Integration durch Sport

Mädchen lernen spielend Fußball

- Landau. Sie heißen Gentijana, Mergime, Joyce, Kreschma und Kimberly, sind zwischen 12 und 18 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen Schulen und verschiedenen Nationalitäten. Eine eher heterogene Gruppe, im Kern bis zu zehn Mädchen. Immer mal wieder öffnet sich die Tür der Sporthalle.

Manche wollen „nur mal gucken“, andere mitspielen; einige bleiben, andere gehen wieder, zu anstrengend. Markus Baum, Sportlehrer und Trainer, hat es nicht leicht. Diese Fußball-AG ist keine Mannschaft, sondern ein offenes Projekt. Der selbst aktive Fußballer muss im Training die unterschiedlichen körperlichen Möglichkeiten der Mädchen berücksichtigen, damit sich keine über- oder unterfordert fühlt. Schon beim Aufwärmen, worauf nicht jede Lust hat. Die Technikeinheit mit Einwurf, Slalom, Abspielen und Torschuss macht da schon mehr Spaß, und das zeigen die Mädchen auch mit entsprechendem Einsatz am Ball. Dann das obligatorische Spiel, sechs gegen sechs. Teamgeist und Fairplay sind vor allem angesagt, kein harter Körpereinsatz, kein Grätschen und auch: keine Schimpfworte. Die vermeintlich Schwächste wird so ins Spiel gebracht, dass sich die Stärkere etwas zurücknimmt. Die Mädels sprühen vor Ehrgeiz. Freilaufen, anbieten, in der Abwehr aushelfen. Tore schießen wollen sie alle, da stehen sie den Jungs in nichts nach. Nach zwei Halbzeiten über je 15 Minuten glühen die Körper und die Köpfe. Kurze Besprechung: Was gibt’s zum Spiel zu sagen, was war gut, was nicht? Ideensammlung für die nächste Trainingseinheit und Tschüss. Schließlich der Hinweis auf die Trainingsstunden je nach Alter beim TSV Landau. Der TSV ist einer der Stützpunktvereine bei „Integration durch Sport“ (IdS). Die Mannschaftssportart Fußball gilt als erprobtes Vehikel, um Integration zu transportieren. „Sie kann spielerisch wichtige Normen und Werte für ein gelingendes Miteinander über Kulturgrenzen hinweg bei entsprechendem Engagement von Sportverein, Trainer und Ehrenamtlichen vermitteln“, sagt Peter Schreiber, IdS-Regionalkoordinator der Sportjugend Hessen. Im Mädchen- und Frauenfußball ist der TSV Landau eine regionale Größe. Abteilungsleiter Marco Steinbach sah schon vor bald 20 Jahren das Potenzial vieler Mädchen und Frauen, die sich an diese männerdominierte Sportart herantrauen wollten. Neuerdings sind insbesondere die Juniorinnen mit Migrationshintergrund in den Fokus geraten; sie sind nicht nur im Fußball stark unterrepräsentiert. Der TSV will auch für sie eine Adresse sein – mit seinen aktuell zwei Mädchen- und zwei Frauenteams oder eben mit der Schulsport-AG am Mittwochnachmittag. (r)

  1. Der TSV Landau veranstaltet am Samstag, 19. Juni (10.30 Uhr), auf dem Sportplatz den „Tag des Mädchenfußballs“ in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Fußballverband und der AOK Hessen – und zwar im Hinblick auf die Frauenfußball-WM 2011. Interessierte melden sich bei Abteilungsleiter Marco Steinbach (0170/4402446) oder informieren sich unter: www.tsv-landau.de.

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