verraten für die Saison?

Es lief gut. Es ist das zweite Jahr mit den neuen Trainern, die ein neues Trainingssystem eingeführt haben. Ich habe im vergangenen Jahr schon bemerkt, dass es gut zu mir passt, es aber Zeit braucht, weil es nicht sofort anschlägt. Wir haben einige neue Aspekte eingebracht.

Wie viele Schneekilometer sind Sie bis zum Saisonstart gelaufen? 

Das kann ich gar nicht sagen, weil wir nicht nach Kilometern, sondern nach Stunden trainieren. Wir merken schon, dass die Skandinavierinnen Vorteile gegenüber uns haben, wir waren zwar auch in der Skihalle und auf dem Dachstein, aber diese Schneekilometer reichen nicht. Es ist auf Skiern ein anderes Laufen als auf Rollen.

Neuer Techniktrainer im DSV-Team

Was für Aspekte sind das?

Wir haben uns einen neuen Techniktrainer mit ins Boot geholt, neue Leistungsdiagnostik gemacht, mit einem Neuro-Athletiktrainer mit verschiedenen anderen Einflüssen gearbeitet, unser Sport ist nicht nur Laufen und Schießen, sondern da gehört noch einiges anderes zu.

Was steckt hinter dem neuen Trainingssystem?

Das ist dem Laien schwer zu erklären. Es ist eine andere Trainingsphilosophie und eine andere Herangehensweise mit anderen Schwerpunkten. Vielleicht könnte man sagen, dass es mehr Ruhephasen gibt, parallel dazu aber auch mehr intensivere Einheiten.

Zimmergenossinnen im Training: Von Denise Herrmann (rechts) kann sie eine Menge Läuferisches lernen, sagt Karo Horchler.

Biathlon besteht aus Laufen und Schießen. Schießen ist Ihre Stärke, das Laufen im Vergleich zur Weltklasse nicht so. Was können Sie im Alter von 30 Jahren noch tun, um ihre Laufleistung zu steigern?

Einiges. Ich denke, dass ich mich läuferisch verbessert habe und ich es noch weiter kann. Wir haben viel in der Gruppe trainiert, sich gegenseitig mehr gepuscht. Dann haben wir mit Denise Herrmann, die schnellste Frau im Weltcup, bei uns im Team. Ich versuche immer, mir bei ihr etwas abzuschauen oder hole mir auch Tipps von ihr.

Die Mannschaft muss erstmals ohne die langjährige Nummer eins, Laura Dahlmeier, auskommen. Sportlich ein Verlust, aber für jede im Team auch ein Chance. Was tut sich da gerade in der Mannschaft, bildet sich eine neue Hierarchie oder ist sie schon da? 

Das wird sich erst im Laufe der Saison zeigen und entwickeln. Es gibt nun nicht mehr diese eine Führungsperson, klar, Denise Hermann hat nun diese Rolle übernommen, aber ich denke, wir können jetzt alle zusammen zeigen, wer wir sind. 

Welcher ihrer Wünsche für die neue Saison sollte als erstes in Erfüllung gehen?

Eine Medaille bei der WM. (rsm)

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