Korbacher Profi arbeitet in Übersee mit Trainergrößen 

Jassmann erweitert in USA boxerischen Horizont 

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Ready to Rumble: Die USA war für diese vier Walecker eine Reise wert: Das Bild zeigt (v.l.) David Heise, Mario Jassmann, Kevin de Bruyn und Christian Wolf im Ten Goose in Los Angeles, wo Jassmann den Schlagabtausch suchte. Fotos: pr

Korbach/Los Angeles – Die Tür geht auf im Wildcard Gym in Los Angeles und vier Korbacher betreten den großen Trainingsraum, wo sich schon Boxer auf ihre WM-Kämpfe vorbereitet haben. Gym-Besitzer ist der mehrmalige Welttrainer Freddie Roach.

Das Waldecker Quartett geht an einer langen Bilderwand vorbei, wo viele dieser Champions sichtbar werden, dort hängen Fotos und Zeitungsausschnitte von ihnen, der große Muhammad Ali darf hier natürlich nicht fehlen, genauso wie, Mike Tyson, Óscar de la Hoya, Manny Pacquiao und viele andere mehr. Nationalflaggen nehmen dem Raum ein wenig das Licht, weil sie wie Gardinen vor den Fenstern des Raumes hängen.

Mario Jassmann ist zwar kein Weltmeister, trotzdem schindet er im Wildcard-Gym bei den anwesenden Kämpfern auch ein wenig Eindruck, denn der Mittelgewichtler hat mit David Heise und Christian Wolf gleich zwei Kameramänner und seinen Physiotherapeuten Kevin de Bruyn im Schlepptau. Who is that guy? – Here comes the International German Champion.

Hinterhof-Gyms machen sich rar

Der Besuch aus Deutschland war angekündigt. Der Profi aus Korbach hat 15 Tage lang in verschiedenen amerikanischen Trainingscamps (Gym) die Fäuste und den Schweiß fliegen lassen, neben dem Wildcard Gym bearbeitete er in L.A. im Ten Goose Gym die Pratzen in denen die Hände des bekannten Trainers Ricky Funez steckten, er schnürte in der Boxing Academy Jackrabbit die Handschuhe und hatte im City Athletic Boxing-Gym in Las Vegas eine besondere Begegnung.

Und wenn Jassmann, Heise, Wolf und de Bruyn ins Erzählen kommen, über ihre Erlebnisse in den USA, fällt dem Zuhörer sofort der Rocky-Film ein, in dem sich ein boxerischer Außenseiter in dunklen und heruntergekommenen Gyms mit viel Fleiß zum Weltmeister hocharbeitet. Gibt es diese verruchten Hinterhof-Gyms in den USA überhaupt noch? „Eigentlich nicht, aber das Wildcard kommt den alten Gyms noch am nächsten“, erzählt Jassmann. Dort gebe es auch nur eine Dusche und eine Toilette.

Natürlich waren all diese Trainingseinheiten für Jassmann Teil der Vorbereitung für den Kampf in der Halle in Meineringhausen am kommenden Samstag (siehe Text unten), aber der Trip über den großen Teich war für den 31-Jährigen vor allem ein Intensivkurs, um seinen persönlichen Boxhorizont zu erweitern, neue Trainingsmethoden und neue Leute kennenzulernen.

Amerikaner boxen anders als Europäer

„Die Amerikaner trainieren und boxen etwas anders als die Europäer“, erzählt Jassmann, der in 19 Profikämpfen noch ungeschlagen ist. Eine technisch gute boxerische Ausbildung sei den Amerikanern weniger wichtig, stattdessen würden sie aber mehr Wert auf das schnelle Boxen legen. Diese etwas andere Art des Faustkampfes bekam Jassmann bei seinen Trainingseinheiten auch schnell zu spüren. „Die Pratzenarbeit war viel intensiver, aber in kürzeren Einheiten und beim Sparring wurden weniger Runden geboxt, aber mit mehr Tempo“, erzählt der Korbacher.

Auch technisch habe er im amerikanischen Ringgeviert noch einiges dazugelernt. „Meine Deckung war bisher gut, aber ein wenig zu hoch angesetzt, Trainer Ricky Funez sagte mir, wenn ich sie ein wenig tiefer nehmen würde, könnte ich besser die Attacken des Gegners aus den Augenwinkeln erkennen.“ Ein guter Hinweise - möglicherweise ein siegbringender. 

Besuch aus Korbach: Mario Jassmann hat vom mehrmaligen Welttrainer Freddie Roach in dessen Wildcard-Gym in Los Angeles noch einige Tipps und Anregungen für einen erfolgreichen Faustkampf erhalten.

Neun Tage lang weilte Marion Jassmann mit seinem Team in Los Angeles, und er war dort so sehr mit seiner Sportart beschäftigt, dass er die Sehenswürdigkeiten in der Hollywood-Stadt keines Blickes würdigte. 

„Es sollte auch kein Urlaub werden“, betont der 31-Jährige, denn schließlich hätten Sponsoren ihm dieses Trainingscamp erst ermöglicht, allen voran sein Boxhandschuhhersteller. 

Das gleiche gilt auch für die beiden Kameramänner David Heise und Christian Wolf. Einen Abstecher nach Hollywood oder gar in den Grand Canyon hatten die beiden ursprünglich mit eingeplant. Sie machten sich selbst einen Strich durch diese Rechnung, denn letztendlich endeten die Tage für sie öfters mit einer Nachtschicht, weil das frische Filmmaterial noch bearbeitet und geschnitten werden musste, damit die Social-Media-Gemeinde von Mario Jassmann nahezu täglich mit neuem Videofutter versorgt werden konnte, genau wie das Korbacher Kino, wo vor dem Hauptfilm alle zwei Tage stets ein neuer Jassmann-Spot made in USA lief. 

Eine Profibox-Veranstaltung im Staples Center in Los Angelas ließen sich die vier Waldecker aber nicht entgehen. 

Obwohl es eine sehr anstrengende Reise und eine neue Erfahrung auch für die beiden Filmemacher war, möchten sie diesen Ausflug ins Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten nicht missen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Amerikaner so freundlich sind, aber alle“, sagt Heise und sein Kamerakompagnon stimmt ihm zu. 

Und auch die Lebenseinstellung der Amerikaner, jemanden Erfolg ohne Neid zu gönnen, gefiel dem Quartett aus Germany. Ein weiterer Türöffner, um in diesen renommierten Boxsport-Tempeln gegen den Sandsack zu schlagen, war für Jassmann auch ein gewisser Jacob „Stitch“ Duran. Er gilt als der weltbeste Cutman und hat sich schon den aufgerissenen Augenbrauen der Gebrüder Klitschko und denen von anderen Boxgrößen angenommen. Er gab auch Physio de Bruyn noch einige gute Tipps. 

Diesen Mann hatte Jassmann zufällig bei einem Boxmeeting in Hamburg kennengelernt. Er gab dem Korbacher Boxer seine Handynummer und sagte ihm: „Melde dich bei mir, wenn du in den USA bist.“ Jassmann nahm dieses Angebot gern an, Duran ließ danach seine weitreichenden Kontakte in den Gyms spielen. 

Wiedersehen in Las Vegas

Die beiden feierten ein Wiedersehen im City Athletic Boxing Club in Las Vegas. „Stitch ist extra wegen mir dort vorbeigekommen und hat mir sogar die Hände getapt. Das ehrt mich besonders. Ich kann auch jederzeit wieder bei Stitch vorbeikommen“, sagt Jassmann und da schwingt auch ein wenig Stolz in seiner Stimme mit. Die Türen der Gyms stehen dem Korbacher also weiterhin offen, und er selbst schließt auch ein zweites US-Trainingscamp nicht aus. Erste Kontakte sind geknüpft. Und sein Traum von einem Kampf in Amerika lebt –mehr denn je zuvor. (rsm)

Titelkampf in Meineringhausen

Das hat Meineringhausen noch nicht erlebt: Ein Boxabend findet am 9. November ab 19 Uhr in der Walmehalle statt. Acht Kämpfe sind vorgesehen, und den Hauptkampf bestreitet Lokalmatador Mario Jassmann. 

Der Internationale deutsche Meister im Mittelgewicht boxt gegen den in Ungarn lebenden Kubaner Eric-les Torres Marin um den vakanten Inter-Continental-Gürtel im Supermittelgewicht der World Boxing Federation (WBF). Der Kampf ist auf zwölf Runden angesetzt. 

Der Kubaner ist mit seinen 43 Jahren nicht mehr der jüngste, aber Jassmann lässt sich davon nicht blenden. „Egal, wie der Gegner heißt und wie alt er ist, im Profiboxen kann alles ganz schnell vorbei sein.“ Marin weist eine Bilanz von 33 Kämpfen auf, mit 20 Siegen, zwölf Niederlagen und einem Remis. Seinen letzten Ringauftritt hatte der Kubaner allerdings schon vor zwei Jahren. 

Aber auch das bedeutet für den Korbacher nichts. Marin sei nur schwer auszurechen, denn als Konterboxer würde er überfallartige Angriffe starten. „Da muss ich konzentriert sein“, sagt der 31-Jährige, der bei den Profis noch ungeschlagen ist und in Meineringhausen seinen 20. Sieg landen möchte. 

Wenn er den Kubaner schlagen sollte, würde Jassmann in der Rangliste der European Boxing-Union von Rang elf in die Top Ten aufsteigen und auch einem EM-Kampf näher kommen. Drei US-Kämpfer seien in der Walmehalle auch dabei, teilte Enrico Schütze vom veranstaltenden PSP-Boxstall mit. „Für die regionale Note sorgen Abdul Ghafour Esmaili aus Baunatal und Oezcan Cetinkaya aus Gudensberg.“

 Karten seien noch an der Abendkasse oder beim Wiegen am Freitag im Korbacher Kino (15 Uhr) erhältlich. (rsm)

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