Nur wenige heimische Reiter schaffen es bei Springprüfungen in Waldeck aufs Podest

Erd und Zey im Dauerduell

+
Daniel Erd  aus Bad Wildunger holte sich auf dem Waldecker Platz am Mehlberg mit seinen Pferden zwei Siege.

Waldeck. Irgendwo im Waldecker Turnierplatz-Staub liegen diese Sekunde und zwei zwei Zehntel.

Daniel Erd weiß direkt nach dem Ritt auf seinem Pferd Cool Cosy Girl, wo er die Zeit liegen gelassen hat, die ihm den Sieg beim abschließenden Springen der Klasse M** beim Pfingstturnier des Reitvereins Waldeck gekostet hat.

„Der drittletzte und der letzte Sprung waren nicht optimal. Manchmal ist die Distanz zum Hindernis nicht so genau zu sehen, dann wartet man und macht ein, zwei Galoppsprünge mehr, das sind dann die entsprechenden Zehntel die fehlen“, erklärt der Bad Wildunger. Er war im ersten Umlauf fehlerlos und noch schneller als Shari Zey (RFV Borken), aber im Stechen drehte die Berufsreiterin den Spieß um und holte sich mit ihrem Vierbeiner die Siegerschleife. Beide waren mit drei Pferden in diese Springprüfung gegangen. Erd holte sich auf Obelix du Chene mit Rang drei noch einen Podestplatz vor Wulfdietrich Rosenow (Bd Arolsen) und seinem Pferd Vis a Vis 13.

Meist beschäftige Reiterin

Nahezu jeder Sprungwettbewerb auf M-Niveau war auch ein Zweikampf zwischen Erd und Zey. Der Bad Wildunger und verwies sie beim Punktespringen mit Cool Cosy Girl und bei der Zwei-Phasen-Springprüfung auf dem Pferd Cape Town de Pierre Z auf Platz zwei.

Zey war wohl die meist beschäftige Reiterin bei diesem Turnier, denn sie trat mit verschiedenen Pferden auch bei Springen der Klassen A und L an und war bei jeder Siegerehrung stets eine Treppchenkandidatin.

Das erstaunt schon, denn die Borkener Reiterin ist derzeit wegen einer Augenoperation in ihrer Sehkraft stark eingeschränkt.

Bei einem M-Springen waren die beiden Abräumer Erd und Zey nicht am Start. Das nutzte der erst 15 Jahre alte Mark Riechers (LRVF Fritzlar) mit seinem Pferd Sierra 106 zu seinem ersten Sieg bei einem Springen in dieser Leistungsklasse.

„Mark hat sich enorm entwickelt, ich weiß noch, wie er hier vor vier Jahren im Kinderwettbewerb angetreten ist“, sagte Carola Fincke, Presse-wartin des Gastgebervereins. Der Fitzlarer gewann in Waldeck auch ein L-Springen. Die heimischen Springreiter und -reiterinnen hatten bei diesem Turnier einen schweren Stand. Ein Sieg, ja sogar ein Platz unter die ersten drei, blieben eine Ausnahme.

M-Springen: 15-Jähriger siegt

Steven Cliff (Sachsenhausen) kam auf seinem Ross Lubomir in der Springprüfung mit Idealzeit der Klasse A** auf Rang drei.

Merle Vahland gewann auf Chayenne Shari den Springreiter-Wettbewerb. Greta Varchim (Wrexen) holte sich mit ihrem Pferd Cookie im Führzügel- Wettbewerb Rang zwei. Der Bad Arolser Wulfdietrich Rosenow siegte mit Viktoria 88 bei der Springprüfung der Klase A**. (rsm)

Alle Ergebnisse des Turniers im Internet: www.equi-score.de

Sonne allein macht noch kein gutes Reitturnier

Es ist nicht nur der blaue Himmel, der Bruno Reich ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen setzt. Natürlich weiß der Vorsitzende des Reitvereins Waldeck, dass die Sonne mehr Zuschauer auf den Turnierplatz am Mehlberg lockt als eine graue Wolkendecke. 

Allerdings ist Reich mit dem dreitägigen Turnierverlauf auch aus anderen Gründen „hochzufrieden“. Da ist zunächst die „sehr gute Entscheidung“, den Samstag zum Dressurtag zu machen und die Wettbewerbe auf dem großen Platz auszutragen, wo sonst nur die Springreiter unterwegs seien. „Dadurch rücken die Dressurreiter viel mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit, was sie auch verdient haben“, sagt der Vorsitzende. 

Er macht aber auch das gute Miteinander aller Waldecker Vereine für die gute Zuschauerkulisse verantwortlich. „In jedem Verein sind es doch immer wieder die selben, die etwas tun und mitanpacken. Deshalb helfen wir uns nun immer gegenseitig und damit das gut funktioniert, treffen sich die Vorsitzenden der Vereine bei allen Hauptversammlungen.“ 

Wenig Lust auf Gemeinschaft 

Reich hat zumindest für den Reitverein einen Grund ausgemacht, warum der personelle Engpass immer enger zu werden scheint. Die Lust Gemeinschaft zu erleben sei bei den jüngeren Leuten enorm gesunken. Eine Reiterin habe sich kürzlich bei Reich beschwert, weil ihre zwei Turniertermine zeitlich zu weit auseinander liegen würden. „Das hat uns früher nichts ausgemacht, wir waren sowieso die ganze Zeit auf dem Turnierplatz. Dafür nehmen sich die Leute heute keine Zeit mehr, beklagt Reich, räumt aber ein, dass einige es teilweise auch nicht mehr könnten, wegen familiärer oder beruflicher Aufgaben. 

Rollentausch im Sattel 

In einem Reitverein habe aber noch eine andere gravierende Veränderung die Personaldecke dünner werden lasse. „Vor 20, 30 Jahren waren die Sportler fast nur Männer, aber deren Frauen haben bei einem Turnier mitgeholfen, ob beim Backen oder im Verkauf.“ Heute gebe es weitaus mehr Reiterinnen, aber viele von deren Lebenspartnern hielten sich aus dem Vereinsleben heraus und kommen nur als Zuschauer.“ (rsm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare