Heiko Schelberg will mit Gießens Basketballern erstklassig bleiben

Ein Korbacher, der Körbe vermarktet

Gießen/Korbach - Im Alter von 18 Jahren verließ Heiko Schelberg Korbach in Richtung Winterberg, seit 15 Jahren lebt er in Bad Homburg. Kontakt in seine alte Heimat hat der künftige Geschäftsführer von Basketball-Bundesligist LTi Gießen 46ers noch heute. Regelmäßig besucht er die Kreisstadt – auch weil dort sein liebstes Eiscafé ist.

Fußball stand für Heiko Schelberg in der Jugend im Fokus, für den SV 09 Korbach spielte er als junger Torhüter sogar mehrere Male in der Landesliga. Seine eigene Karriere endete mit Beginn seiner Ausbildung zum Hotelkaufmann, zum Fußball kam er aber später zurück. Zehn Jahre lang war der Marketingfachmann für Erst- und Zweitligisten tätig. Seit Januar sind die LTi Gießen 46ers sein Arbeitgeber; im Sommer soll der 39-Jährige dort Geschäftsführer werden.

In Gießen beerbt Schelberg Christoph Syring, der vor vier Jahren das Zepter an der Lahn übernommen hatte und die damals in finanzieller Schieflage befindliche Gesellschaft wieder in ruhigere Fahrwasser führte. Syring hatte bereits im vergangenen Jahr ankündigt, seinen Posten nach der laufenden Saison abgeben zu wollen, im Januar wurde Schelberg als Nachfolger präsentiert. „Die Verantwortlichen des Vereins sind auf mich zugekommen“, erzählt Schelberg, der sich gemeinsam mit Syring mit den Themen Lizenzierung und Finanzen und selbst schwerpunktmäßig mit dem Marketing befasst.

Schelberg, im Sommer 1972 in Korbach geboren, wuchs in der Kreisstadt auf, besuchte die Alte Landesschule und machte später auf der Louis-Peter-Schule seinen Realschulabschluss. „Die Schule war ein Thema für sich. Für mich stand immer mehr der Fußball im Fokus“, sagt er mit einem Schmunzeln. Für den SV 09 Korbach, mittlerweile im TSV Korbach aufgegangen, stand er in seiner Jugend zwischen den Pfosten. „Drei- oder viermal habe ich damals auch in der Landesliga gespielt“, erinnert er sich. Gerne hätte er eine Profikarriere angestrebt, „aber daraus wurde dann nichts“.

Von der Hotellerie zum Sport

Stattdessen ging der damals 18-Jährige nach Winterberg, wo er im Dorint-Hotel seine Ausbildung absolvierte. Schon dort war er für das Marketing verantwortlich. Später legte er in Heidelberg seine Prüfung zum staatlich geprüften Hotelbetriebswirt ab und war anschließend in der gehobenen Hotellerie tätig, zuletzt als Verkaufsdirektor im Frankfurter Marriott-Hotel. Dann kam „ein Anruf wie aus dem Nichts“, berichtet Schelberg. „Ich wurde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in die Sportvermarktung zu wechseln.“ So kam er 2001 zum internationalen Sportrechtevermarkter Ufa Sports, der kurze Zeit später in Sportfive umbenannt wurde.

„Ich habe dadurch ein völlig neues Terrain betreten. Es war ein Schnitt in meinem Leben, den ich bis heute nicht bereue“, sagt Schelberg, der zunächst bis 2004 als Verkaufsleiter bei Borussia Dortmund tätig war. „Es war eine wunderbare Zeit mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2002 und dem Uefa-Cup-Finale im selben Jahr.“ Anschließend arbeitete er bis 2006 als Verkaufsdirektor für Eintracht Frankfurt und war unter anderem für die Gespräche mit der Commerzbank über die Namensrechte an der Arena verantwortlich, ehe er 2006 zum Senior Director befördert wurde, verantwortlich für den 1. FC Kaiserslautern. „Das war eine atemberaubende Zeit, wir standen 2008 ja mit einem Bein in der dritten Liga“, blickt Schelberg zurück. Durch einen 3:0-Erfolg über Köln am letzten Spieltag hielten die Pfälzer die Liga. Während Stefan Kunz in der Folge für die sportliche Entwicklung verantwortlich war, sorgte Schelberg dafür, dass die Vermarktungserlöse stiegen. „Wir haben in marketingstrategischer Hinsicht einiges modifiziert und den Karren aus dem Dreck gezogen“, sagt Schelberg nicht ohne Stolz. Da Sportfive unter anderem auch für die Vermarktung der Klitschko-Kämpfe, der Rennen auf der Streif und der Vierschanzentournee verantwortlich war, hat er auch mit Boxen, Skirennsport und Skispringen zu tun. „Da erlebt man einmalige Momente“, schwärmt er.

Vom Fußball zum Basketball

Zuletzt war er ab 2009 zwei Jahre Marketing- und Verkaufsleiter beim FSV Frankfurt. Bernd Reisig, damals Geschäftsführer beim Fußball-Zweitligisten, lotste Schelberg zum FSV. „Er wusste, dass ich in Bad Homburg lebe und die Fahrt nach Frankfurt nicht lange dauert“, erzählt Schelberg, der am Main die Vermarktung professionalisierte. Optimale Rahmenbedingungen um den sportlichen Bereich herum will er nun auch in Gießen schaffen. Bei den „Korbwurfsportlern“ sieht er noch einige Potenziale im Sponsoring, Merchandising und Ticketing. „Wir haben im Schnitt 3500 Zuschauer und die Atmosphäre ist beeindruckend, das ist auch ein entscheidendes Kriterium für die Sponsoren“, sagt er und setzt bei der Gewinnung potenzieller neuer Geldgeber auf seine Kontakte.

Viele Planungen könnten jedoch über den Haufen geworfen werden, wenn die Akteure auf dem Parkett nicht möglichst schnell in die Erfolgsspur zurückfinden; sechs Spieltage vor Ende der regulären Saison steht Gießen auf dem vorletzten Tabellenplatz - bleibt dies so, würde das den sportlichen Abstieg bedeuten. Es wäre eine unerfreuliche Premiere: Die Mittelhessen gehören der Bundesliga seit der Gründung 1966 als einziger Club ununterbrochen an. „Wir planen natürlich auch für die zweite Liga, alles andere wäre unseriös“, sagt Schelberg, ist aber davon überzeugt, dass das Team den Klassenerhalt schafft. Den Abstiegskampf kennt er aus dem Fußball. „Wichtig ist es, in einer solchen Situation die Ruhe zu bewahren“, betont er.

Feiern könnte Schelberg den Ligaerhalt vielleicht im Korbacher Eiscafé von David Gobbo. „Ich habe noch Kontakt nach Korbach, vor allem auch zu ihm“, erzählt der Wahl-Südhesse. Seine Eltern lebten bis vergangenes Jahr noch in Korbach, mittlerweile sind sie ihrem Sohn nach Bad Homburg gefolgt. „Aber alle acht bis zehn Wochen machen wir einen Trip nach Korbach, schauen uns die Fußgängerzone an und gehen ein Eis essen.“

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