Mediziner im Interview

Joggen im Winter? So tricksen Sie den inneren Schweinehund aus

Zwei Läufer
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Laufen ist gesund – egal, zu welcher Jahreszeit: Sobald es allerdings kälter draußen wird, schwindet auch die Motivation – der innere Schweinehund muss also ausgetrickst werden. (Symbolfoto)

Joggen tut dem Immunsystem gut und kann auch im Winter sehr gesund sein. In einem Interview beantwortet der Allgemeinmediziner Dr. Schraub Fragen zum Laufen.

Frankenberg – Zu kalt, zu nass, zu dunkel: Die Motivation steht und fällt mit der Temperatur. Kaum wird’s draußen kälter, schwindet die Lust aufs Laufen. Außerdem sind viele Hobbysportler im Winter verunsichert: Schadet die kalte Luft der Lunge? Und erkälte ich mich nicht, wenn ich bei Minusgraden jogge? Der Winter soll in 2021 milder ausfallen als in den vergangenen Jahren.

Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Markus Schraub im Interview. Der Allgemeinmediziner aus Rosenthal läuft seit über 30 Jahren und sagt: „Laufen bei Minusgraden im einstelligen Bereich ist kein Problem.“

Ist Joggen im Winter überhaupt gesund?
Es bestehen prinzipiell keine Beeinträchtigungen beim Laufen auch bei kalten Temperaturen, wie sie bei uns vorherrschen. Kalte, klare Luft kann man auch bei leichten Minusgraden als angenehm empfinden. Vorsicht ist jedoch für Menschen geboten, die gesundheitliche Einschränkungen haben, zum Beispiel bei Lungenkranken.

Bis zu welcher Temperatur kann man ohne Bedenken laufen gehen?
Laufen bei Minusgraden im einstelligen Bereich ist kein Problem, wenn die Kleidung stimmt. Unbedingt beachten sollte man aber weitere Faktoren wie Wind und Feuchtigkeit. Außerdem ist die persönliche Kälteverträglichkeit sehr individuell.

Joggen im Winter: Vernünftige Schuhe und ein Aufwärmprogramm sind wichtig

Sollte ich mich im Winter vor dem Laufen aufwärmen?
Unbedingt. Ein lockeres Aufwärmprogramm ist im Winter essenziell, Muskulatur, Sehnen und Faszien benötigen eine gewisse Betriebstemperatur. So beugt man Verletzungen vor.

Benötige ich im Winter andere Schuhe als im Sommer?
Gute, bequeme, leicht stützende Laufschuhe kann man wetterunabhängig nutzen. Mittlerweile gibt es tolle Laufschuhe für alle Bedingungen und Untergründe. Ich nutze im Winter gern Schuhe mit wasserfesten, aber atmungsaktiven Material, die die Füße trocken und somit auch warm halten.

Wie groß ist die Gefahr, sich beim Laufen im Winter zu erkälten?
Nicht wesentlich größer als sonst, wenn man sich wetter-angepasst kleidet. Entscheidend ist eher die Phase direkt nach dem Lauf. Entweder sollte man sofort die Kleidung wechseln, oder unter die Dusche, damit der Körper nicht auskühlt.

Was sollte ich bei der Wahl der Laufstrecke beachten?
Man sollte die Strecke so wählen, dass sie gut laufbar ist. Glatte, eisige Wege sind auch mit griffigen Schuhen oft nur schlecht beherrschbar. Das macht keinen Spaß, weil man stürzen und sich verletzen kann. Ich würde bei widrigen Bedingungen unbekannte Strecken meiden. Die meisten Läufer kennen ihre Strecken und können auch die Laufbarkeit im Winter gut einschätzen.

Im Winter gibt der Körper beim Joggen oft schneller nach

Ist man durchs Laufen bei Kälte schneller kaputt?
Das kann durchaus sein. Wenn der Körper bei zu großer Kälte oder Wind gegenregulieren muss, ist das durchaus ein relevanter Faktor, der die subjektive Belastung beeinflusst. Sind die Wege dann schlecht zu laufen, zum Beispiel bei Schnee und Glätte, steigt auch die muskuläre und mentale Belastung. Also: Nichts übertreiben, auf seinen eigenen Körper hören!

Wie warm muss ich mich anziehen?
Immer erstens den äußeren Bedingungen und zweitens dem subjektiven Empfinden angepasst. Ein wohliges Frösteln beim Laufbeginn darf sein, man läuft sich ja noch warm.

Sollte man es beim Joggen im Winter etwas langsamer angehen?
Ja, gerade im Winter sollte man es ruhig angehen. Den Lauf genießen. Und wenn es zu kalt wird oder das Geläuf zu schlecht ist: ab nach Hause!

Muss auch bei Kälte viel getrunken werden?
Im Vergleich zu sommerlichen Temperaturen ist der Flüssigkeitsbedarf beim moderaten Laufen im Winter weniger relevant. Man sollte aber bei Laufbeginn ausreichend hydriert sein, gerne auch etwas Warmes trinken, was man gut verträgt. Dasselbe gilt für die Zeit nach dem Sport.

Joggen im Winter: Schicke Klamotten und die Natur können motivieren

Laufen Sie selbst bei Kälte, oder weichen Sie lieber aufs Laufband aus?
Bei schönem Winterwetter laufe ich gerne draußen. Mein limitierender Faktor sind frierende Hände. Wenn es draußen unangenehm oder dunkel ist, weiche ich auch gerne auf mein heimisches Laufband aus. Vielen ist das zu monoton, für mich ist es die optimale Ergänzung. Wenn draußen zum Beispiel ein Tempotraining bei Eis oder Schnee nicht möglich ist, kann ich das drinnen problemlos machen.

Haben Sie Tipps, wie man im Winter den inneren Schweinehund austricksen kann?
Gute, schicke Klamotten und Schuhe sind immer motivierend. Nicht alleine laufen hilft auch – derzeit aber bitte mit Abstand.

Was bringt mir das Laufen im Winter überhaupt?
Laufen ist generell gesund, ganz unabhängig von äußeren Umständen. Ich würde den psychischen Aspekt betonen: Beim Laufen ist man in der Natur, da hat jede Jahreszeit seine Faszination.

Nennen Sie drei Gründe, warum das Laufen im Winter Spaß macht.
Ganz unabhängig von der Jahreszeit: Laufen ist der natürlichste Sport überhaupt. Je nach Gusto immer und überall durchführbar. Schnell oder langsam laufen, ganz egal. Immer in der Natur mit allen Facetten. Also, was gibt’s Schöneres?

Zur Person
Dr. Markus Schraub (48) kommt gebürtig aus Amöneburg. 2007 zog er nach Rosenthal, er ist dort als Allgemeinmediziner tätig. Mit 18 hat ihn der Laufsport in seinen Bann gezogen, seit dem Ende seines Studiums läuft er leistungsorientiert – am liebsten Marathon. Seine Bestzeit über 42 Kilometer: 2:36 Stunden. Schraub läuft pro Woche circa 100 Kilometer – auch im Winter, das Laufen ist für ihn ein Ausgleich zur Arbeit. Der Mediziner ist verheiratet und hat vier Kinder. (Friederike Weiler)

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