Erleichterung groß trotz Abstands- und Hygieneregeln und fehlender Vereinsatmosphäre

Abschlag mit Handicaps: Heimische Golfclubs sind wieder aktiv

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Ob Bunker, Abschlag oder Putting-Grün: Die Golfer legen heute wieder los – auch sie müssen Abstand halten. 

Alle Plätze startklar: Die Golfclubs in Arolsen, Waldeck und Wildungen kehren an diesem Samstag zu ihrem Sport zurück.

Neidisch blickten Hessens Golfspieler zuletzt nach Mecklenburg-Vorpommern: Schon seit 20. April darf dort wieder abgeschlagen und geputtet werden. Und nun ist es auch hierzulande soweit – Ministerpräsident Volker Bouffier gab am Donnerstag das lang ersehnte Okay für die Wiederaufnahme des Golfs am heutigen Samstag.

Und weil man bereits vor einer Woche die Freigabe erwartet hatte, sind die Golfclubs für den Re-Start bestens gerüstet. So auch die drei Clubs im Waldecker Land, bei denen unisono Verständnis für die bisherigen Entscheidungen der Politik herrscht. 

Abschlag in Arolsen: So wie hier beim Golf- und Landclub im vorigen Jahr wird viel Andrang herrschen auf den heimischen Plätzen; auch auf der Driving-Range sind beim Start ab heute Abstandsregeln einzuhalten. (Foto: -es-)

Und die Golfplätze am Twistesee, in Wildungen und in Waldeck am Edersee vermelden: Seit Tagen alles präpariert, Vorschriften an Mitglieder übermittelt, einige Tage bereits ausgebucht. Wobei das mit dem Buchen schon die erste Umgewöhnung ist: Bisher mussten Spieler meist nur an Wochenenden eine Golfrunde vorab reservieren. Jetzt ist das grundsätzlich immer notwendig, um die Zahl der Spielenden zu kontrollieren.

„So ein Kribbeln im Magen“, verspüre man im Golfclub Waldeck, sagt dessen Präsident Horst Kleinschmidt. „Solidarisch teilten wir uns den Schmerz mit Tennisspielern, Fußballern und anderen Sportlern, die ihre Sportanlagen nur von außen betrachten durften.“ Nun sei die Erleichterung groß, wieder dem Hobby nachgehen zu können.

Sheriffs und Kameras kontrollieren auf Golfplätzen

„Golf besitzt Suchtpotenzial“, beschreibt Katja Stresow vom Bad Wildunger Golfclub das Warten auf den ersten Abschlag der Saison 2020. „Eine Überdosis gibt es zum Re-Start noch nicht.“ Wenn alle vernünftig seien und sich an die Regeln hielten, könne man die Dosis aber sicher langsam steigern, meint die Medienbeauftragte.

Und auch Udo Lossau spürt bei seinen 500 Mitgliedern im Golf- und Landclub Bad Arolsen die Vorfreude auf den heutigen Tag. Wobei der Präsident bei einer solchen Fülle an Mitgliedern hofft, dass alle sich die Abstands- und Hygieneregeln, die schon auf dem Parkplatz beginnen, bewusst machen. „Jeder muss sich daran halten, nach dem Motto 'das wird schon auch mal so gehen’ funktioniert es nicht“, sagt Lossau.

Blick auf Schloss Friedrichstein: Aucb beim Golfclub Bad Wildungen startet an diesem Samstag (9.5.) der Betrieb.

In Arolsen wird per Videoüberwachung die Einhaltung der Regeln kontrolliert, in Waldeck gehen „Sheriffs“ auf Kontrollfahrt. Grundsätzlich glauben die Vertreter aller drei Clubs aber an einen vernünftigen Umgang ihrer Mitglieder. „Auf einem Golfplatz ist es nicht so schwer, die Kontaktabstände einzuhalten“, sagt Kleinschmidt. In Waldeck bei 98 Hektar sei beispielsweise genug Platz.

Zeit und Raum spielen die größte Rolle bei den Verhaltensregeln. Staus gilt es zu vermeiden. Auf vielen Plätzen dürfen die Golfer vorerst nur neun statt 18 Löcher spielen, damit jeder drankommen kann. Begrenzt ist die Anzahl der Spieler, die sich auf Übungsflächen (Driving Range, Putting/Shipping Green) gleichzeitig aufhalten darf; auch die Zeit dort ist für jeden begrenzt. 

Golfclub Waldeck. Auch hier geht es nach der Corona-Pause am Samstag, 9. Mai, wieder los.

Dreier- oder Vierer-Flights sind noch kein Thema; dies werde aber vom Verband noch mit den Politikern geklärt, erklärt Udo Lossau. Vorerst sind aber nur Spielrunden zu zweit erlaubt. Golf-Unterricht ist bei allen heimischen Vereinen möglich, aber nur im Einzel-Training.

Weitere Verhaltens- und Hygieneregeln (Auszug)

- Erst kurz vor der gebuchten Startzeit am Abschlag erscheinen; nach Ende der Runde zügig die Anlage verlassen.

- Wettspiele aller Art finden nicht statt.

- Umkleidekabinen und Duschen dürfen nicht benutzt werden

- Fahne zur Lochmarkierung darf nicht herausgenommen werden.

- Ballwasch-Einrichtungen sind außer Betrieb, Bunker-Rechen nicht vorhanden. Ball säubern nur mit eigenem Handtuch.

- Golfcarts dürfen nur von einer Person gefahren werden.

Was den Sport auch ausmacht, fällt derzeit noch weg: „Loch 19“, wie es die Golfer nennen – das Zusammensein nach der Runde. Wenn ab 15. Mai die Gastronomie aber wieder öffnen darf, so Lossau, „kann auch wieder ein bisschen Clubleben entstehen.“ (schä)

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