Abstand-Starts statt gemeinsames Loslaufen 

Kubat will Laufcup Waldeck-Frankenberg mit unkonventionellen Ideen retten

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Dicht an dicht: So was wie beim Start zum Volkslauf am 3. Oktober in Marienhagen, das geht grad gar nicht. 

Elf der 17 geplanten Läufe im Laufcup Waldeck-Frankenberg sind in dieser Saison bereits abgesagt worden. Laufcup-Chef Hans-Friedrich Kubat hält trotzdem an der Serie fest.

Marienhagen –Im Interview stellt Kubat auch unkonventionelle Ideen vor, um in Corona-Zeiten so viel Laufcup wie möglich zu retten. Die Serie bringt seit 1994 zwischen März und Oktober jährlich Hunderte ins Laufen bringt.

Herr Kubat, rechnen Sie damit, dass in diesem Jahr noch Rennen um den Laufcup ausgetragen werden?

Ich rechne schon damit, dass neben dem Training auch wieder sportliche Wettkämpfe erlaubt sein werden. Beim Laufen besteht natürlich das große Problem, dass die Läufer zumindest im Startbereich sehr eng zusammen sind. Da muss man Lösungen finden, um das Abstandsgebot einzuhalten.

Wettkämpfe sind in Hessen aktuell nicht erlaubt.

Das kann sich in zwei, drei Wochen ändern. Sicher ist: Man muss allerhöchsten Respekt vor der Gefahr durch das Virus haben. Es gibt auch viele Sportler, die Diabetes, eine andere Stoffwechselerkrankung oder Atemwegsprobleme haben und deshalb zur Risikogruppe zählen. Sie muss man unbedingt vor einer Ansteckung schützen. Aber das wird hoffentlich immer möglich sein. Man könnte in Wettkämpfen in Einzeldisziplinen wie Kugelstoßen, Speerwurf oder Hochsprung testen, wie das geht.

Besteht dann nicht die Gefahr einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Leichtathletik?

Das wäre im Moment so. Wir könnten aber auch, wie gesagt, Wettkämpfe in Einzelsportarten einfach als Praxistest begreifen. Theoretisch könnte man auch Sprints mit Sicherheitsabstand durchführen, indem nur jede dritte Bahn besetzt würde. Es wäre viel Aufwand, aber man muss neue Idee entwickeln. Ich glaube auch, dass Starts mit räumlicher und zeitlicher Distanz möglich wären.

Das heißt?

Abstandsstarts in Kleingruppen, immer nur vier Läufer auf einmal. Dazu bräuchte man eine relativ breite Lauffläche. Für die Volksläufe hatte ich immer schon die Idee im Hinterkopf, die Läufer wie im Biathloneinzel oder Skilanglauf im gewissen Abstand, vielleicht eine halbe Minute oder 20 Sekunden, das müsste man ausrechnen, hintereinander starten zu lassen. So etwas gibt es bereits beim Walken oder Wandern.

Saison bis in den Spätherbst hinein denkbar

Wie könnte ein solches Rennen ganz praktisch ablaufen?

Als erste würden die Schnellsten starten; sie müssten ihre Zeiten halt objektiv einschätzen oder man zieht bisherige Leistungen heran. Gelaufen würde auf einem Rundkurs in der Natur oder auf Straßen, ohne dass man sich „Auge in Auge“ begegnet. Beim Überholen muss ein weiter Abstand gewahrt bleiben. Durch die gewählte Startreihenfolge wird es jedoch nicht so viele Überholungen geben. Wichtig wäre ein ausreichend breiter Start- und Zielbereich. Eine enge Straße ist zwar stimmungsvoll, wäre aber in diesen Tagen nicht zielführend. Weil wir die Zeiten mithilfe von Chips messen, hätten wir genaue Ergebnisse und Platzierungen.

Es fehlt das eigentliche Wettrennen.

Ja, aber das ist auch etwa in einigen Skilanglauf-Disziplinen nicht gegeben. Es muss sich jeder mehr auf seine eigene Leistung konzentrieren und nicht auf das, was die Konkurrenten machen.

Laufcup-Chef im 27. Jahr: Hans-Friedrich Kubat.

Denken Sie, nur mit einer solchen Strategie wären Laufcup-Wettbewerbe noch in diesem Jahr möglich?

Das hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Wenn die Infektionszahlen weiter nach unten gehen, halte ich das für möglich. Daran müssen wir alle weiter intensiv mitarbeiten und dürfen nicht leichtsinnig werden.

Wäre es auch möglich, den Zeitrahmen für den Laufcup über den 3. Oktober hinaus auszudehnen?

Auf jeden Fall. In den Anfangsjahren gab es ja auch Veranstaltungen erst Ende Oktober. Es bleibt so oder so nur eine Schrumpfserie übrig. Ob dann die große gemeinsame Siegerehrung stattfinden kann, lassen wir mal dahingestellt; wahrscheinlich können wir sie uns aus finanziellen Gründen gar nicht leisten, was ausnahmsweise aber auch mal nicht so wichtig wäre.

Schrumpfcup heißt?

Von den 17 Läufen stehen noch sechs auf dem Plan, nachdem zuletzt Gellershausen und Usseln abgesagt haben. Dazu kommt der TSV Berndorf mit der prima Idee, vom 15. bis 17. Mai einen virtuellen Volkslauf auszurichten (siehe eigenen Text). Dieser zählt zwar nicht zum Laufcup. aber der TSV würde außerdem gern den abgesagten Termin im September oder Oktober nachholen. Vielleicht machen das ja andere Vereine auch, deren Lauf im Frühjahr ausgefallen ist. Der nächste Lauf wäre der Tunnellauf am 12. Juli in Dodenau. Die LG Eder will erst mal am Termin festhalten und in vier Wochen endgültig entscheiden. Sie schreibt, man sei zuversichtlich, dass es klappt. Ich hoffe das auch, da bin ich jetzt mal der Breitensportwart des Leichtathletikkreises, denn in Dodenau sollen die Kreismeisterschaften im Straßenlauf über zehn Kilometer ausgetragen werden. In Bergheim geht es dann am 5. September um die Titel im Halbmarathon.

Mit anderen Serien in Hessen oder NRW zusammenarbeiten

Kann man überhaupt noch von einer Serie sprechen?

Ich bin dagegen, die Cupwertung für dieses Jahr einfach zu streichen. Sehen Sie sich den Crosscup Nordhessen an, eine Winterlaufserie mit vier Veranstaltungen, die Ende Februar in Wirmighausen abgeschlossen wurde. Wir haben vermutlich noch mindestens sechs Läufe. Die Serie abzusagen fände ich auch ungerecht gegenüber allen kommenden Veranstaltern. Manche Sportler, die bei der Serie mitmachen wollen, würden ohne Cupwertung nicht kommen. Klar ist, dass wir die Anzahl der Pflichtläufe entsprechend anpassen würden. Es wäre halt die kleinste Serie seit 27 Jahren. Und auch wenn die Serie tatsächlich nach bislang 407 Cup-Festen erstmals ausfallen sollte, wären Startschüsse zu einem, zwei oder drei Volksläufen immer noch besser als überhaupt kein Wettkampfsport in 2020. Für die Zukunft wäre es aber womöglich gut, dass wir auch zusätzliche Veranstalter ins Boot kriegen.

Das heißt?

Die Idee ist, dass einzelne Vereine nur alle drei, vier Jahre einen Lauf im Laufcup ausrichten und sich dabei abwechseln. So eine Veranstaltung auszurichten, macht ja auch Spaß. Grundsätzlich könnte man auch mit anderen Serien in Hessen oder auch in NRW zusammenarbeiten, auch wenn manche im Laufcup-Vorstand da ein bisschen skeptisch sind.

Was schwebt Ihnen vor?

Es gibt zum Beispiel den Nordhessen- oder den Mittelhessen-Cup. Wie wäre es, wenn unsere gemeldeten Teilnehmer zum Beispiel in Breuna, Fritzlar oder Gießen starten und da Punkte für den Laufcup Waldeck-Frankenberg sammeln können, wenn sie bei uns bestimmte Rennen nicht laufen konnten? Die Veranstalter aus den Nachbarkreisen schicken uns die Ergebnisse zu, wir werten sie für unseren Cup aus. Umgekehrt wäre das genauso möglich. Man muss neue Wege gehen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Man muss einfach nur festlegen, wo man seine Ersatzläufe machen kann. Dabei darf es natürlich nicht zu Terminkollisionen kommen.

Erwarten Sie aufgrund der Krise schärfere Hygienevorschriften?

Über die Hygiene muss sich jeder Veranstalter Gedanken machen, auch wenn die Pandemie vorbei ist. Wie ist das mit den Duschen? Kann man noch kalte Speisen verkaufen, noch gezapftes Bier?

"Die Leute werden erkennen, was sie an den Vereinen haben"

Wenn man alles überreglementiert, könnte es schwer werden, Veranstalter zu finden.

Man muss das in Einklang mit den Vereinen machen und gut überlegen. Die vorsichtigen Öffnungen von Gaststätten derzeit können die Vereine ja als Test betrachten, worauf sie dann in Zukunft im Verkauf zu achten haben. Wir sollten auch daran denken, wie sehr die Vereine die Einnahmen aus den Sportfesten benötigen. Manchmal sind es vierstellige Beträge, die einfach wegbrechen, sie sind in den Etats fest eingeplant für das gesamte Vereinsleben. Ich empfehle deshalb allen, die 2020 zum sportlichen Corona-Opfer geworden sind, rasch finanzielle Hilfen zu beantragen.

Haben Sie die Sorge, dass der Laufcup durch die Absagen Schaden nehmen könnte oder hoffen Sie auf neue Lust am Laufen?

Ich denke eher, die Lust wird steigen. Meine große Hoffnung ist: Die Leute werden erkennen, was sie an den wunderbaren Cup-Vereinen und den Veranstaltungen haben. Das gilt übrigens nicht nur fürs Laufen, sondern genau so für Fußball, Handball Reiten, oder was weiß ich. Vielleicht haben wir am Ende wirklich größeren Zulauf. Nebenbei: Mit Bedrohungen wie durch das Corona-Virus „SARS-CoV2“ werden wir ohnehin leben müssen, durch die Globalisierung und den Klimawandel könnten solche Pandemien in Zukunft häufiger auftreten. Da muss sich auch der Sport wappnen.

Zur Person

Hans-Friedrich Kubat ist einer der Wegbereiter desLaufcups Waldeck-Frankenberg und steht im 27. Jahr an der Spitze des Vorstands. Kubat wohnt in Marienhagen, er arbeitet als Lehrer an der Burgwaldschule Frankenberg. Er hat drei Kinder, vier Enkel und ist mit Leila, Ärztin in Lübeck, liiert.

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