Biathletin sieht optimistisch in die Zukunft

Enttäuscht, nicht entmutigt: Junioren-WM findet ohne Marie Zeutschel statt

Biathletin Marie Zeutschel mt geschultertem Gewehr auf Schnee und vor Waldkulisse
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Seltener Spaß: Marie Zeutschel mt geschultertem Gewehr im Wettkampf. Die Saison ist für sie so weit gelaufen.

Natürlich ist Marie Zeutschel enttäuscht. Wen würde es kaltlassen, wenn der größte Wunsch an die Saison sich gerade nicht erfüllt hat. Entmutigen lässt sich die Biathletin des SC Willingen nicht.

Freiburg/Willingen - Für die Junioren-Weltmeisterschaft vom 27. Februar an in Obertilliach wurde Marie Zeutschel nicht nominiert. „Es hat dieses Jahr noch nicht sollen sein“, sagt sie. Das ernüchtert. Einerseits.

Andrerseits hatte Marie Zeutschel ohnehin nur eine Außenseiterchance auf den WM-Start in diesem komischen Corona-Winter gesehen. Es sei schließlich ihre erste Profisaison, ihr Aufbaujahr. „Es war klar, dass ich da den anderen nicht vorweg renne und es für mich eng werden würde.“

Die anderen, das sind die Ulmer Braun-Schwestern Mareike und Sabrina sowie Lisa Spark (SC Traunstein) und Franziska Pfnür (SK Ramsau). Sie schickt der Deutsche Ski-Verband (DSV) zur WM , und Marie Zeutschel findet das in Ordnung so: „Sie haben es sich auf jeden Fall sportlich verdient.“

Mit den beiden Brauns trainiert die 20-Jährige aus Usseln seit Sommer am Bundesstützpunkt Notschrei im Schwarzwald. Beide seien stärker als sie. Und Spark sowie Pfnürr weisen bereits Einsätze im IBU-Cup vor, der 2. Biathlonliga. Gute Konkurrenz, auch wenn sie läuferisch weiter aufhole, sagt Marie. Ihr fehlten jedoch bei der sogenannten Komplexzeit – also den addierten Zeiten auf der Strecke, im Schießstand und in der Strafrunde – noch „deutliche Prozente. Ich bin aber optimistisch, dass ich sie bis zur nächsten Saison aufholen kann“.

Der Massenstart hat richtig Spaß gemacht

Marie Zeutschel hätte die anderen zuletzt beim DSV-internen Wettkampf in Kaltenbrunn, dem zweiten nach Ruhpolding Anfang Dezember, wohl in Grund und Boden laufen müssen, um doch noch WM-Starterin zu werden. Mit den Plätzen fünf und sechs schnitt sie im Einzel und beim Massenstart gut ab, als 13. im Sprint nicht so. „Ich war zufrieden. Vom Schießen her war es, abgesehen vom Sprint, in Ordnung. Und der Massenstart hat noch so langer Zeit wieder richtig Spaß gemacht.“ Cool fand sie es vor allem, dass sie nach dem zweiten Schießen als Führende auf die Strecke ging.

Die Rennen waren Teil eines Gesamtpakets. Am Ende nominierten die Trainer auf der Grundlage der Leistungsdaten, die sie über über einen längeren Zeitraum erhoben hatten, für die WM. „Die, die am konstantesten waren, fahren mit“, sagt Marie.

Der Usselnerin bleiben noch vier Wochen Biathlonsaison, die sie allenfalls mit Training füllen kann. An Wettkämpfe im Deutschlandpokal ist wegen der Corona-Auflagen weiter kaum zu denken. Marie Zeutschel hat Verständnis: „Das wäre nicht verantwortbar.“

Im März beginnt der nächste Abschnitt

Anders als die Profis in IBU- oder Weltcup bewegen sich die Aktiven auf dieser Ebene nicht in ener Blase und können nicht regelmäßig auf eine Covid-19-Erkrankung getestet werden, So wie der Deutschlandpokal aufgebaut sei, versammeln sich auch zu viele Athleten beider Geschlechter an einem Ort.

Ohnehin wartet auf Marie Zeutschel vermutlich noch ein kleinerer chirurgischer Eingriff. Dabei wird Narbengewebe im Knie entfernt – eine Spätfolge ihres Kreuzbandrisses vor drei Jahren. Gerade unter hoher Belastung könne sie ihr Knie nicht komplett strecken, eine Einschränkung mit sportlicher Bremswirkung.

Den nächsten großen Lebensabschnitt beginnt Marie Zeutschel Mitte März: Dann soll ihre Ausbildung an der Bundespolizeischule in Bad Endorf starten. Bis Ende Juni, Anfang Juli läuft die erste Phase, anschließend will sie nach Freiburg, wo sie seit August wohnt, und zu ihrer Trainingsgruppe unter Roman Böttcher zurückkehren.

Sie fährt gut gestimmt nach Endorf. Kaltenbrunn habe ihr gezeigt, dass sie mit der Konkurrenz mitlaufen könne. „Rein vom Gefühl und vom Laufen her waren es coole Wettkämpfe“, sagt sie und findet: „Ich gehe in die richtige Richtung. Das lässt hoffen für die nächste Saison.“ (Gerhard Menkel)

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