Twistesee-Triathlon

Kistner Zweiter - Birgit Jüngst siegt vor Lena Nitzge

- Wetterburg. Eine Wadenzerrung und Stephan Bunse haben, wenn man so will, Jan-Eike Kistner die Tour vermasselt. Und Sascha Wingenfeld natürlich. Er schnappte Kistner den Sieg beim 27. Twistesee-Triathlon weg.

Der Mann aus Fulda hatte spät gemeldet, früh kam er ins Ziel – so fand der Traditions-Dreikampf auf der olympischen Distanz einen Gewinner, den keiner erwartet hatte.

Aber der Reihe nach. Wingenfeld ist eine Größe, sein Name in den Siegerlisten auch am Twistesee mehrfach vermerkt. Nur wechselte er vor fünf, sechs Jahre mit ziemlichem Erfolg ins Extremfach Xterra, die Cross-Variante des Triathlons. Arolsen geriet erst wieder in seinen Fokus, nachdem er sich m Training die Wade gezerrt und deshalb einen geplanten Xterra-Start abgeblasen hatte. Dann kam Stephan Bunse ins Spiel. Er ist ebenfalls Triathlet, befreundet mit Wingenfeld, kommt aus Wetterburg – und überredete seinen Kumpel zu einem Start vor der Haustür. Der holte sein altes Rennrad aus dem Keller und meldete nach. Der Rest war ein Zweikampf mit Jan-Eike Kistner.

Beide waren gemeinsam aus dem Twistesee geklettert, den Rest des Feldes ein ganzes Stück hinter sich. Beide hatten fast gleichauf die zweite Wechselzone an der Twisteseehalle erreicht. Wingenfeld war nur ein bisschen voraus, aber dieses bisschen wuchs auf der ersten Hälfte der 10-km-Laufstrecke. „Nach dem Wendepunkt habe ich gesehen, dass ich über eine Minute Vorsprung habe“, erzählte Wingenfeld gelassen. Im Ziel waren es nach 2:08:34,20 Stunden dann mehr als vier Minuten.

Kistner (2:12:48,50) war enttäuscht, obwohl der zweite Platz bei seiner Twistesee-Premiere auf der olympischen Strecke – im Vorjahr gewann er hier den Sprint – kein schlechtes Ergebnis ist. Man kann die Enttäuschung dennoch verstehen. „Ich dachte schon, dass ich gewinne“, sagte der 20 Jahre alte Odershäuser. Alle Namen der Meldeliste hatten für diese Erwartung gesprochen. Bis Wingenfeld auftauchte.

Schlussendlich fehlten dem Odershäuser für Auf- oder Überholmanöver zu Fuß die Körner, ab Kilometer drei auf der Laufstrecke „wurde es einfach hart“, sagte er. Er konnte es nun langsam angehen lassen, da Rang zwei nicht in Gefahr geriet – der drittplatzierte Thorsten Funke (3athlon.org Kassel) war 4:37 Minuten später im Ziel. Und das Trostpflaster bekam Kistner dann am späten Nachmittag aufgeklebt: Sein Vizerang reichte im wiederaufgelegten Tri-Cup Nordhessen zum Gesamtsieg.

Noch größer als bei den Männern waren die Unterschiede bei den Frauen. Siegerin Marion Waid aus Seligenstadt (2:29:49,60 Std.) und Nordhessen-Cup-Gewinnerin Anke Scheele vom MT Melsungen (2:24:32,50) auf Platz zwei trennten fast 13 Minuten. Nur beim Schwimmen hatten sich die beiden aneinander gehalten, dann machte Waid Tempo und fuhr davon – um ihren Twistesee-Hattrick zu vollenden.

Kistners erster Platz in der Cup-Wertrung war ein kleiner Schock für Max Weber. Der Neukirchner war sich nach seinem ersten Platz im Twistesee-Sprint (750 m/20 km/5 km) in in 1:05:43 Stunde sicher gewesen, dass er die Gesamtwertung gewonnen hatte - und sah sich plötzlich überfügelt. Schnellste Frau auf der Volksdistanz wurde erwartungsgemäß Birgit Jüngst-Dauber aus Hatzfeld. Glücklich wirkte sie im Ziel freilich nicht.

„Ich find’s total blöd“, sprudelte es aus ihr heraus. „Man steht im Wettkampf und ist die ganze Zeit alleine.“ Nicht, dass Birgit Jüngst-Dauber die einzige Frau auf der Volksdistanz gewesen wäre. Sie war nur in ihrer Startgruppe ziemlich allein auf weiter Flur, die stärkste Konkurrentin befand sich zwei Startgruppen vor ihr im Rennen. Viel zu weit weg, um als Maßstab zu taugen. „Das ist einfach schade“, sagte sie zu einem Wettkampf ohne Wettkampf-Charakter, einem Triathlon gegen sich selbst.

Die Erklärung dafür lag laut Lisa Wierschula in einem Fehler bei der Übertragung der Starterlisten an die Zeitmessfirma. „Die Firma ist bei der Gruppeneinteilung strikt nach Startnummern gegangen. Als wir es bemerkt haben, war das Kind schon in den Brunnen gefallen“, erklärte die Geschäftsführerin des veranstaltenden Sport­event-Teams. Organisationschef Hans-Joachim Wierschula entschuldigte sich für das Durcheinander in der Einteilung.

Freuen konnte sich Birgit Jüngst-Dauber aber doch. „Ansonsten war es toll“, sagte die 40-Jährige, die für den SC Willingen startet. „Die Strecken sind ja wie für mich gemacht.“ Besonders das Berghoch und -runter mit dem Rad liegt der ehemaligen Mountainbike-Spezialistin, selbst der mitunter böige Wind schien ihr nichts anzuhaben. In 1:18:35 Std. blieb sie rund 15 Sekunden über ihrer Siegerzeit aus dem Vorjahr, die freilich nur bedingt mit der aktuellen zu vergleichen ist: Die Laufstrecke wurde bekanntlich geändert.

Eine Zeit lang hatte der Streckensprecher sogar Lena Nitzge als Siegerin genannt, sich dann aber korrigiert und die junge Volkmarserin von den Trianhas des VfL Bad Arolsen als die gefeiert, die sie war – die Rangerste der ersten Startgruppe. Am Ende war die 19-Jährige Zweite in 1:24:11 Std., sie hatte ein bärenstarkes Rennen gezeigt, obwohl sie unterwegs auf der Radstrecke so ihre Probleme hatte. „Der böige Wind hat mir sehr zu schaffen gemacht.“ Rund dagegen lief es auf dem letzten Teilstück, dabei spornte sie auch die Aussicht auf einen guten Platz im Tri-Cup an, doch Lena büßte überraschend noch einen Rang auf Platz fünf der Gesamtwertung ab – die am Samstag drittplatzierte Agnes Stanislawski (Fuldatal/1:24:24) überflügelte sie.

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