Karolin Horchler hadert damit, dass sie nur zwei Weltcup-Einsätze hatte – bei der EM Medaille im Visier

„Ich habe immer auf neue Chance gehofft“

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Gut drauf. Karolin Horchler fühlt sich derzeit auf einem guten Niveau. Es hat aber nicht für die Olympiateilnahme gereicht.  

 Ruhpolding. Als die Biathletinnen in der vergangenen Woche in Ruhpolding zum Massenstart antraten, saß Karolin Horchler bei den Zuschauern.

 Es muss ihr einen Stich gegeben haben: Weltcup in ihrer Wahlheimat, und sie selbst passiv auf der Tribüne statt auf der Strecke. „Ich hatte immer gehofft, dass ich irgendwann noch einmal einen Einsatz, eine Chance bekomme“, sagt die 28-Jährige, „dem war leider nicht so.“

Dass sie in Ruhpolding gar nicht in der Lage gewesen wäre, überhaupt mitzulaufen, steht auf einem anderen Blatt. Karolin Horchler hatte sich beim IBU-Cup am Arber so etwas „wie eine Lebensmittelvergiftung“ zugezogen, musste beide Rennen ausfallen lassen und war noch ziemlich schlapp, als sie wieder in ihren Wohnort zurückkehrte. „Es ging mir ein paar Tage nicht so gut.“

„Ich habe das genauso drauf“

Die leise Hoffnung, dass sie sich in Ruhpolding womöglich doch zeigen könne, war nicht deshalb geplatzt, sondern bereits nach dem Oberhof-Weltcup. Keine der deutschen Biathletinnen aus der ersten Reihe hatte gepatzt und Bundestrainer Gerald Hönig sah keinen Anlass für einen Wechsel im Team. Ohne Start am Arber konnte sich die jüngere Schwester von Nadine Horchler dann auch für die letzte Weltcup-Station vor Olympia, Antholz in Südtirol, nicht aufdrängen.

Damit spätestens endete der Traum (und man muss es einen Traum nennen) vom Dabeisein bei den Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea). Karolin Horchler hadert damit, das ist offensichtlich. Zwar betont sie: „Wenn mir im Sommer jemand gesagt hätte, dass die Chance so greifbar ist, dem hätte ich wahrscheinlich nicht geglaubt.“  Damit spielt sie auf ihren Unfall an: Als sie während des Skiroller-Trainings von einem Lastwagen angefahren worden war, erlitt sie einen Schulterbruch.

Auch schreibt sie Olympia nicht endgültig ab, wenn es mit Südkorea nichts wird. „Ich habe noch ein paar Jahre“, sagt sie und lacht. Doch die an den WSV Clausthal-Zellerfeld gebundene Athletin sieht sich andrerseits „auf einem richtig guten Niveau“, wie sie selbstbewusst betont: „Ich kann sicherlich mit der ein oder anderen mithalten. Ich habe das genauso drauf.“ Nur habe sie leider keine Chance mehr bekommen, „es auch zu zeigen“. In der ersten Reihe durfte sie sich nur wenig in diesem Winter präsentieren.  Ganz am Anfang der Saison bei den Weltcups in Östersund und Hochfilzen. An sich eine Sensation, weil seit ihrem Unfall noch kein halbes Jahr vergangen war. Das erste Einzel mit Platz 19 fiel gut aus, die Ränge 61 und 43 im Sprint sowie 32 in der Verfolgung reichten dann aber nicht für eine dauerhafte Präsenz im A-Team.

Mini-Hoffnung bleibt

Seither hat sie als Bühne lediglich den IBU-Cup – und findet, sie habe dort ihre Auftritte genutzt: „Mehr als Podestplätze und Siege kann man nicht anbieten.“ Bis zur vergangenen Woche rangierte die Sportsoldatin, die aus Ottlar stammt, in der Gesamtwertung auf Platz zwei. Dann wurde sie von ihrer Schwester verdrängt.

Karolin Horchler sagt, jetzt habe die Europameisterschaft in Ratschings Priorität für sie. Sie sagt aber auch: „Natürlich ist noch eine Mini-Hoffnung im Hinterkopf.“ Wenn eine der deutschen Olympia-Fahrerinnen in den kommenden drei Wochen bis zur Eröffnungsfeier verletzt oder krank ausfallen sollte, dann will sie bereit sein. Es ist eine kleine Ironie, dass sie gerade selbst erlebt hat, wie schnell das passieren kann: „Ich hatte eine super Form, dann hat’s mich von einer auf die andere Nacht umgehauen.“ Das wünsche sie niemandem. „Aber es ist Leistungssport, wir bewegen uns auf einem schmalen Grat.“

Für die EM fühlt sich Karolin Horchler fit. „Soweit geht es mir wieder gut. Drei, vier Tage Ruhe hat’s gebraucht, um meinem Körper die Chance zu geben sich zu erholen.“ Seit Anfang der Woche trainiert sie wieder. Die Erwartungen an sich selbst setzt sie ziemlich hoch an: „Mit meinen Ergebnissen im Vorfeld will ich ganz klar um die Medaillen mitlaufen.“ (mn)

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