Gleich einen Siebenmeter verwandelt

Korbacher Julian Fuchs feiert im Melsunger Trikot Bundesligadebüt mit Treffer

Lob von einem Großen: Nationalspieler Finn Lemke gratuliert Julian Fuchs (rechts) zu seinem ersten Bundesligator - der gebürtige Korbacher verwandelte bei seinem Ligadebüt einen Siebenmeter.
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Lob von einem Großen: Nationalspieler Finn Lemke gratuliert Julian Fuchs (rechts) zu seinem ersten Bundesligator - der gebürtige Korbacher verwandelte bei seinem Ligadebüt einen Siebenmeter.

Was in der E-Jugend beim TSV Korbach begann, endete nun in der Handball-Bundesliga: Julian Fuchs spielte mit der MT Melsungen bei Tusem Essen und der 19-Jährige erzielte sogar einen Treffer.

Melsungen/Korbach – Jeder Fußballer kennt diese freudige innere Beben in sich, wenn er ein Tor erzielt hat. Bei Handballern scheint die Liebe zum eigenen Treffer nicht ganz so groß sein oder sie reden einfach nur weniger darüber. Allerdings hat bisher kein Sportsender das „Tor des Monats“ für Handballer eingeführt.

Doch für Julian Fuchs gibt es das „Tor des Monats“ zumindest für Februar. Sein eigenes. Es war für den 19-jährigen gebürtigen Korbacher sein erster Treffer in der Bundesliga und gleichzeitig sein erstes Spiel in der höchsten deutschen Handballliga.

Siebenmeterschütze gesucht

Das Tor fiel am Abend des 11. Februars 2021 in Essen. 52 Sekunden waren im Spiel zwischen Tusem und der MT Melsungen noch auf der Uhr als ein Siebenmeterschütze in den Reihen der Nordhessen gesucht wurde. „Ich war eigentlich schon zurück gelaufen als ich auf unsere Bank schaute und dort riefen sie‚ ‚komm Julian wirf du ihn’“, erinnert sich Fuchs.

Das klang wie ein großes Lob, aber diese Worte legten natürlich auch eine große Last auf die Schultern des Debütanten. Der Linkshänder und Rechtsaußen weiß noch, was ihm so durch den Kopf schoss, während er an der Siebenmeterlinie stand. „Als sich der Torwart vor mir aufbaute, wurde das Tor immer kleiner.“

Fuchs visierte den scheinbar schrumpfenden Kasten an, sagte insgeheim seiner Aufregung, sie möge sich abregen, erinnerte sich daran, dass er schon oft einen Siebenmeter verwandelt hat, gab dem Ball mit einer Handbewegung eine Menge Effet mit auf den Weg und der flog dann am Torwart vorbei an den linken Innenpfosten und von dort ins Netz.

Das „Tor des Monats“ von Julian Fuchs, das bestimmt auch zu seinen „Toren des Lebens“ zählen wird, war der 35. Treffer der Melsunger im Spiel, Essen schaffte nur 28. So feierte der Neuling ein weiteres Debüt: seinen ersten Bundesligasieg. Ein Siebenmetertor, das nicht einmal siegentscheidend war, muss man nicht unbedingt feiern, das ist Alltag besonders für Profis. Dennoch feierten die Melsunger Spieler ihren Debütanten. „Ein überragender Siebenmeter“, lobte Trainer Gudmundur Gudmundsson. Auch Nationalspieler Timo Kastening, der für Fuchs kurz vor Spielende das Feld geräumt hatte, lobte seinen Ersatzmann: „Julian wirft super und wie er trainiert - echt klasse.“

Dass diese Lobeshymnen nicht nur dem Handballer Fuchs, sondern auch dem Menschen Fuchs gelten, belegt ein Satz von Kastening: „Da ich auch gern in Willingen bin, haben Julian und ich schon abgemacht, dass wir nach Corona mal zusammen dorthin fahren“, berichtete der Nationalspieler einem HNA-Reporter vor der Abfahrt aus Essen schmunzelnd. Dabei hat Fuchs noch keinen Profivertrag in der Tasche, sondern nur ein Papier für die zweite Melsunger Mannschaft. Da diese in der Oberliga wegen Corona aber noch kein Spiel in dieser Saison absolviert hat, trainiert der 19-jährige bei den Profis mit.

Und nach der Meniskusverletzung von Tobias Reichmann öffnete sich für ihn zumindest vorübergehend eine Tür in eine Welt, die er schon als Kind vor sich sah: Handballprofi. Dreimal war er nun schon im Kader....

Der Weg nach oben führt nur über außen

Der Gedanke, Berufssportler zu werden, kam Julian Fuchs erstmals als E-Jugendlicher in der Mannschaft des TSV Korbach mit Trainer Robert Müller. „Er hat mir die Freude am Handball gegeben und auch die Basics für alles gelegt“, sagt Fuchs. Ohne den Spaß an dieser Sportart wäre er nie so weit gekommen, betont der 19-Jährige.

Sein ehemaliger Trainer bestätigt dies, betont aber auch, dass hinter Julians Leichtigkeit auf dem Spielfeld auch ein „unglaublich trainingsfleißiger und schnell lernender Junge“ gesteckt habe.

Dank an die Eltern für die vielen Fahrten

„Julian war auch ein großer Kämpfertyp, den vor allem die Gegenspieler gereizt haben, die ein Kopf größer waren als er selbst“, sagt Müller, der den Werdegang seines ehemaligen Spielers immer noch verfolgt. Als Fuchs seinen Beschluss gefasst hatte, Profi zu werden, suchte ersich auch nach Wegen dorthin. Nach der C-Jugend in der Oberliga in Zwehren, ging er zu Eintracht Baunatal. Das bedeutete dreimal Training pro Woche. „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich immer gefahren haben“, sagt Fuchs.

Schließlich erhielt er im zweiten B-Jugendjahr einen Anruf vom Nachwuchskoordinator der MT Melsungen. Das bedeutete nicht nur A-Jugend-Bundesliga spielen, sondern auch umziehen und die Schule wechseln. Fuchs hat im vergangenen Jahr sein Abitur in Melsungen gebaut, er wohnt mit zehn weiteren Nachwuchsspielern in einem Haus, in dem jeder sein eigenen Zimmer hat. „Es ist kein richtiges Internat, eher eine Wohngemeinschaft, die bekocht wird.“ Nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr, das er bei der MT Melsungen absolviert, will er studieren.

Von Nationalspielern einiges abschauen

Aber Handballprofi kann man nicht studieren. Obwohl es gerade so scheint, als ob der 19-Jährige nur noch einen kleinen Schritt von seinem großen Ziel entfernt ist, sieht er diese Situation realistisch: „Ich weiß nicht, ob ich das jemals schaffe.“

Um ein Großer zu werden, schien er irgendwann dafür zu klein zu sein. Rückraum war seine Lieblingsposition, doch dafür reichen seine 1,83 Meter in der Bundesliga nicht aus. Sein Weg führt nur über außen. Wer diesem 19-Jährigen zuhört bemerkt schnell, dass er demütig, zielorientiert, aber gleichzeitig auch wieder sehr gelassen wirkt. Und vielleicht sind es gerade diese Charakterzüge, die ihn ins Profilager bringen könnten.

Er ist dankbar dafür, dass er auch für die kommende Saison einen Vertrag bei der MT erhalten hat, auch nur für die Oberliga. Dennoch bleibt er so auf Tuchfühlung und weiß, dass er sich von den Nationalspielern Reichmann und Kastening noch einiges abschauen kann. Das seien nicht nur wurftechnische Dinge, sondern vor allem wie sie mit bestimmten Spielsituationen umgingen.

Fuchs hat sich auch selbst einen Karriereplan geschrieben. Der klingt so klar, wie er denkt: „Immer Vollgas geben und wenn es irgendwann dafür reicht, ist das schön, wenn nicht, dann eben nicht.“ rsm

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