Die Liebe zum Ball spät entdeckt: Kreiswart sorgt sich um Zukunft der Sportart

Karl-Friedrich Meyerhöfer beendet mit 69 Jahren Tischtennis-Karriere

Abschied. Karl-Friedrich Meyerhöfer sagt dem Tischtennis nach rund 44 aktiven Jahren mach’s gut. Der 70-Jährige Korbacher hat die meiste Zeit seiner Laufbahn für den VfL Adorf gespielt. Foto: malafo

Korbach. Er war ein Spätstarter und ein Spätaufhörer. Karl-Friedrich Meyerhöfer – seit vielen Jahren Kreiswart in Waldeck-Frankenberg – entdeckte das Tischtennisspiel erst mit 26 Jahren. Jetzt ist er 70 und hat sich verabschiedet von seiner Sportart.

Sein letzter sportlicher Gegner hieß TV Lelbach, den schlug er mit dem VfL Adorf II in der Kreisliga mit 9:7 und auch in seinem letzten Einzel ging er als Gewinner vom Tisch - 7:11, 11:6, 6:11, 11:4, 12:10. Ehrlich gewonnen oder hat der Gegner Marc Butterwegge seinen ehemaligen Mannschaftkollegen gewinnen lassen? „Das habe ich Marc auch gefragt, aber er hat nein gesagt, an manchen Ballwechseln konnte ich aber absehen, dass dieser Punkt unter Umständen hätte vermieden werden können. Als dieses Spiel vorbei war, spürte ich plötzlich in mir ein ganz tolles Gefühl.“

Viele Erinnerungen seien nochmal hochgekommen, wie etwa die zufällige Begegnung 1974 mit einem Korbacher, der ihn gefragt habe, ob er nicht zum Tischtennis kommen wolle, sie hätten nicht genug Spieler. „Wieso fragt der mich, hab ich mich damals gefragt, ich hatte vorher noch nie einen Tischtennisschläger in der Hand gehabt. Trotzdem habe ich gedacht, da gehe ich mal hin.“ Meyerhöfer begann in der D-Klasse, heute 3. Kreisklasse, aber Spaß machte ihm dieses Pingpong-Spiel noch nicht. „Ich habe nur verloren, und das nicht zu knapp, ich erinnere mich noch an das Spiel in Massenhausen, da bin ich 21:0, 21:0 abgefertigt worden.“

Gregor Henke war Ziehvater

Wieder hinschmeißen war aber nicht sein Ding. Er entwickelte für dieses Spiel Ehrgeiz. Und Gregor Henke, bezeichnet Meyerhöfer als seinen Ziehvater, denn „er hat mir gezeigt, wie Tischtennis geht“.

Doch eine Spaltung im eigenen Verein drohte die kurze, unerfolgreiche Karriere des Karl-Friedrich Meyerhöfer schnell wieder zu beenden. Der TTC Korbach teilte sich in den TTV und Blau-Gelb Korbach auf. Die Teamkollegen Erich Rasner und Gregor Henke wohnten in Berndorf und wollten dort eine Mannschaft aufmachen. „Alle gingen irgendwohin - nur mich wollte keiner. Ich konnte es ja auch nicht.“ Er folgte seinem Ziehvater nach Berndorf, und das Team stieg in die Bezirksklasse auf. „Und ab diesem Moment ging es mit mir in Sachen Tischtennis los: Ich habe an sechs gespielt, nach der Halbserie an eins.“ 

Wo auch der kleine Zelluloidball im Umkreis gespielt wurde, Meyerhöfer war schon da. Jedes Training und jedes Turnier in der Region hat er mitgenommen. 1979 stieg er mit Berndorf wieder ab. „Da war ich schon gut und Adorf wollte mich haben.“ Dort hatte ich genau die richtigen Leute zum Training und auch menschlich passte alles. Und so ging es stetig aufwärts für den Lehrer, der schon mit 22 Jahren sein Studium in Gießen abgeschlossen hatte und an der Louis-Peter-Schule in Korbach unterrichtete.

Schwäche des Gegners finden

Meyerhöfer wundert sich heute selbst ein wenig, das Tischtennis so stark in sein Leben eingedrungen ist, obwohl Sport ihn zuvor wenig interessiert hatte. Woran hat er gemerkt, dass dieses Spiel seine Spiel war? „Ich hatte Spaß daran, gegen jemand zu spielen und herauszufinden, wo seine Schwächen liegen.“

Und obwohl er es mit den Adorfern bis in die Verbandsliga geschafft hat, mit der Nummer eins Meyerhöfer, weiß der 70-Jährige immer noch nicht, ob er viel oder wenig Ballgefühl hat.

„Mein Teamkamerad Ralf Zauner hat immer zu mir gesagt, wenn ich gewusst hätte, was ich mit dem Schläger mache, wäre ich noch ein bisschen besser. Ich weiß es bis heute nicht.“

Der Abschied vom Tischtennis fällt dem Pädagogen im Ruhestand nicht allzu schwer. Er klingt manchmal ein wenig verbittert und enttäuscht, wenn er sieht, wohin seine Sportart driftet. 

Dass sie im Landkreis ausstirbt, glaubt er zwar nicht, aber viele arbeiteten am Tod des Tischtennis’, weil sie zu wenig dafür täten. „Von den nachrückenden jungen Leuten ist doch heute keiner mehr bereit, überhaupt etwas zu machen. Die Jugend ist nicht mehr so pflichtbewusst, wie wir es waren. Sie sagen nicht, am Samstag ist das Spiel, also habe ich da frei, wenn heute der Opa Geburtstag hat, dann gehen sie lieber dahin und lassen das Spiel sausen. Das wäre früher nie vorgekommen.“ 

Er weiß schon, wovon er spricht, denn er hat Jugendliche in Adorf trainert. „Wenn es hieß Tische aufbauen sind mindestens zwei aufs Klo gegangen. Viele haben keinen Ehrgeiz mehr, es ist ihnen egal, ob sie verlieren.“ Meyerhöfer macht diese Entwicklung traurig, denn er ist nicht der Früher-war-alles-besser-Typ“. Er weiß auch nicht, wie er dieser negative Entwicklung einen anderen Dreh geben könnte. Da hört er jetzt besser auf. Keineswegs frustriert. 

Konter mit der Rückhand 

Er will mit den Adorfer Teamkollegen weiter mittrainieren und muss daher künftig weder auf seinen Lieblingsschlag, den tödlichen Konter mit der Rückhand noch auf seinen Lieblingsgegner, den kompromisslosen Angreifer, verzichten. Und es liegt immer noch in Meyerhöfers Hand, ob er sich im Trainingsspiel auch an sein körperliches Lieblingsgefühl herantastet, das ihm Tischtennis vermittelt hat: von oben bis unten klatschnass geschwitzt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.