„Potenzial ist groß“: Marianne Becker koordiniert Zusammenarbeit von sechs Diemelseer Vereinen

Kräfte bündeln - mehr bieten können: Diemelseer Sportvereine kooperieren

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Spaß mit Gewicht: Langhantel-Training („Powerpump“) war der zweite Schwerpunkt im Kursangebot der Diemelseer Vereinskooperation.

Adorf. Das Miteinander von Sportvereinen in der Spiel- oder Startgemeinschaft ist seit Jahrzehnten eine Größe. Andere Formen der Kooperation sind noch selten – in Diemelsee mit seinen 13 Ortsteilen probieren sie gerade eine aus.

VfL Adorf, SG Diemelsee, TSV Flechtdorf, TuS Rhenegge, TSV Vasbeck und TSV Wirmighausen haben sich unter dem Slogan „Diemelseer Sportvereine – vereint – aktiv“ zusammengetan, um am Anfang zusätzliche Angebote im Gesundheitssport zu organisieren. 

Marianne Becker koordiniert das Projekt. „Es soll kein Strohfeuer sein“, sagt die 59-Jährige aus Adorf. 12 Jahre war sie Vorsitzende des Turngaus Waldeck, seit Ende Februar wirkt die Übungsleiterin als Beisitzerin im Sportkreis-Vorstand mit.

Im Interview stellt sie das vorbildliche Projekt in Diemelsee vor. 

Frau Becker, warum gibt es die Vereinskooperation?

Marianne Becker: Viele Menschen machen sich in Diemelsee für den Sport stark. Oft engagieren sie sich aber nicht nur im Sportverein, sondern zusätzlich auch in anderen Vereinen. Indem wir uns zusammentun in Diemelsee, bündeln wir die Kräfte, können deshalb stärker auftreten, eine größere Außenwirkung erzielen und neue Angebote machen, ohne die schon Engagierten mehr zu belasten. Unser großes Plus dabei ist, dass wir viele gute lizenzierte Übungsleiter haben.

Gemeinsam geht mehr, als wenn jeder für sich allein wurschtelt.

Becker: Genau. Die Kooperation ist ja keine neue Erfindung. In Diemelsee wird schon lange miteinander gearbeitet, im Fußball zum Beispiel oder in der Leichtathletik. Die Idee bei diesem Projekt war nun, punktuell etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen und – an dieser Stelle komme ich ins Spiel – jemanden zu benennen, der informiert, zu Sitzungen einlädt, Protokolle schreibt oder die Öffentlichkeitsarbeit macht.

Sie sind also eine Art Koordinatorin?

Becker: Ja, das ist meine Aufgabe, um die Personen die sich schon das ganze Jahr über stark engagieren, zu entlasten. Wenn sechs Vereine im Projekt zusammenarbeiten, muss einer da sein , der die Arbeit bündelt.

Haben Sie das Projekt mit ins Rollen gebracht? Schließlich war Kooperation für Sie während Ihrer Zeit als Turngau-Vorsitzende immer ein Thema.

Becker:Ich hatte die Idee schon vor Jahren, aber keine Zeit sie umzusetzen. Jetzt habe ich die Vereine angesprochen. Sie machen eine so tolle Arbeit, ich weiß aus meinen Erfahrungen im Turngau, dass sie ihre Trainer und Übungsleiter nicht nur wunderbar unterstützen, sondern sie auch wirklich wertschätzen. Das muss man fördern.

Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf Breitensport?

Becker: Im Moment favorisieren wir den Gesundheitssport. Zur Zeit bieten wir zwei Kurse jährlich zusätzlich zu dem an, was die Vereine auf die Beine stellen. Pezzi-Power ist als erstes gelaufen, im zweiten Kurs ging es um Langhantel-Training. Beide Kurse waren in kürzester Zeit ohne große Werbung voll. Die Übungsleiter bekommen ein kleines Entgelt. Sie haben schließlich einen höheren Aufwand und es motiviert sie auch.

Welche Ziele überhaupt verfolgen Sie?

Becker: Ganz oben steht die besagte vereinsübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitssport und die Bündelung der Ressourcen. Aber wir wollen auch Mitglieder gewinnen, den Standort Diemelsee stärken und mit diesem zusätzlichen attraktiven Angebot auch Neubürger oder Nichtmitglieder erreichen. Außerdem können wir Kosten senken – wir verfügen über einen Gerätepool, auf den die Vereine zugreifen können.

Nicht jeder muss alles anschaffen?

Becker: Genau. Wir haben uns geeinigt, erst mal langsam zu beginnen, in Zukunft wollen wir das Angebot aber ausweiten. Das Potenzial ist groß. Als nächste Aktion mit Start Mitte August planen wir ein Trainingsprogramm für den Alltag. Zielgruppe sind Menschen ab 60, die bisher wenig oder keinen Sport getrieben haben. Das sind oft Frauen und Männer, die sich fragen, ob sie das, was der Verein anbietet, überhaupt können. Ihnen machen wir ein Angebot mit leichtem Einstieg. Der Kurs erstreckt sich über zehn Wochen.

Und dann? Wie steht es um die Nachhaltigkeit?

Becker: Die einzelnen Vereine stellen sie sicher. Wir haben in Rhenegge eine Gruppe, wo die Menschen 60+ nach Ende des Kurses weitermachen könnten, es gibt Seniorensport in Flechtdorf oder Adorf – eigentlich in all den Orten mit Sportverein. Wir wissen allerdings, dass nicht alle Mitglied eines Vereins werden wollen. Wenn wir da Bedarf feststellen sollten, würden wir den Kurs erneut anbieten. Es soll nicht nur ein Strohfeuer sein.

Ist die Inklusion ein Thema?

Becker: Wir werden uns am inklusiven Sportabzeichen beteiligen. Start ist nach den Sommerferien am 8. August in Vasbeck, das Training wird dort jeweils mittwochs stattfinden. Mit im Boot ist die Mittelpunktschule Adorf, einen weiteren Partner wollen wir noch gewinnen. Unser Ziel ist eine Beteiligung am Sportabzeichentag am 5. September in Korbach.

Können Sie sich eine engere Partnerschaft der Vereine vorstellen – eine gemeinsame Mitgliederverwaltung zum Beispiel?

Becker: Sicherlich ist das mal angeschnitten worden. Aber derzeit sind die Vereine noch so gut aufgestellt, dass sie autark bleiben können. Sie bekommen ihre Vorstände noch zusammen. Aber es gibt sicherlich weitere Felder, auf denen wir kooperieren könnten. Ein Thema ist eine von den Vereinen organisierte Sportlerehrung; die Gemeinde möchte sie gern abgeben. Auch Übungsleiter kann man austauschen.

Das heißt?

Becker: Die Übungsleiterin des VfL Adorf könnte auch Kurse beim TSV Wirmighausen geben oder umgekehrt. Aktuelles Beispiel: Die Kinderturngruppen in Adorf platzen aus allen Nähten, es gibt keine Übungszeiten mehr in der Schulsporthalle. In Wirmighausen dagegen fehlte ein Übungsleiter im Kinderturnen. Man geht hin, macht in Wirmighausen eine neue Gruppe auf, die von einer Jugendlichen aus Adorf mitbetreut wird. Man geht also dahin, wo Platz ist. Eine Supersache.

Wo liegen die Probleme der vereinsübergreifenden Zusammenarbeit?

Becker: Wir haben noch keine festgestellt.

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