Handballerin aus Bad Wildungen hinterlässt in Fritzlar große Lücke

Ein Profi auf und neben der Platte: Esther Lieber hat Karriere beendet

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So hoch flog in Fritzlar nur Esther: Spielmacherin Lieber trifft hier unwiderstehlich für ihre Germania gegen Eddersheim. 

In Bad Wildungens Handballteam wurde sie groß, mit Carolin Schäfer auch. In Fritzlar wurde sie Führungsspielerin. Nun hört Esther Lieber (früher Meyfarth) auf.

VON SEBASTIAN SCHMIDT

Mit Kim Naidzinavicius, der Kapitänin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft und des amtierenden Meisters SG BBM Bietigheim, spielte sie zusammen in der Junioren-Nationalmannschaft. Mit der HSG Bad Wildungen stieg sie 2009 in die 2. Liga und 2011 in die 1. Liga auf. Und mit dem SV Germania Fritzlar wurde Esther Lieber 2016 Drittliga-Meisterin. 

Doch in Zukunft müssen die Domstädterinnen auf die Dienste ihrer Spielmacherin und Abwehrchefin verzichten. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, betont die 29-Jährige. 

Esther Lieber: Beruf und Familie gehen vor

Und hat es sich nicht leicht gemacht ihre vorbildliche Karriere zu beenden. Obwohl sie auch in dieser Runde zweitliga-taugliche Vorstellungen bot und für sie die Germania „wie eine kleine Familie ist.“ Doch berufliche Verpflichtungen und private Pläne gewannen das Duell mit dem geliebten Sport.

Ähnliche Argumente waren es, die sie 2012 unter ihrem Mädchennamen Meyfarth aus Bad Wildungen in die Domstadt führten. Denn bei der HSG war sie in der Abwehr eine Bank; hielt den Shooterinnen Cristina Mihai und Sabine Heusdens den Rücken frei. Von den Assen schaute sie sich ebenso Kniffe im Angriff ab wie von Ruta Latakaite und Kathrin Hanke. „Ich habe alles aufgenommen. Vor allem im mentalen Bereich, um in kritischen Situation die Ruhe zu bewahren“, blickt Lieber zurück.

"Zu einer kompletten Spielerin gereift"

Tipps im Angriff waren ebenfalls willkommen. Denn in die Junioren-Nationalmannschaft schaffte sie es als Linksaußen, kam erst bei den Frauen über die Halb-Positionen auf Rückraum-Mitte. „Esther ist zu einer kompletten Spielerin gereift. In ihrer Art ist sie total uneitel und hat unsere jüngeren Spielerinnen ruhig und besonnen geführt“, betont Fritzlars Sportlicher Leiter Steffen Schmude. 

Feierte mit Bad Wildungen zwei Aufstiege: Esther Lieber (rechts, hier mit Cristina Mihai am 23. Januar 2010 zu sehen). Foto: Richard Kasiewicz

Dabei lebte sie ihre aus Bad Wildungen antrainierte Professionalität stets vor. Verpasste in ihrer Laufbahn nur eine Hand voll Spiele, obwohl sie mehrfach angeschlagen war. Auf die Zähne biss sie auch deshalb, weil sie stets Freundinnen an ihrer Seite wusste. 

Mitspielerinnen, mit denen sie in der Jugend beim Nachbar-Klub ausgebildet wurde. Und mit denen sie mit Fritzlar stets zur Spitzengruppe der 3. Liga zählte. Federführend Melina Horn, Lorena Lorenz, Bibiana Huck, Vilte Duknauskaite und Vanessa Maier. Passend, dass bis auf Duknauskaite und Huck alle jetzt gemeinsam aufhören.

Apropos Maier. Die Torfrau parierte auch neben der Platte sehenswert. Denn nicht nur Nudeln essen zählte für die scheidende Abwehrchefin zur optimalen Spielvorbereitung, auch die Haare mussten sitzen. Und da waren Zöpfe die erste Wahl. 

Vanessa Maier hat’s hier drauf. „Wer sagt, dass er keine Marotten hat, der lügt“, betont Esther Lieber augenzwinkernd. Künftig muss sie sich andere helfende Hände suchen. Einen neuen Zeitvertreib. Auf Tennis freut sie sich zum Beispiel.

Als Leichtathletin mit Carolin Schäfer gereift

Bis 2007 fuhr Esther Meyfarth zweigleisig. Und war auch talentiert in der Leichtathletik. Spezialgebiet Mehrkampf. Schwerpunkt Sprung und Sprint. Hoch, weit, Hürden.

Unter Trainerin Erika Keller schaffte sie es für den TV Friedrichstein bis in die hessische Spitze. Und wollte sich sogar bei den Deutschen Meisterschaften beweisen. Das verhinderte eine Leistenverletzung.

Aufnahme aus dem Dezember 2004: Erfolgreich als Leichtathletin war Esther Meyfarth (rechts) im Team des TV Friedrichstein zusammen mit der heutigen Weltklasse-Siebenkämpferin Carolin Schäfer (l.) und Birte Raabe.

Bei diesen Titelkämpfen ging dafür der Stern ihrer Teamkollegin auf. Der nationale Durchbruch für Carolin Schäfer. Denn mit der Vize-Weltmeisterin von 2017 im Siebenkampf reifte sie jahrelang gemeinsam beim TVF. 

Und nicht nur das: Schäfer hätte es ebenso weit im Handball bringen und spielte mit Meyfarth zusammen im Nachwuchsbereich der HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim. „Der Aspekt, sich Ziele als Team zusammen zu erarbeiten und zu erreichen, hat mir in der Leichtathletik gefehlt“, erklärt Esther Lieber, warum sie sich letztlich für den Handball entschied. 

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