„Langsam zur Normalität zurück“

Jochen Behle lobt Angela Merkel

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Auf Distanz: Jochen Behle, Ex-Bundestrainer der Langläufer, und Sportredakteurin Friederike Weiler trafen sich z um Gespräch in Behles Garten. F

Nichts läuft normal. In Coronazeiten trifft das auch auf das Arbeiten in der Sportredaktion zu. Mit Akteuren des heimischen Sports haben wir uns zu Zollstock-Gesprächen verabredet – damit der Abstand gewahrt bleibt. Dieses Mal steht Jochen Behle aus Schwalefeld Rede und Antwort.

Willingen. Der ehemalige Langläufer hat 42 Meistertitel in der Loipe erlaufen, war sechs Mal als Aktiver bei den Olympischen Spielen dabei, 1998 in Nagano trug er die Fahne.

Als Langlauf-Bundestrainer hat Behle 26 internationale Medaillen seiner Schützlinge gefeiert. Heute ist der 59-Jährige Sportdirektor der Leistungssport gGmbH, das den Wintersport-Nachwuchs in Hessen und Nordrhein-Westfalen fördert.

1. Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Mich nervt, dass so viel Polemik gemacht wird. Wir versuchen so gut wie möglich, vor allem für die Älteren, alles zu regeln. Fakt ist aber, dass wir auch mal an die Wirtschaft denken müssen. Denn sonst haben wir nachher kein Geld mehr zur Verfügung, das wir für die Betreuung beispielsweise der Älteren brauchen. Da muss man langsam wieder ein bisschen zur Normalität zurückkommen.

2. Was ist die größte Herausforderung?

Der Staat hat nicht unendlich viel Geld zur Verfügung, das muss ja irgendwann auch wieder refinanziert werden. Dann werden vermutlich die Steuern erhöht, oder irgendetwas anderes. Geld wird ja nicht einfach gedruckt und ist da. Das wird künftig glaube ich die Herausforderung werden.

3. Was überrascht?

Ich hätte nicht erwartet, dass sich so viele an die Vorschriften halten, weil in Deutschland ja lieber erst einmal alle wettern, wenn es neue Regeln gibt. Aber dass so viele im Sinne der Mitmenschen handeln und sich an die Beschränkungen halten, überrascht mich.

4. Wie sieht es mit dem eigenen Sporttreiben aus?

Eher gering, auch wenn man eigentlich alles machen kann und jetzt mehr Zeit zur Verfügung steht.

5. Und wie mit dem Fernseh-Konsum?

Der hat eher abgenommen. Ich verfolge zwar die Nachrichten, aber ansonsten ist es weniger geworden, weil eben weniger Sport läuft und der ansonsten einen großen Anteil einnimmt.

6. Haben Sie sich an den Mundschutz gewöhnt?

Schon, es ist zwar nicht immer angenehm, aber ein notwendiges Übel.

7. Wer hat sich während der Coronakrise ein Extra-Lob verdient?

Unsere Kanzlerin. Sie ist zwar oft sehr zurückhaltend, aber das ist nun mal ihre Strategie. Als sie sich dann aber geäußert hat und wie sie die Sache angegangen ist, dafür hat sie sich ein Lob verdient. Egal, wie man über sie denken mag, das ist wirklich richtig gut gewesen.

8. Gibt es etwas, dass Sie derzeit auch angenehm finden?

Dass man mehr Zeit hat für Dinge, die sonst vielleicht eher zu kurz kommen. Vor allem mit der Familie kann man jetzt viel mehr unternehmen. Und Projekte am Haus oder im Garten kann man jetzt gut angehen.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Groß. Ich würde gern mal wieder zu einem Fußballspiel gehen. Aber ich gehe ehrlich gesagt nicht davon aus, dass es im regionalen Bereich dieses Jahr noch der Fall sein wird. Das können wir uns vermutlich abschminken. Und ich würde mich freuen, endlich wieder in den Urlaub fahren zu können – zumindest in eine Ferienwohnung.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als erstes tun?

Mit meiner Frau in den Urlaub fahren. Dadurch, dass ich im Winter viel unterwegs bin, hatten wir schon länger keinen gemeinsamen Urlaub mehr, das werden wir zuerst nachholen. Und es könnte in Richtung Ostsee gehen. frg

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