Gebürtiger Korbacher nimmt erstmals am Zugspitz-Ultratrail teil und überrascht mit Rang drei

Bastian Schalks  aussichtsreiches Abenteuer

Anstrengend schön. Bastian Schalk hat sein Debüt beim Zugspitz-Ultratrail nicht nur sportlich gesehen. Fotos: pr

Es war eine Trotzreaktion, die den Triathleten Bastian Schalk zum Mitmachen bei einem der anspruchsvollsten Bergmarathons animierte, den Deutschland zu bieten hat:

Von Reinhard Schmidt

Korbach/Grainau. Es ist mehr als ein Rennen über Stock und Stein. Beim Zugspitz-Ultratrail mit Distanzen von 25 bis 102 Kilometer gehen alle Läufer am Stock und je nach Wetterlage müssen sie auch schon mal durch Rinnsale oder ein Schneefeld staksen. Unter den rund 2500 Teilnehmern aus 50 Ländern war auch der gebürtige Korbacher Bastian Schalk.

Der Triathlet hatte erstmals die Traute für einen Lauf über 62,8 Kilometer und er überraschte sich mit dem dritten Platz selbst. Seine Teilnahme entstand durch eine Trotzreaktion im vergangenen Winter. „Ich war drei Monate verletzt und nach der Leistenoperation habe ich mich vom Krankenbett aus mit dem Handy für den Zugspitz-Ultratrail angemeldet“, erzählt der 27-Jährige. „Ich spürte in diesem Moment so eine Art Torschlusspanik und dachte mir, setz’ dir ein Ziel, in sechs Monaten ist der Lauf, dann will ich wieder fit sein.“

Im Januar war der angehende Berufschullehrer, der sein Referendariat im Herbst gern in Bad Wildungen absolvieren möchte, wieder gut auf den Beinen und man sah ihn dann öfters die Kasseler Berge hoch und runter laufen. Herkules, Dörnberg, Habichtswaldsteig.

Mitte Juni machte sich Schalk auf, zum alpinen Rennen. Bei diesem Lauf geht es nicht darum, den Berg zu erklimmen, sondern die Zugspitze ist mehr ein Begleiter für die Läufer, denn diese taucht während des Wettkampfs immer wieder als Sehenswürdigkeit für sie auf. Gleich zu Beginn des Rennens musste Schalk von Österreich nach Deutschland laufen, denn der Startschuss fiel im österreichischen Leutasch. Die Strecke führte dann nach Mittenwald, zum Ferchensee, zur Partnachalm, der Hochalm bis zum Ziel in der 4000-Seelengemeinde Grainau.

„Das ist echt verrückt, wenn 62 Kilometer angesagt sind, teilt man sich intuitiv die Kräfte anders ein.“

Bastian schalk

Ständig geht es hoch und runter und am Ende haben die Athleten rund 3000 Höhenmeter überwunden. Sie dürfen mit Walkingstöcken laufen und nicht selten wird aus Laufen Gehen, denn viele Anstiege sind nur im Schritttempo möglich. Wie soll man sich hier seine Kräfte einteilen? Streckenlängen, die Wanderer in drei bis fünf Tagen zurücklegen, werden von Schalk und Co. in acht bis zwölf Stunden gemeistert.

Ein ausländischer Teilnehmer beschrieb seine Gefühle beim Lauf so: „Pain, more pain, but beautiful views. („Schmerz, noch mehr Schmerz, aber schöne Aussichtspunkte.“ Und bei diesem Rennen hat tatsächlich jeder Teilnehmer sein Päckchen zu tragen. Alle Starter müssen ein ärztliches Attest vorweisen und einen Rucksack mit Erste-Hilfe-Set und warmer, regenfester Wechselkleidung tragen. Und auf ihrem langen Weg sind sie ständig von Spitzenklasse umgeben. Neben Zugspitze (2962 Meter) blicken sie unter anderem auf Alpspitze (2629), Schönanger Spitze (2264) oder Leutascher Dreitorspitze (2682).

Und dass der Kopf in diesem Rennen eine entscheidende Rolle spielt, rückt beim Passieren der Gipfel wie etwa dem Schafkopf (1161), Riesserkopf (1125) oder dem Hohen Gaifkopf (1863) immer wieder ins Bewusstsein. Zwei steile Anstiege (rund 1000 Höhenmeter) stellen sich auf der 63-Kilometer-Strecke den Läufern in den Weg. Und nach dem ersten Hoch zum Scharnitzjoch spürte Schalk bereits nach rund 15 Kilometern ein Gefühl der Schwäche in den Beinen. „Ich dachte nur, der Tag wird nun doch länger als gedacht, habe das Tempo rausgenommen und mich gut verpflegt.“

Doch hier stand er gleich vor einer weiteren ungewohnten Situation. Wann kommt die nächste Verpflegungsstelle, nach fünf, zehn oder mehr Kilometern? Beim Marathon weiß der Läufer, alle 5000 Meter öffnet sich eine Wasserstelle. Aber im Gegensatz zum Marathon, war Schalk überrascht, dass der allseits bekannte körperliche Einbruch bei etwa 30 Kilometer ausblieb. „Daran sieht man gut, dass so ein Rennen weniger von der Kraft, sondern mehr vom Kopf bestimmt wird. Das ist echt verrückt, wenn 62 Kilometer angesagt sind, teilt man sich intuitiv die Kräfte anders ein.“

Schalk war in diesem Rennen viel mit sich selbst und auch mit der landschaftlichen Schönheit beschäftigt, weniger mit Siegen und Platzierungen. Er ist sogar einige Male stehen geblieben, um die Alpenaussicht zu genießen, hat sein Handy gezückt und Fotos gemacht. Auch das Auge läuft mit und visuelle Eindrücke können möglicherweise zusätzliche Kräfte freisetzen.

Doch nach etwa 40 Kilometern Faszination meldete sich bei dem 27-Jährigen doch der sportliche Ehrgeiz und er fing an, sich für seine derzeitige Platzierung zu interessieren. Als ein Zuschauer ihm sagte, er sei Fünfter, war er überrascht. Er hatte sich viel weiter hinten vermutet. Auf dem letzten Gipfel gab ein Wettkampfbetreuer ihm eine noch bessere Antwort: Dritter.

„Ich bin dann einfach nur noch gerannt, denn ich wollte diesen Platz nicht mehr hergeben.“ Schalk hat auf den letzten Kilometern noch zehn Minuten auf den Zweitplatzierten Michael Hilger (Gummersbach) gut gemacht.

Es fehlten ihm nach 7:54:51 Stunden nur vier Sekunden für den Silberrang.

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