Ein Leben für die Leichtathletik

Werner Hoffmann sagt nach 45 Jahren tschüss 

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Auch als Trainer feierte Werner Hoffmann Erfolge: So wurde die von ihm betreute B-Jugend des TSV Frankenberg 1985 in Ahlen Deutscher Vizemeis ter im Crosslauf. Unser Bild zeigt (von links) Werner Hoffmann mit Thomas Neugebauer, Mario Geromin, Marcus Kroll und Thomas Waßmuth.

Die Leichtathletik-Berichterstattung im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist untrennbar mit dem Namen Werner Hoffmann verbunden. Jetzt hört er auf.

Frankenberg – Seit fast 45 Jahren berichtet der Frankenberger über Veranstaltungen im Landkreis, über Erfolge der heimischen Athleten auf überregionaler Ebene. Während die Leichtathleten der Wiederaufnahme ihrer Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten nach der Corona-Krise entgegenfiebern, wird Werner Hoffmann aufhören. „Das Coronavirus hat es mir etwas leichter gemacht, den Absprung als Leichtathletik- Berichterstatter zu schaffen“, schrieb er unlängst an die Vereine.

Ein Schritt, der nach den vielen Jahren nachvollziehbar ist, der aber gleichzeitig einen tiefen Einschnitt bedeuten wird. Für die Vereine auf der einen Seite, denen ein über Generationen bekannter Ansprechpartner fehlen wird. Aber auch für uns als Sportredaktion, die einen engagierten, fachkundigen und stets zuverlässigen Mitarbeiter verliert.

Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Wir sprachen mit Hoffmann vielmehr über die zurückliegenden 44 Jahre. Über die Anfänge, über besondere Erinnerungen, über den Zeitaufwand und auch über seine Pläne für den „Ruhestand“.

Die Anfänge

Lange Zeit war Hoffmann Fußballer, spielte beim TSV Frankenberg. 1958 fand ein Crosslauf in Frankenberg statt. Hoffmann machte mit und seine Leidenschaft war geweckt. Für die Disziplin Crosslauf im speziellen, aber auch für die Leichtathletik im Allgemeinen. Beim TSV hat er sich große Verdienste um die Sportart erworben. 1972 übernahm er die Leichtathletik-Abteilung, baute sie mit Walter Müller auf. 

Groß berichtet wurde in dieser Zeit über die Leichtathleten nicht. 1976 wollte Hoffmann dies ändern und bot sich bei den damals zwei Lokalzeitungen des Frankenberger Altkreises als Mitarbeiter an. „Fast 45 Jahre sind daraus dann geworden“, sagt Hoffmann, der viele Jahre Pressewart sowohl des Frankenberger, als auch des Waldecker Leichtathletikkreises war.

Was ihm besonders in Erinnerung geblieben ist: die beiden Deutschen Straßenlaufmeisterschaften, die der TSV 1978 und 1983 ausrichtete. „1978 hat Karl Fleschen aus Leverkusen bei uns einen Weltrekord über 25 Kilometer gelaufen“, sagt Hoffmann und weiß ohne nachzudenken sogar noch dessen Siegerzeit: „1:13:57 Stunden.“

Leichtathletik

Seine Leidenschaft blieb in all den Jahren aber die Leichtathletik. Unzählige Termine hat er in dieser Zeit besucht. Volksläufe, Vereinsveranstaltungen, Kreismeisterschaften, aber auch bei Wettkämpfen in ganz Hessen war Hoffmann unterwegs. „Manches Wochenende waren das bis zu vier Veranstaltungen“, erinnert sich der pensionierte Steuerbeamte.

Wochenenden, an denen das Hobby viel Zeit in Anspruch nahm, denn schließlich mussten nach den Veranstaltungen noch die Texte geschrieben und Fotos entwickelt werden. Wie viele Fotos er in all den Jahren gemacht hat? „50 000 Bilder sind es bestimmt gewesen“, schätzt Hoffmann.

Stars und Co.

In seiner Laufbahn hat Hoffmann unzählige Sportler begleitet. Und er hat auch viele Stars vor die Kamera bekommen. 1999 zum Beispiel fotografierte er die Battenberger Sprinterin Silke Wolf zusammen mit der Weltklassesprinterin Merlene Ottey – die Jamaikanerin lief zusammen mit Wolf im 100-Meter-Endlauf des Askina-Sportfestes in Kassel. Auch Olympiasieger Dieter Baumann oder Kugelstoß-Weltmeister David Storl fotografierte er in Aktion. Daneben natürlich Generationen von Leichtathleten aus Waldeck-Frankenberg. Manche davon schafften später den Sprung ganz nach oben. Wie zum Beispiel Carolin Schäfer.

Schnappschuss mit Weltmeisterin: Die Battenbergerin Silke Wolf lichtete Werner Hoffmann 1999 beim Askina-Sportfest in Kassel mit der Jamaikanerin Merlene Ottey ab.

Hoffmann knipste eines der ersten Fotos der späteren Weltklasse-Siebenkämpferin aus Bad Wildungen. „Ihre Trainerin Erika Keller kam bei einem Wettkampf zu mir und sagte, sie hätte da eine gute neue Sportlerin, die ich mal fotografieren sollte“, sagt Hoffmann, der hinzufügt: „Bei ihr hatte man schnell erkannt, was für ein Talent sie ist.“ 

Hoffmann zieht einen Vergleich zur Frankenberger Nachwuchsathletin Emma Scholl: „Auch bei ihr merkt man das Talent. Sie hat einen ähnlichen Ehrgeiz wie damals Carolin und kann es auch zu etwas bringen.“

Kinderleichtathletik

Werner Hoffmann ist kein Freund der Wettkampfform für den jüngsten Leichtathletik-Nachwuchs. Einen Hehl hat er daraus auch nie gemacht und seine Kritik immer offen geäußert. „Am Anfang macht das den Kindern Spaß, aber im Laufe der Zeit brechen uns die Talente weg. Das belegen die Zahlen“, sagt Hoffmann, der früher selber viele Jahre als Trainer beim TSV Frankenberg aktiv war. „Wir haben viele Kinder in den unteren Jahrgängen, es kommt aber viel zu wenig später heraus.“

Zeit für Touren auf dem Motorrad: Werner Hoffmann und seine Frau Gerlinde.

Nur auf die Leichtathletik kann man Werner Hoffmann aber nicht reduzieren. Als Pressewart des damals noch eigenständigen Tischtenniskreises Frankenberg schrieb er bis Anfang der 90er Jahre über die Tischtennisligen, auch der Radsport gehörte zu den Betätigungsfeldern des heute 73-Jährigen. 

Zeit für das Motorrad

Einer seiner ersten Termine war übrigens eine Jahreshauptversammlung des TSV Frankenberg. „Damals wurden viele Mitglieder für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Für mich damals eine weit entfernte Zahl“, erinnert sich Hoffmann. „Vergangenes Jahr war es dann bei mir soweit: Ich war 65 Jahre Mitglied im TSV.“ 

Und was macht Werner Hoffmann nun in seiner neu gewonnen Freizeit? Ein großes Hobby hat der Vater von zwei erwachsenen Kindern, der im März 2020 mit seiner Frau Gerlinde die goldene Hochzeit feierte: Touren mit dem Motorrad. „Seit Anfang 2000 haben wir mehr als 270 000 Kilometer mit dem Motorroller und dem Motorrad zurückgelegt.“ Sein Ziel: „Ich hoffe, dass es jetzt noch viele mehr werden.“

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