Korbacher will sich auch von Corona nicht stoppen lassen

Mario Jassmann: „Ich boxe noch fünf Jahre“

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Stolz: Der Korbacher Boxer Mario Jassmann präsentiert seine zwei Titel nach seinem bisher letzten Kampf im November in Meineringhausen.

Derzeit ist Mario Jassmann als Fachangestellter für Bäderbetriebe bei der Stadt Wolfhagen damit beschäftigt, Vorbereitungen für die eventuelle Saisoneröffnung des dortigen Schwimmbades zu treffen. Seiner Leidenschaft zu boxen, kann der Korbacher wegen des Coronavirus im Moment nur sehr eingeschränkt nachgehen.

Korbach. Zuletzt stand der 32-Jährige am 9. November 2019 als Profi im Ring, als sich der gebürtige Korbacher in der Walmehalle in Meineringhausen durch technischen K.o. in der sechsten Runde über den 43-jährigen Kubaner Ericles Torres Marin den Titel des Interkontinental-Meisters im Supermittelgewicht bis 76,2 Kilogramm nach der Version der World Boxing Federation (WBF) sicherte.

Danach musste der Schützling von Trainer Kai Kurzawa Ende November wegen einer Rückenverletzung einem am 30. November 2019 geplanten Kampf im tschechischen Kladnoabsagen, bevor seine geplante Titelverteidigung gegen den Kroaten Bosko Misic am 21. März in der Korbacher Kreissporthalle wegen der Coronapandemie ausfiel, woran Jassmann, „ich habe leider noch nicht die Riesenbörsen verdient“, länger zu knabbern hatte.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es so weit körperlich gut, außer, dass ich von der Motivation als Boxer her, nicht so die Ziele vor Augen habe. Das ist ein bisschen blöde, weil Sportler immer Ziele brauchen und wenn man die nicht hat, ist das halt doof.

Wie können Sie sich derzeit denn sportlich betätigen?

Ich habe sehr viele Ausdauerläufe gemacht, bis irgendwann die Muskulatur zu gemacht hat und ich mich behandeln lassen musste. Ansonsten habe ich bei meinem Vater einen Sandsack hängen, an dem ich gearbeitet habe. Dazu kommen natürlich so Sachen wie Liegestütze und Sit-Ups. Derzeit trainiere ich auf Sparflamme acht Stunden in der Woche. Es heißt nur laufen, laufen und laufen. Dagegen sind Krafttraining, Pratzenarbeit und Sparring durch Corona gar nicht möglich. Mein Boxraum im Fitnessstudio, indem ich auch alleine trainieren könnte, ist wie das Studio auch noch zu.

Aber wohl nicht mehr lange, oder?

Ja, es sieht so aus, dass ich da nun wieder unter gesundheitlichen Sicherheitsvorkehrungen trainieren kann, dann hat das Leben auch wieder ein bisschen mehr Sinn. Ich werde dann neben dem Ausdauertraining erst einmal zweimal die Woche Krafttraining machen, und dann werden wir weiter sehen. Das Problem ist, dass wir derzeit keinen Kampftermin haben, was die Planungen schwieriger macht. Sobald wir einen Kampftermin haben, werden wir wieder boxspezifischer arbeiten.

Mit den Worten ‘Das Leben ist nicht immer fair. Ich habe sehr hart trainiert. Vier Monate habe ich mich gequält, für nichts. Meine Enttäuschung ist kaum in Worte zu fassen. Wut, Enttäuschung und auch ein wenig Trauer wechseln sich ab. Man kann fallen, doch Champions stehen immer wieder auf‘, haben sie die Absage ihres am 21. März geplanten Kampfs kommentiert. Wie denken Sie heute darüber?

Die Absage war nachvollziehbar, aber dennoch nicht schön, weil ich Sportler bin. Auch vom Finanziellen her nicht und weil die ganze Vorbereitung umsonst war. Danach bin ich schon in ein Loch gefallen.

Und jetzt müssen Sie erst einmal im Nebel stochern, weil es wegen Corona keinen neuen Kampftermin und damit zunächst auch kein neues Ziel gibt, oder?

Genau das ist das Problem, Wir warten jetzt halt, bis es irgendwann mal wieder einen Termin gibt, an dem wir eine Veranstaltung machen können. So kann man auch nicht hundertprozentig trainieren.

Mit dem Termin könnte es noch länger dauern, weil Boxen ein Vollkontaktsport ist.

Ja, das stimmt. Wir gehen derzeit davon aus, wenn alles so bleibt und die Sache sich beruhigt, dass wir wahrscheinlich eine kleine Veranstaltung mit bis zu 500 Leuten ab dem 1. September 2020 wieder machen können.

Sie sind mittlerweile 32 Jahre alt. Könnte die Coranapause auch dazu führen, dass Sie ihre Boxhandschuhe an den Nagel hängen?

Nein, Boxen ist mein Leben. Boxen ist das, was ich schon immer machen wollte und was mir am meisten Spaß macht. Ich werde auf jeden Fall noch fünf Jahre boxen. Und danach schauen, wie es weiter geht. Wegen einem halben Jahr Corona wird sich an meiner Lebenseinstellung nix ändern.

Welche Ziele haben Sie als Boxer noch?

So viele Kämpfe wie möglich zu gewinnen und vielleicht auch den ein oder anderen Kampf Richtung Welt- oder Europameisterschaft zu machen, was natürlich mein Traum und mein Ziel ist. Dafür will ich natürlich in einer guten Verfassung sein. Dadurch, dass ARD und ZDF wieder Boxen übertragen, wird sich die ein oder andere Chance mehr ergeben. jh

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