Den Ball geschnappt und reingemacht

Handballer Sven Ammenhäuser: Nervenstark und treffsicher

Handballer beim Wurf mit Gegenspieler
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Schwer zu verteidigen: Sven Ammenhäuser nimmt in einem Spiel der Saison 2019/20 gegen Waldau Maß. Die Frisur trägt er heute anders.

Die Handballer des TV Külte holten am vergangenen Samstag ihren ersten Punkt in der jungen Bezirksoberliga-Saison. Das hatten sie auch Sven Ammenhäuser zu verdanken. Er ist unser „Kopf der Woche“.

Külte – Wer Sven Ammenhäuser auf dem Handy anruft, kriegt erst mal den Kabarettisten Helge Schneider auf die Ohren. Ein Typ, denkt man gleich. Wenn man mit Sven Ammenhäuser gesprochen hat, denkt man das immer noch und findet: ein bodenständiger Typ. Locker, entspannt, einer, der sein Ding macht und doch immer ans Team denkt.

Ammenhäuser beim TV Külte ein Mann für viele und auch entscheidende Tore. Wie zuletzt beim 27:27 in Calden. Vier Sekunden vor Schluss, der TVK kriegt einen Siebenmeter, Punkt oder Niederlage. Kültes Nummer 9, gleichzeitig Kapitän, greift sich den Ball, das tut er so gut wie immer beim Strafwurf, und verwandelt.

„Ich habe in dem Moment gar nicht nachgedacht, sondern den Ball genommen und mir gesagt, das mache ich jetzt“, schildert Ammenhäuser den Augenblick. Auf dem Spiel stand der erste Punktgewinn der jungen Serie für die Waldecker, nicht existenziell, aber auch nicht ganz unwichtig für die Seele der Mannschaft, die lange geführt hatte.

„Als Führungsspieler enorm wichtig“

Ammenhäuser trifft nicht jedes Mal von der Siebenmeterlinie. Auch in Calden hatte er einmal verworfen. Er bringt aber die Erfahrung für Situationen mit, in denen starke Nerven gefragt sind. „Die können dann von mir aus auch reinrufen von draußen. Das sollte man nicht an sich rankommen lassen“, sagt er.

Mit seinen 32 Jahren ist der Rückraum-Mitte-Spieler einer der Routiniers im verjüngten Team von Sigurd Wachenfeld. „Er ist enorm wichtig für die Mannschaft als Führungsspieler, vor allem aufgrund seiner Erfahrung, aber auch seiner Power und Durchsetzungskraft“, sagt der Trainer, der seinen Schützling fast ein ganzes Handballleben kennt; sie hätten ein gutes Verhältnis, sagt der Spieler.

In der Abwehr ein „wichtiger Pfeiler im Innenblock“ (Wachenfeld), sucht Ammenhäuser im Angriff oft das direkte, körpernahe Duell, das Eins-gegen-eins, und er weist laut seinem Coach eine gute Wurfqualität vor: „Eine ideale Kombination, die schwer zu verteidigen ist.“ Beim Remis in Calden erzielte der Rechtshänder insgesamt zwölf Treffer. „Die schnelle Mitte liegt mir ganz gut“, ergänzt er selbst.

Sein Motto: Das Team ist wichtiger als der einzelne

Zu seinen besten Zeiten habe er im Schnitt neun, zehn Tore pro Spiel gemacht, erzählt Ammenhäuser. Natürlich sei nicht jeder Ball drin. Eigentlich achte er auch gar nicht darauf, wie viele Treffer er werfe. „Mir ist wichtiger, dass wir als Mannschaft gewinnen.“ Überhaupt ist ihm daran gelegen, seine Rolle im Team nicht zu sehr zu betonen. „Die können alle genauso gut Handball spielen, und sie gewinnen auch ohne mich Spiele“, sagt er.

Ein Sieg ist Külte in bisher vier Partien noch nicht gelungen. Das Saisonziel stecken sie eher niedrig. „Über Aufstieg brauchen wir nicht zu reden, wir müssen uns erst mal festigen und sehen, dass wir die Klasse halten“, sagt Ammenhäuser. Und: „Wichtig ist, dass wir die nächsten Spiele gut angehen.“

Sven Ammenhäuser ist mit Handball groß geworden, Külte ist ein Handball-Dorf. Er hatte Talent, brachte es als Jugendlicher mit der Bezirksauswahl bis zur Landessichtung. Es habe Anfragen anderer Vereine gegeben, er lehnte ab. Mit den Trainingszeiten passte es nicht, Ausbildung und Beruf hätten immer Vorrang gehabt, sagt der 32-Jährige, der sein Geld als Maler und Lackierer verdient.

Nach Corona: „War schwer wieder reinzukommen“

Der Beruf fordert ihn körperlich. Während des Corona-Lockdowns hielt er so eine Grundfitness. Handball habe ihm natürlich gefehlt, sagt er. 25 Jahre lang war der Sport Woche für Woche sein Ding, er musste höchstens mal wegen einer Verletzung passen. Und dann: nichts mehr.

Ammenhäuser sorgte sich, dass Jüngere wegen der Zwangspause das Handtuch werfen könnten. Für sich selbst sagt er: „Es war schwer wieder reinzukommen, aber umso größer war die Freude, dass wir wieder spielen durften.“ Dass er sich auf dem Parkett infizieren könnte, darüber mache er sich keine großen Gedanken. Nicht alle Handballer seien geimpft, eine Ansteckung sei trotz 3G-Regel nicht auszuschließen, „Wichtig ist aber, dass wir uns selber schützen.“

Zur Person

Sven Ammenhäuser (32) kam schon mit sechs Jahren zum Handball. Immer trug er das Trikot des TV Külte. „Handball ist mein Hobby“, sagt er . Ansonsten geht er arbeiten, sein Geld verdient er als Maler und Lackierer, und kümmert sich um Haus und Garten. Ammenhäuser ist verheiratet und Vater von zwei zwei Mädchen. Ob sie mal Handballspielen werden? „Das sollen sie selbst entscheiden, zwingen werde ich sie nicht.“ mn

Derzeit treibt die Branche die leise Furcht vor einen neuerlichen Stillstand um. „Wir hoffen alle, dass uns Corona nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht“, sagt Ammenhäuser.

Der Spielplan sieht noch drei Begegnungen für Külte im Dezember vor. Ein Schlüsselspiel wartet gleich am Anfang, dann kommt die HSG Zwehren/Kassel zum Treffen im Tabellenkeller in die Nordwaldeck-Halle. Kann sein, dass abermals ein entscheidender Strafwurf verhängt wird. Sven Ammenhäuser wäre bereit.

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